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Ralph Siegels »Zeppelin« feiert eine gelungene Premiere für die zweite Spielzeit

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Von: Chris Friedrich

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Szene aus Zeppelin Musicals im Festspielhaus Füssen
Spektakulär und unterhaltsam: Auch bei der Premiere zur zweiten Spielzeit begeistert „Zeppelin – das Musical” das Publikum im Füssener Festspielhaus. © Archiv/Brauer Fotos/Goran Nitschke

Füssen – Langen Beifall im Stehen spendete das Publikum am Donnerstagabend nach der erstmaligen Aufführung von Ralph Siegels Meisterwerk „Zeppelin – das Musical“ in diesem Jahr. Es war glänzend unterhalten worden.

Die Aufführung sei „sogar noch besser geworden“, lobte der bekannte Komponist Theaterdirektor Benjamin Sahler und dessen professionell auftretendes Ensemble aus Tänzerinnen, Musicalstars, Schauspielern und Komparsen mit Blick zurück auf die Premiere am 16. Oktober.

Siegel und seinen Co-Autoren Dr. Bernhard Meinunger und Hans Dieter Schreeb ist es mit „Zeppelin” gelungen, zwei Geschichten szenisch miteinander zu verknüpfen: den Lebensweg von Ferdinand Zeppelin (1838-1917) und den bis heute die Welt bewegenden Absturz des Luftschiffs „Hindenburg” 1937 auf dem Weg von Berlin nach New York.

Großen Anteil am Erfolg der ersten von insgesamt 50 für dieses Jahr angekündigten Shows hat Dr. Konstantinos Kalogeropoulos, der als Dirigent das live spielende Orchester zu Höhenflügen führte. Die starken Instrumentalisten gaben nach der Vorstellung eine Zugabe im „Treff am See“, wo zahlreiche Besucher an der Bar den Abend ausklingen ließen.

In Gesprächen wurde nicht zuletzt auch die Kostümabteilung und die Gruppe der Bühnenarbeiter und -techniker gelobt. Deren Einsatz erst machte die spektakulären Effekte möglich. Gebannt konnte das Publikum so den Flug eines Luftschiffs von der Bühne in den Saal verfolgen. Ein zweites Beispiel: der Absturz der Hindenburg wird mit viel Pyrotechnik inszeniert – und schockiert.

Vielfältiges Musical

Seelenvoll, sentimental und sexy: Siegels Musical mit Parallel-Handlung beginnt mit einer Familienszene. Graf Friedrich von Zeppelin (Alexander Kerbst) und seine Frau (Stefanie Kock) besichtigen mit ihren drei Kindern die Tuchfabrik eines stinkreichen Verwandten. Der kleine Ferdinand interessiert sich aber nicht für die Arbeiter – darunter auch Kinder der Seidenfärber – und schaut sehnsüchtig dem Flug eines Schmetterlings nach. Das Musical zeigt sich hier von seiner poetischen Seite.

Im harten Kontrast dazu steht der proletarische Protest gegen den Hungerlohn: „Zu wenig zu leben, zu viel, um zu sterben“, singen die streikenden Arbeiter. Ein weiteres Stück mit politischer Aussagekraft im ersten Akt ist „Wozu sind denn Kriege da?“.

Lebenslust und Lebensgefahr

Das Musical begeistert auch mit Szenen, in denen Revuegirls in einem Berliner Cabaret auftreten. Lebenslust und Lebensgefahr sind hier eng miteinander verbunden, denn aufmarschierende Nationalsozialisten verdächtigen die als Gaststar engagierte Sängerin Jüdin zu sein. Die Zuschauer atmen auf, wenn Emmy Berg endlich in den Zeppelin einsteigt, um einer Verhaftung zu entkommen. Doch im Luftschiff haben auch Hitler-Sympathisanten eine Kabine.

Siegels Musical lässt viele Figuren auftreten. Es ist den Darstellern zu danken, dass jeder Figur in ihrem Charakter deutlich wird. Der Zuschauer nimmt am Schicksal der Personen an Bord des Luftschiffes teil, die sich vom Pianisten unterhalten lassen, dabei einen Drink nehmen, aus ihrem Leben erzählen, sich als Paare trennen und neu verlieben. Weil man die Charaktere dieser bunten Reisegesellschaft mal mehr und mal weniger sympathisch finden kann, wird die dreistündige Handlung nie seicht.

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