Geld für Abriss soll in Sanierung gesteckt werden

Stadtrat Peresson kritisiert Teilabriss des Mitterseebads

Plakat am Mitterseegebäude, das über die Sanierungspläne informiert.
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Dass der Sanitärtrakt (im Hintergrund) und ein Teil der Kabinen des Mitterseebades abgerissen werden sollen, stößt bei Stadtrat Magnus Peresson auf Kritik.
  • Matthias Matz
    vonMatthias Matz
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Füssen – Dass das Mitterseebad zum Teil abgerissen werden soll, stößt bei Stadtrat Magnus Peresson auf Kritik: Er hält den Trakt nicht für einsturzgefährdet.

Während das Oberseebad seit einer Woche wieder für Badegäste geöffnet ist, bleibt das Mitterseebad heuer zum Teil geschlossen. Dort, wo sich ansonsten die Badegäste tummeln, sind derzeit Maschinen und Arbeiter von Hubert Schmid im Einsatz.

Wie berichtet, wird ein Teil des Gebäudetraktes abgerissen und das Areal zu einem Park mit kneipp-spezifischer Ausrichtung umgestaltet. Doch vor allem der Teilabriss des Gebäudes stößt bei Stadtrat Magnus Peresson (UBL) auf Kritik: im Gegensatz zum Rathaus hält er den Trakt nicht für einsturzgefährdet. Das Geld für den Abriss sollte die Stadt besser in die Sanierung investieren.

Abreißen oder sanieren? Kaum ein Thema hat in den vergangenen Jahren für so viel Diskussionen in der Lechstadt gesorgt wie die Zukunft des historischen Gebäudekomplexes am Mittersee. Ende April beschloss der Stadtrat schließlich mehrheitlich, dass das Hauptgebäude und zwei Kabinentrakte stehen bleiben. Abgerissen werden hingegen die baufälligen ehemaligen Sanitäranlagen und die direkt angrenzenden Kabinen. Der Kiosk wird heuer nicht verpachtet (der Kreisbote berichtete).

Gutachten bestätigt Standfestigkeit des Mitterseebads

Der Stadtrat, Architekt und Historiker Peresson schüttelt darüber den Kopf. Seiner Ansicht nach ist der traditionsreiche Gebäudekomplex durchaus noch zu retten. Er beruft sich bei seiner Einschätzung auf ein Gutachten des Lehrstuhls für Holzbau und Baukonstruktion an der Technischen Universität (TU) München, dass der Stadtverwaltung bereits 2017 vorgelegt worden sei.

Der damaligen Bürgermeister Paul Iacob (SPD) habe das Papier seinerzeit aber unter Verschluss gehalten, so Peresson. „Das Schadensgutachten legte auf insgesamt 122 Seiten seine Untersuchung vor und kommt nirgendwo zu dem Resultat, dass das Gebäude einsturzgefährdet ist“, erklärt Peresson mit Verweis auf einen Artikel des Kreisboten von Anfang Mai über den geplanten Teilabriss. Darin hatte Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) das Häuschen als einsturzgefährdet bezeichnet.

In Kenntnis des Gutachtens – das der Bürgermeister dem Stadtrat Anfang April vorgelegt hat – habe er gegen den Teilabriss gestimmt, erklärt Peresson. Seiner Ansicht nach sollten die Kosten für die Abrissarbeiten besser in die Sanierung gesteckt werden. „Vermutlich hätte die Sanierung nicht mehr gekostet als der nun beschlossene Abriss.“ Ohnehin habe ein Abriss nie eine Wertschöpfung. „Nur für Wertschöpfungen sollte die Stadt – eingedenk der katastrophalen Kassenlage – Geld in die Hand nehmen“, so Peresson.

Bürgermeister Eichstetter widerspricht

Bürgermeister Eichstetter widerspricht der Einschätzung Peressons auf Anfrage unserer Zeitung. Das Fazit des Gutachten sei, dass die Sanitären Anlagen eben nicht zu erhalten seien. Eine Sanierung des Haupttraktes sei demnach außerdem sehr aufwändig und teuer. Fast 450.000 Euro in die Reparatur zu stecken sei wirtschaftlich nicht nachvollziehbar. „Prinzipiell kann man jedes Gebäude erhalten, wie auch jeden Gebrauchtwagen, nur inwieweit das Sinn macht?”

Ohnehin liegt das Augenmerk der Verwaltung derzeit auf der Umgestaltung des bei Einheimischen und Gästen beliebten Bades in einen Park mit kneippschen Elementen. So sollen etwa ein Kreativ-Spielbereich für Kinder, barrierefreie Flanierwege und ein barrierefreier Ruheplatz in Wassernähe entstehen. Die Westseite des Areals wurde bereits zu einer Liegewiese mit Badestelle zurückgebaut, wodurch künftig keine Badeaufsicht mehr gestellt werden muss. Nach Abschluss des ersten Abschnitts soll die Badesaison hier schon im Juli beginnen.

Im Anschluss daran sollen in einem zweiten Schritt die bestehende Treppe und der bisherige Nichtschwimmerbereich erneuert werden und die Betonplatten am östlichen Uferbereich Richtung Waldwirtschaft werden zurückgebaut, sodass wieder ein naturnahes Seeufer entsteht. Das Gelände nördlich davon wird zu einer Ruhezone mit Relax-Liegen und Nischen zur Entspannung und Meditation umgestaltet. Die Arbeiten müssen bis Juni 2022 abgeschlossen sein.

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