»Das müssen wir diskutieren«

Stadträte Metzger und Deckwerth kritisieren geplante Fußgänger-Ampel am Eisstadion

Kemptener Straße in Füssen
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Beim Eisstadion soll eine der beiden geplanten Fußgänger-Bedarfsampeln aufgestellt werden. Das passt nicht jedem Stadtrat.

Füssen – Dass Bedarfsampeln für Fußgänger in den viel befahrenen Von-Freyberg- und Kemptener Straße eine gute Idee sind, darin sind sich die Füssener Kommunalpolitiker schon länger einig. Eine Diskussion entbrannte in der ersten Sitzung des Stadtrats im neuen Jahr allerdings über den vorgesehenen Standort am Eisstadion.

Seniorenbeirats-Vorsitzende Ilona Deckwerth (SPD) und Dr. Martin Metzger (BfF) forderten, diese Ampelanlage in den Bereich der Einmündung Herkomer-/Kemptener Straße zu verlegen. Metzger kritisierte außerdem, dass Verwaltung, Planer und Polizei den Standort ohne Beteiligung der Stadträte festgelegt haben. „Das erinnert mich an viele Situationen in der letzten Amtsperiode“, sagte er.

Erst im September hatte der Verkehrsausschuss mit seinem Beschluss den Weg für die Planungen von drei Fußgängerampeln – eine in der Von-Freyberg-Straße und zwei in der Kemptener Straße – frei gemacht (der Kreisbote berichtete mehrfach ausführlich). Vergangene Woche legte die Verwaltung bereits die Ergebnisse vor. Demnach soll die Bedarfsampel in der Von-Freyberg-Straße wie gehabt unmittelbar westlich der Einmündung in die Mariahilferstraße errichtet werden.

Für die Kemptener Straße sind die Standorte Eisstadion und „Haus der Gebirgsjäger“ vorgesehen. Im Zuge der Ampelaufstellung sollen auch gleich die Bushaltestellen beim „Haus der Gebirgsjäger“ auf beiden Straßenseiten barrierefrei umgebaut werden und sogenannte Buscaps erhalten. Außerdem sollen die Ampeln in die geplante digitale Verkehrslenkung integriert und dementsprechend technisch ausgestattet werden. Die Kosten für das Gesamtpaket mit Baunebenkosten belaufen sich laut Stadtverwaltung auf 242.500 Euro, wovon die Stadt voraussichtlich 217.500 Euro aus eigener Tasche zahlen muss. An Zuschüssen sind 25.000 Euro zu erwarten.

Kritik am Standort

Kritik am Standort Eisstadion äußerten die Stadträte Dr. Martin Metzger und Ilona Deckwerth. Beide sprachen sich für eine Verlegung zur Einmündung in die Herkomer Straße aus, da dort viele Senioren aus dem Seniorenheim St. Michael die Kemptener Straße überqueren – beispielsweise, um auf den Wochenmarkt zu kommen. Ohnehin hätten es Senioren schwer, die kilometerlange Kemptener Straße sicher zu überqueren, so Deckwerth. „Ich behaupte, es gehen mehr Senioren auf den Wochenmarkt als ins Eisstadion“, ergänzte Metzger.

Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) sowie der CSU-Stadtrat und inzwischen pensionierte Verkehrsexperte der Polizei, Thomas Meiler, entgegneten, dass verschiedene Zählungen und Beobachtungen in der Vergangenheit eben keine Bündelung von Fußgängern bzw. Senioren im Bereich der Einmündung Herkomer Straße gezeigt hätten.

Zugleich strebten aber viele Kinder und Jugendliche ins Eisstadion. Der Standort dort sei aus verkehrstechnischer Sicht der beste. Außerdem, so Meiler, sei es auch Senioren zu zutrauen, 30 Meter zu Fuß zurück zu legen. Die Erfahrung zeige, dass Menschen für eine sichere Straßenüberquerung auch einen Umweg in Kauf nehmen würden.

Metzger kritisiert fehlende Diskussion

Obwohl die Ratsmitglieder den Vorschlägen der Verwaltung bei Gegenstimmen von Metzger und Deckwerth zustimmten und das Thema damit eigentlich erledigt war, griff Metzger gegen Ende der Sitzung die Sache nochmals auf. Dass Polizei und Verkehrsamt die Standorte festgelegt hätten, „finde ich sehr unglücklich“ und erinnere ihn an die vergangene Amtsperiode. Es sei schließlich Sache der Kommunalpolitik, die Zielgruppe der Ampeln festzulegen. „Für mich ist die Zielgruppe die Senioren! Wenn die Mehrheit sagt: es sind die Kinder, akzeptiere ich das. Aber wir müssen das diskutieren!“, betonte er.

Eichstetter gab zwar zu, dass den zu einhundert Prozent richtigen Standort nicht gebe. Er wies aber den Vorwurf zurück, bestimmte Gruppen zu ignorieren. „Wir haben versucht, den größten Personenkreis für diese Ampel zu definieren“, erklärte er.

FW-Stadtrat Jürgen Doser erinnerte daran, dass im Westen nicht nur in Seniorenheimen Senioren leben, sondern auch in eigenen Wohnungen. „Die Senioren, die eigenständig wohnen, haben ja auch ihre Bedürfnisse.“ Daher warne er davor, die Sache zu einer Entscheidung zwischen Kindern und Altenheim-Bewohnern zu machen.

mm

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