Deckwerth in der Kritik

Füssen: Nach Wahldebakel der SPD werden Rücktrittsforderungen laut

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In der Kritik: Die Füssener SPD-Ortsvereinsvorsitzende Ilona Deckwerth sieht sich Rücktrittsforderungen ausgesetzt.

Füssen – Nach dem Wahldebakel vom 15. März bricht der im Füssener SPD-Ortsverband bereits seit längerem schwelende Streit wieder voll aus. Im Zentrum der Kritik aus Teilen der Stadtratsfraktion und der Vorstands-Beisitzerin Michelle Derbach steht Ortsvereins- und Unterbezirksvorsitzende Ilona Deckwerth.

Das erst 16 Jahre alte Vorstandsmitglied Derbach fordert Deckwerth in einer persönlichen Erklärung auf, die Konsequenzen aus dem schlechten Wahlergebnis zu ziehen und von ihren Ämtern zurück zu treten.

Es ist kaum zwei Wochen her, da verzeichnete die SPD in Füssen ein historisch bislang wohl einmalig schlechtes Ergebnis bei der Kommunalwahl: Waren beim Urnengang 2014 noch 30.239 Stimmen auf die Sozialdemokraten entfallen, waren es heuer nur noch 11.306. Die Fraktion im Stadtrat implodierte damit förmlich von derzeit noch sechs Sitzen auf künftig nur noch zwei. Auch ein Blick auf das Abschneiden der Spitzenkandidaten heuer und vor sechs Jahren offenbart das ganze Ausmaß des Debakels: Konnte der noch amtierende Bürgermeister Paul Iacob 2014 bei seiner Wiederwahl 3268 Stimmen auf sich vereinen, holte der diesjährige Bürgermeister-Kandidat Erich Nieberle gerade einmal 766.

In Teilen des Ortsvereins sorgt das desaströse Abschneiden für zunehmende Unruhe. So äußerten sich in dieser Woche sowohl Beisitzerin Michelle Derbach als auch Teile der Stadtratsfraktion. Im Zentrum der Kritik steht Ortsvereins- und Unterbezirksvorsitzende Ilona Deckwerth, die bei der Landratswahl mit 6,6 Prozent der abgegebenen Stimmen beim Wähler gleichfalls sang- und klanglos durchfiel. Die 16-jährige Derbach fordert aus Sorge um die Füssener und Ostallgäuer SPD Deckwerth zum Rücktritt auf, um den Weg für einen Neuanfang frei zu machen. Die Analyse des SPD-Vorstandes, wonach vor allem Bürgermeister Paul Iacob (SPD) und der Bundestrend ursächlich für das Ergebnis seien (der Kreisbote berichtete), zeige nur, wie entrückt Deckwerth mittlerweile von der Realität sei, so Derbach in ihrer Erklärung. „Selbst einmal Verantwortung für diese unterirdischen Ergebnisse zu tragen, ist von den Führungspersonen in der SPD Füssen nichts zu erkennen.“ Dieses Verhalten sorge bei den Wählern für Politikverdruss und stärke die extremen politischen Ränder.

Schlingerndes Schiff

Dabei ist nach Ansicht Derbachs insbesondere Deckwerth als Ortsvereinsvorsitzende verantwortlich für die „katastrophalen Ergebnisse“. Es sei bei den Bürgern nicht gut angekommen, dass Deckwerth Bürgermeistermeister Iacob zum Abschuss freigegeben habe. Wie bereits mehrfach berichtet, hatte Deckwerth den Rathauschef kurz vor Weihnachten scharf angegriffen, weil dessen Frau die Umnutzung von vier Mietwohnungen in ihrer gemeinsamen Immobilie in Ferienwohnungen beantragt hatte. In der Folge hatten Fraktionsvorsitzender Lothar Schaffrath und Stadtrat Wolfgang Bader angekündigt, nicht mehr für die SPD kandidieren zu wollen. Mit ihrer öffentlichen Attacke auf Iacob habe Deckwerth die Füssener Sozialdemokraten auf Talfahrt geschickt, so das Vorstandsmitglied. „Sie haben das Schiff ins Schlingern gebracht und kein anderer in der SPD Füssen“, so Derbach in Richtung der Vorsitzenden. Daher sei es Zeit, Verantwortung zu übernehmen und zurück zu treten.

„Wir machen weiter unsere Arbeit!“

Ilona Deckwerth hatte bereits in der vorvergangenen Woche im Gespräch mit unserer Zeitung einen Rücktritt ausgeschlossen. Das sei kein Thema, sagte sie. Der Füssener Vorstand sowie auch der Unterbezirk stehe hinter ihr. Von daher gebe es keinen Grund für einen Rücktritt. „Wir haben eine gute Stimmung trotz der Niederlage“, sagte die Vorsitzende am Mittwoch. „Wir machen weiter unsere Arbeit!“ Ohnehin sei sie verwundert, dass Einzelpersonen permanent Kritik üben würden. „Diese Leute nehmen überhaupt nicht an unseren Diskussionsprozessen teil.“ Von daher wolle sie sich nicht weiter dazu äußern.

Kritik an der Ortsvorsitzenden kommt aber auch von einem Großteil der Fraktion im Stadtrat. Dort ist man zum einen darüber verwundert, dass der Vorstand eine Wahlempfehlung für Bürgermeister-Kandidatin Christine Fröhlich von den Füssener Freien Wählern (FWF) ausgesprochen habe, weil diese eine Frau sei. Für das Amt des Bürgermeisters seien Kompetenz und Wille ausschlaggebend, nicht das Geschlecht, heißt es in einer Pressemitteilung vom Mittwoch.

"Klägliches Ergebnis"

Zum anderen werfen die Stadträte Lothar Schaffrath, Brigitte Riedlbauer und Dagmar Rothemund dem Ortsvorstand ebenfalls Realitätsferne vor. „Das katastrophale Ergebnis von nur noch zwei Sitzen im Stadtrat damit zu entschuldigen, dass die vergangenen sechs Jahre schlecht gearbeitet worden sei, widerspreche „jeglicher realistischer Betrachtung“. Im Gegenteil: Die Stadt stehe in vielen Bereichen so gut dar wie lange nicht mehr. „Diese Leistungen lassen wir uns nicht durch Einzelne klein oder schlecht reden, um vom eigenen Desaster abzulenken“, erklärt Noch-Stadträtin Riedlbauer. Fraktionschef Schaffrath teilte mit: „Hier lasse ich nicht zu, dass einige versuchen, diese Leistungen ins Negative zu rücken und die Schuld bei der Wahlniederlage bei Bürgermeister Iacob zu suchen.“

Wäre die SPD mit den bisherigen Ratsmitgliedern wieder angetreten, wäre das Ergebnis wohl deutlich besser ausgefallen. Dass mit Wolfgang Bader und Anna Jahn zwei ehemalige SPD-Mitglieder für die Grünen in den Stadtrat einziehen, sollte dem Vorstand zu denken geben. „Die Überlegung, dass die politische Grundeinstellungen der Vorsitzenden der Ostallgäuer und Füssener SPD von den Wählern nicht akzeptiert werde, scheine leider bei der amtierenden Vorstandschaft in der Mehrheit nicht angekommen zu ein“, heißt es weiter in der Pressemitteilung. „Es ist bedauerlich, dass sich eine so alte und in Füssen bisher angesehene Partei mit diesem kläglichen Ergebnis ins Abseits manövriert hat!“, so Stadträtin Brigitte Riedlbauer. 

Matthias Matz

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