Von der Bühne ins Wohnzimmer

Passionsspiele trotz Pandemie: Das Stück »Passion 20:21« wird verfilmt

Schauspieler im Film „Passion 2:1“
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Die Schauspieler spielen vor einem Black- oder Greenscreen, bekommen aber in Echtzeit ein 3-D-Ambiente eingeblendet.

Füssen – Auch in diesem Jahr muss die Passion 20:21, wie schon im vergangenen Jahr, coronabedingt verschoben werden. Doch Yngvar Aarseth, Initiator und Produzent des Stückes, gibt Hoffnung, dass an Ostern doch noch eine Passion zu sehen sein wird. Als Film „Passion 2:1“ will er die in zweieinhalb Jahren erarbeitete Passion 20:21 nun von der Bühne auf die Leinwand bringen. Am vorvergangenen Donnerstag sprachen die Beteiligten und Kulturschaffenden in einer Online-Pressekonferenz über dieses ungewöhnliche Film-Projekt.

Nie hatte Yngvar Aarseth auch nur damit gerechnet, dass diese Passionsfestspiele in Füssen nun ein zweites Mal dem Corona-Virus zum Opfer fallen würden. Seit 2018 arbeitet er mit Regisseur Manfred Schweigkofler an diesem Stück, dessen Entstehungsprozess lange und auch mit „Höhen und Tiefen“ verbunden gewesen sei. So war die Passion 20:20 bereits im vergangenen Jahr als ganz spezielles Theaterereignis im Festspielhaus Neuschwanstein geplant gewesen, deren Inszenierung näher, analytisch betrachtet doch schon sehr filmisch angelegt ist, erzählt Schweigkofler.

Im Stück, in dem der eigentliche Hauptprotagonist fehlt, jedoch alles um ihn kreist, erzählen Maria Magdalena, Petrus, Judas, der Hohepriester und Pilatus ihre persönlichen Geschichten und legen dem Publikum ihre Perspektiven dar – nah, ehrlich und intim. Dabei agieren die Schauspieler allein auf der riesigen Festspielbühne, eingebettet und umgeben von einem durch Videomapping erzeugten Ambiente.

Die Absage der Passion 20:20, im vergangenen Jahr, sechs Tage vor der eigentlichen Premiere, verursachte einen Schock, sagt Schweigkofler. Trotzdem hätte man danach noch daran weitergearbeitet. Aber da auch in diesem Jahr ein weiteres Mal auf die Passions-Aufführung im Festspielhaus verzichtet werden müsse, hatte Aarseth die Idee, das Theaterstück zu verfilmen.

Statt dem Publikum sollen die Schauspieler ihre Geschichten nun direkt in die Kamera erzählen. Statt des Videomappings wird im Film die Notch-Technologie zum Tragen kommen. Dabei spiele der Schauspieler auf der Bühne vor einem Black- oder Greenscreen, bekomme aber in Echtzeit ein 3-D-Ambiete eingeblendet, mit dem er auch interagieren kann, erklärt David Hüger, Komponist. So seien auch die ursprünglichen Musikkompositionen, wie bei der Filmmusik, von vornherein auf Klangmustern aufgebaut gewesen.

Kleine Geschichten

Der Film „Passion 2:1“ soll nun ein Hybrid zwischen Theater und Film werden. Auf große Szenen soll im Film verzichtet werden, denn der Mensch mit seinen kleinen Geschichten soll klar im Vordergrund stehen, erklärt Schweigkofler. Einen ersten Eindruck von der Arbeit der „inspirierenden, jungen Wilden“, wie Schweigkofler, die Filmer Samuel Wurster und Benjamin Krech benennt, bekommt man durch den Trailer unter www.passion-21.de.

„Die Dreharbeiten starten jetzt im Festspielhaus“, sagt Anne Roth, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Am Karfreitag, 2. April, werde dann der 50-minütige Film „Passion 2:1“ das erste Mal um 20.15 Uhr im Stream und auf Bibel TV kostenlos zu sehen sein. Weitere Ausstrahlungen sind für das Osterwochenende unter anderem bei Katholisch TV geplant.

Um das Projekt zu finanzieren, haben die Initiatoren ein Crowdfunding unter www.startnext.com/passion21 geschaffen und hoffen dabei auf rege Unterstützung.

Die Tickets für das verschobene Bühnenstück können zurückgegeben, „gerne auch behalten und für die Passion 20:22 gutgeschrieben werden“, das wünschen sich Veranstalter und Produzent. Für sie steht fest: „Wir bringen die Passion auch in der Zukunft, live allerdings erst Ostern 2022“.

Optimismus bleibt

Auch hinsichtlich des Spielplans für den kommenden April bleibt Benjamin Sahler, Direktor des Festspielhaus Neuschwanstein, optimistisch: „Wir sind spielbereit und würden auch mit Einschränkungen im Zuschauerbereich spielen“. Auch der Welturaufführung des Musicals Zeppelin im Juni sehe er zuversichtlich entgegen und resümiert: „Wir blicken trotz der Krise optimistisch nach vorne und warten bis es endlich wieder losgeht!“

tl

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