Umstrittene Zughaltestelle an der Mariahilfer Straße - Stadt plant Bürgerbefragung

Stadtrat vertagt Grundsatzentscheidung über neuen Bahnhalt in Füssen-West

Zug hält an Haltestelle
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Wird die Bahn künftig in Füssen-West halten? Weil das Projekt umstritten ist, sollen die Füssener Stadträte noch einmal eine Grunsatzentscheidung fällen. Und auch die Bürger sollen befragt werden.

Füssen – Soll Füssen West eine neue Bahnhaltestelle bekommen? Nachdem sich der Stadtrat bereits 2017 grundsätzlich dafür ausgesprochen hat, ist die Deutsche Bahn (DB) nun erneut an die Stadtverwaltung herangetreten. Da das Projekt in der Vergangenheit aber sowohl im Kommunalparlament als auch in der Bevölkerung immer wieder kontrovers diskutiert wurde, wollte die Stadtverwaltung jetzt die Stadträte erneut darüber abstimmen lassen und auch die Bürger dazu befragen. Da sich die Räte jedoch einig waren, dass sie selbst und auch die Füssener zuerst umfassend darüber informiert werden sollten, nahm Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) diesen Punkt schließlich wieder von der Tagesordnung.

Mit dem Programm „Stationsoffensive Bayern“ wollen der Freistaat Bayern und die Deutsche Bahn AG bis 2023 rund 20 neue Bahnstationen in Bayern errichten. Und eine davon soll im Füssener Westen an der Mariahilfer Straße entstehen. Bereits 2017 sprachen sich die Stadträte grundsätzlich für das Projekt aus. Allerdings waren nicht alle Ratsmitglieder begeistert. So befürchteten einige, dass durch die Haltestelle mehr Verkehr ins Wohngebiet gelockt werden könnte. Anderen machten die Kosten, die die Stadt Füssen stemmen muss, mit Blick auf die chronisch knappe Stadtkasse zu schaffen.

Stadt Füssen muss Grundstück erwerben

Denn während die Deutsche Bahn und der Freistaat die Baukosten für den barrierefreien Bahnsteig und die Erneuerung des Bahnübergangs in der Froschenseestraße übernehmen, muss die Stadt alles stemmen, was drumherum ist. Dazu zählen fünf bis zehn „Park&Ride-Parkplätze“, teilweise überdachte Fahrradstellplätze und eventuell der Bau eines Fuß- und Radwegs am Bahnübergang Froschenseestraße. Bei Letzterem sei man sich noch nicht ganz sicher, erklärte Eichstetter. „Die letzte Aussage war, dass wir den Radweg selber zahlen müssen“, meinte der Rathauschef und bezog sich dabei auf die Deutsche Bahn. Dann würden auf die Stadt Kosten von 120.000 bis 150.000 Euro zukommen. Aber: „Wir prüfen intern, ob wir das zahlen müssen.“

Stadt will Bürger befragen

Um hier bauen zu dürfen, muss die Stadt aber erst einmal das nötige Grundstück erwerben. Entsprechende Gespräche seien bereits vereinbart. Was die Stadt genau für das Umfeld der neuen Haltestelle an der Mariahilfer Straße ausgeben muss, steht dagegen noch nicht fest. Da sie letztendlich vom Ausbaustandard und der Größe abhängen, habe die Stadt die Kosten aber selbst im Griff, erklärte der Rathauschef. Das nötige Grundstück befindet sich bereits im Besitz der Stadt.

Weil dieses Projekt jedoch in der Vergangenheit umstritten war, sollte der Stadtrat nun erneut grundsätzlich darüber abstimmen. Und auch die Bürger könnten beteiligt werden, so der Vorschlag der Stadtverwaltung vor. So könnte sie die Anlieger per Post befragen, alle anderen könnten über eine Umfrage auf der Homepage der Stadt ihre Meinung dazu abgeben.

Räte und Bürger umfassend informieren

„Die Situation können wir so schnell nicht diskutieren“, meinte jedoch Jürgen Doser (FWF). Bei diesem Projekt gebe unterschiedliche Aspekte, die zu berücksichtigen seien. Deshalb sollten sowohl die neuen Kollegen im Stadtrat als auch die Bürger vor einer Befragung entsprechend informiert werden. Gleicher Meinung waren seine Fraktionskolleginnen Dr. Anni Derday (FWF) und Christine Fröhlich (FWF).

Daneben forderte Niko Schulte (Füssen-Land), dass diese Informationen mit entsprechenden Daten belegt werden. Er bezog sich dabei auf eine Aussage von Erich Nieberle (SPD), der sich für die Bahnhaltestelle ausgesprochen hatte. Denn diese würde vor allem Angehörigen der Bundeswehr nutzen, so der SPD-Stadtrat. Außerdem bräuchten Zugreisende dann nicht mehr zur Haltestelle nach Hopferau hinausfahren. „Mir fehlt jedes Zahlenmaterial zu solchen Aussagen“, meinte Schulte dazu. „Wir brauchen dringend eine Fahrgastanalyse der Bahn“, sagte auch Ilona Deckwerth (SPD).

Da die Deutsche Bahn vor 2023 sowieso nicht bauen werde, könne man den Punkt problemlos wieder von der aktuellen Tagesordnung nehmen und zu einem späteren Zeitpunkt weiter diskutieren, erklärte Bürgermeister Maximilian Eichstetter abschließend.

kk

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