Füssen: Stadtrat beschließt Friedhofskonzept – Ruhestätte und Treffpunkt gewünscht

Füssen: Stadtrat beschließt Friedhofskonzept – Ruhestätte und Treffpunkt gewünscht

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Mit der alten Anlage und auch den Grabsteinen ausgestorbener Familien gehe ein Teil der Geschichte Füssens verloren.
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Ungepflegt und trist ist der einst als Ehrenplatz gedachte Eingangsbereich auf dem Waldfriedhof in Füssen.
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Urnenbestattungen machen mittlerweile rund 68 Prozent aus – Tendenz steigend.
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Mit der alten Anlage und auch den Grabsteinen ausgestorbener Familien gehe ein Teil der Geschichte Füssens verloren.
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Füssen – Der Trend ist nicht neu und macht auch vor Füssen nicht halt: immer weniger Menschen entscheiden sich für eine klassische Bestattung. Urnenbestattungen machen mittlerweile rund 68 Prozent aus – Tendenz steigend. Die veränderte Bestattungskultur hat auch Auswirkungen auf die Friedhöfe.

Um dem gerecht zu werden, hat der Stadtrat kürzlich die Stadtverwaltung mit dem Erstellen einer Friedhofskonzeption beauftragt.

Aktuell sind auf dem städtischen Friedhof Hopfen laut Standesamtsleiter Andreas Rösel von 174 Gräbern 141 frei. Auf dem Waldfriedhof sind von 2500 Gräbern 1303 unbelegt. „Wohin aber gehen dann die Füssener Verstorbenen?“, wollte Dr. Christoph Böhm (CSU) wissen. Da sind die Möglichkeiten und Vorlieben mittlerweile vielseitig: Seebestattungen, anonyme Gräber aber auch sogenannte Diamantbestattungen, wobei aus der Asche ein künstlicher Diamant hergestellt wird, der den Hinterbliebenen als Erinnerung bleibt, zählte Rösel auf.

Von Thujen „eingemauert“

Doch es hapert auch noch an anderer Stelle: wer heute durch den Haupteingang das Friedhofsgelände betritt, ist in seiner Sicht durch wahllos gepflanzte, alte und hochgewachsene Thujen „eingemauert“, beschrieb Rösel den Gang zur Aussegnungshalle. Trauernde laufen auf eine vermooste Grünfläche zu, mittig ein kaum mehr erkennbares Holzkreuz stehend.

Als Ehrenhof war die Fläche vor der historischen Halle einst gedacht, erklärte Magnus Peresson (UBL) gegenüber dem Kreisboten. „Die Anlage war sehr schön, heute ist davon nichts mehr übrig.“ 1928 fertiggestellt, zieren die Aussegnungshalle Malereien von Rolf Nida-Rümeling. „Ein beeindruckender Stilmix von romantischer bis byzantinischer Kunst“, so Peresson. Mit der alten Anlage und auch den Grabsteinen ausgestorbener Familien gehe ein Teil der Geschichte Füssens verloren.

Ort der Begegnung

Jetzt will Rösel den Friedhof wieder zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs machen – hell und einladend soll er werden. Derzeit fehle es aber an vielem. Vor allem jedoch an Menschen und einer „fröhlichen Atmosphäre des Lebens“. Selbst ein kleines Café könnte auf dem Gelände Platz finden, erklärte er den Stadträten.

Auch die Friedhofssatzung habe Mängel und entspreche nicht mehr dem neuesten rechtlichen Stand und sollte überarbeitet werden. Dazu komme, dass der Kommunalen Prüfungsverband nach vier Jahren nun eine Neukalkulation der Gebühren verlange. Das bedeute jedoch eine Erhöhung der Gebühren. Da immer mehr Gräber brach liegen und sich weniger Menschen zu Bestattungen entscheiden, könnten die laufenden Friedhofskosten ansonsten nicht gedeckt werden, erklärte Rösel. Ergo müssen eine kleinere Zahl Gebührenträger die ganze Summe tragen. Das Resultat sei unschwer vorherzusagen: es werde zu noch mehr Grabauflösungen kommen.

Beschlüsse überarbeiten

Beschlüsse des vorherigen Stadtrates für das Anlegen von „Baumbestattungen“, „muslimischen Gräbern“ oder Urnengräberfeldern gebe es zwar. Sie sollten nach Auffassung der Friedhofsverwaltung jedoch nochmals überprüft werden. Das seien Einzelentscheidungen, die die sichtbaren Probleme lediglich abmildern, aber nicht lösen. Auch die starren Vorgaben, wo welcher Grabschmuck stehen dürfe, gehöre dazu. „Wir müssen in der Gestaltung freier werden, mehr zulassen und mehr Diversität haben“, forderte Rösel.

Hilfe von „Alt Füssen“  

Auf jeden Fall sollten die alten Grabsteine stehen bleiben, appellierte Peresson. Denn auch mit diesen Erinnerungsstücken an alte Füssener Familien gehe Geschichte verloren. Im Übrigen bestätigte Peresson den Eindruck des Rösels. Ein Reisender lerne eine Stadt am besten kennen, wenn er ihren Friedhof besuche. Unbedingt müsse die Anlage als Waldfriedhof erhalten bleiben. Und somit die bald 100 Jahre alten Buchen. „Die Kontrolle hat gefehlt“, blickte der Stadtrat auf die vergangenen Jahre zurück. Daher bot er die Mithilfe des Vereins „Alt Füssen“ für die Entwicklung eines Konzepts und die Umsetzung an.

Zunächst aber wird die Erarbeitung eines Entwurfs ausgeschrieben, übernahm Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) das Wort. Das werde etwa 12.000 Euro kosten. Die örtlichen Entscheidungsträger und Interessengruppen sollen involviert und die anfallenden Arbeiten dann „portioniert“ vergeben werden. Die Umsetzung des Gesamtkonzepts für den Waldfriedhof und den Friedhof Hopfen wird ersten Schätzungen nach etwa 100.000 Euro kosten.

Ein Café etablieren

Es seinen Kosten, die auf 30 Jahre gerechnet werden müssten, sagte Rösel. Wenn die Anlage belebt wird, werde sie wieder mehr genutzt. „Wir müssen ja investieren, da die Kostendeckelung bei der aktuellen Entwicklung sonst noch schlechter wird“, sagte dazu CSU-Stadtrat Peter Hartung. Für die „unbedingte Unterstützung“ sprach sich Ilona Deckwerth (SPD) aus. „Der Friedhof ist nicht nur eine Ruhestätte für Verstorbene. Es ist vor allem ein Ort für die Begegnung der Lebenden“, sagte sie. Gerade für Senioren könnte ein beliebter Treffpunkt entstehen. Die Idee ein Café zu etablieren sei „wunderbar“ und solle in den Plan mit aufgenommen werden.

Geschlossen stimmten die Stadträte dafür, die Verwaltung mit dem Ausschreiben eines Friedhofskonzepts zu beauftragen. Dem fügte Jürgen Doser (FWF) hinzu: „Es ist ganz wichtig, das wir das machen. Aber jetzt schon könnten 5000 oder 10.000 Euro mehr ausgegeben werden, um mehr Pflege und Sauberkeit zu erreichen.“

Selma Höfer

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