Silberstreif am Horizont?

Seit Montag ist auch in Füssen und Umgebung „Click & Collect“ möglich

Die Fußgängerzone in Füssen bleibt während des Lockdowns leer.
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Eine seit Wochen leere Füssener Fußgängerzone belastet die Händler schwer. Abhilfe soll seit Montag Click & Collect schaffen.

Füssen/Landkreis – Seit vergangenem Montag ist es auch im Freistaat Bayern möglich: ein kontaktloser Abholservice von Online-Käufen oder telefonischen Vorabbestellungen direkt vor den Einzelhandels-Geschäften in der Füssener Fußgängerzone und dem südlichen Landkreis. Oder kurz: Click & Collect. Diese Regelung begrüßen die Geschäftsinhaber im Füssener Land, wie sie auf Nachfrage des Kreisbote erklären. Solche Geschäfte seien besser als nichts, sind sie sich einig.

Es sei vielleicht der letzte Strohhalm für die Händler, die seit Mitte Dezember wegen des neuerlichen Lockdowns wieder geschlossen haben müssen, so Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW). Weshalb er sich für diesen Verkaufskanal jetzt eingesetzt habe, heißt es weiter in der Pressemeldung des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. Wichtig dabei für Verkäufer und Kunden: Schutz- und Hygienekonzepte, die Vereinbarung gestaffelter Zeitfenster zur Abholung und das Tragen von FFP2-Schutzmasken.

Solche Geschäfte an der Ladentür sind besser als nichts, meinen Geschäftsinhaber, die durchaus darüber hinaus bereit sind - wie zuletzt - eine georderte Ware auszuliefern. Im Kreisbote-Verteilungsgebiet zeigte eine Nachfrage bei Geschäftsinhabern und Geschäftsführern in Füssen, Lechbruck und Nesselwang, dass die optimistische Haltung nicht verloren geht.

Hilfreich um in schweren Zeiten – möglicherweise bis zum Sommergeschäft - durchzuhalten, ist die Treue von Stammkunden. Die Selbstständigen – oft Familienbetriebe - signalisierten auf Nachfrage: „Wir wollen natürlich das Beste daraus machen“. So unterstreicht nicht allein Marion Lieb die Lage. In Lechbruck hat sie von ihrer Mutter Christine die Verantwortung fürs Fachgeschäft „Betten Lieb“ übernommen, vor 30 Jahren gegründet. Im vergangenen Sommer hatte das Geschäft nach der Durststrecke einen „guten Umsatz“ erzielt. Derzeit erlebt „Betten Lieb“, dass geschäftlich dem „kompletten Einbruch“ ein Riegel vorgeschoben werden muss. Der Kundschaft teilt Lieb mit: „Wir bringen die über Handy bestellte Ware gerne zu Ihnen nachhause.“ Hier habe „Click & Collect“ laut Marion Lieb „noch nicht gefruchtet“. Doch man bleibe gelassen.

Nachfrage fehlt

Alles sei besser als eine geschlossene Ladentür, betont auch Thorsten Krug vom Fachgeschäft für Männermode in Hopfen am See. Er muss auf seine Kernkompetenz – persönliche Beratung des Kunden – in diesen Tagen verzichten. Krug ruft den Kreisbote umgehend zurück, als er mit dem Handy in der Hand eine Videoberatung abgeschlossen hat. Was hier – und in anderen Geschäftsräumen entfällt – ist die Möglichkeit, die gewünschte Ware aus- oder anzuprobieren.

Doch weil gesellschaftliche Anlässe nicht oder nur im kleinen Rahmen stattfinden können, fehlt es an der Nachfrage, die zu „Männermode Krug“ und anderen inhabergeführten Bekleidungsgeschäften in der Region führt. Dem Kunden „das an die Hand zu geben, was ihm steht und passt: darauf haben wir Lust“, sagt Krug. „Click & Collect hilft uns jetzt, zumal der Januar nach dem Feiertag Heilige Drei Könige schon in anderen Zeiten immer ein umsatzschwacher Monat gewesen ist.“

Telefonisch und per E-Mail erreichbar

Über den Onlineshop von Intersport ist es für die Füssener Familie Keller möglich, den Verkauf aufrecht zu halten. Es könne „kein wesentlicher Zuwachs an Abholungen verzeichnet werden“, kommentiert Claudia Keller die Lockerung mit Hilfe von „Click & Collect“ gegenüber dem Kreisbote. Die Familie beantwortet Anfragen, die telefonisch oder per E-Mail eingehen. „Wir sind aktiv“, so Claudia Keller. Die Angestellten – mit Ausnahme der Azubis – sind in Kurzarbeit. Zu der vereinbarten Uhrzeit kann die Ware abgeholt werden.

Als zeitlich flexibel gibt sich auch Stefan Hildebrandt, Geschäftsführer von Luitpold Brillen in der Füssener Fußgängerzone. „Neben den reduzierten Geschäftszeiten – Montag bis einschließlich Samstag von 10 bis 14 Uhr – bin ich für Kunden erreichbar, um miteinander einen Termin außerhalb der Öffnungszeiten zu vereinbaren“, teilte Hildebrandt mit.

Frisch zubereitetes Essen „to go“

Mit „Essen to go“ hält sich das „Café Mokka“ in Nesselwang über Wasser. Dass das Café mit 30 Plätzen und 15 Plätzen im Außenbereich, im eigenen Haus untergebracht ist, hilft in der Krise. „Wir kochen mittags 20 bis 30 bestellte Essen, die frisch zubereitet abgeholt werden“, berichtet Sonja Geyer, Tochter der Gastronomiefamilie Baumgartner. Sie meint: „Die Hauptsache ist, das wir alle jetzt gesund bleiben. Es wird ja nicht ewig dauern, dass wir wieder Gäste im Café haben und ihnen auch – wie früher – unser Geschenkideen persönlich vorstellen können.“

Die derzeit nur wenigen Passanten in der Füssener Altstadt dürften überrascht sein, dass der „Weltladen“ am Brotmarkt offene Türen hat. „Uns ist das erlaubt, weil wir einen bestimmten Teil an Lebensmitteln im Sortiment haben“, erklärt Geschäftsführerin Andrea Helmer. „Im Sommer muss es wieder aufwärts gehen“, hofft sie. „Wir zeigen, das wir präsent sind und wünschen uns von den Kunden viel Unterstützung.“ Solidarität mit den Produzenten in armen Ländern zeige sich, „indem wir als Weltladen bei ihnen Ware einkaufen“. Den Produzenten, so Helmer, „geht es wirklich schlecht“.   

cf

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