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Versicherungsfachmann gibt Tipps, was nach Unwetterschäden zu tun ist

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Von: Katharina Knoll

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Tiefgarage steht unter Wasser
Während des verheerenden Unwetters am vorvergangenen Montag fiel auf einen Schlag so viel Regen vom Himmel, dass das öffentliche Kanalsystem die Wassermassen nicht mehr bewältigen konnte. Daraufhin standen viele Keller und Tiefgaragen unter Wasser. © privat

Füssen - Das Unwetter am vorvergangenen Montag hat zu zahlreichen Schäden geführt. Wie Betroffene jetzt vorgehen sollten, darüber hat sich der Kreisbote bei Markus Egen, Leiter des gleichnamigen Versicherungsbüros in Füssen, erkundigt. 

Bierflaschen, die durch den Keller treiben, Wasser, das aus der Toilette drückt: Nachdem sich die Gewitterwolken am vorvergangenen Montagabend verzogen hatten, bot sich vielen ein Bild der Verwüstung. Erst während des Aufräumens an den folgenden Tagen stellte sich nach und nach heraus, was im Sturm alles zu Bruch gegangen ist. Markus Egen rät nun allen Betroffenen: „Ruhe bewahren und den Versicherungsbetreuer vor Ort anrufen!“ Denn dieser könne meist besser und schneller Hilfe leisten als die Versicherungszentralen.

Markus Egen
Versicherungsfachmann Markus Egen © privat

Außerdem gelte es, sich einen Überblick davon zu verschaffen, was alles durch den Sturm kaputt gegangen ist und das mit Hilfe von Fotos zu dokumentieren. „130 Schäden wurden uns bereits gemeldet“, so Egen Mitte vergangener Woche. Und die reichen querbeet vom beschädigten Hausrat über Wohngebäude bis hin zu Autos.

Elementarversicherung deckt Schäden ab

Doch welche Versicherungen greifen eigentlich in solchen Fällen?

Hagelschäden am Auto sind durch eine Teilkaskoversicherung abgedeckt, erklärt der Fachmann. Hat der Sturm den Keller unter Wasser gesetzt, komme unter Umständen die normale Hausratsversicherung zum Tragen, informiert Egen. Das hänge aber vom jeweiligen Versicherungsunternehmen ab.

Wer auf der sicheren Seite sein will, der schließt eine Elementarversicherung ab, erklärt der Versicherungsexperte. Sie könne zur Gebäude- und Hausratsversicherung dazu gebucht werden und decke sämtliche Elementarschäden ab. Deshalb sein Appell: „Die Leute sollen bitte keine Rettungsversuche unternehmen!“ Einer seiner Kunden habe am Montag bewusstlos im Garten gelegen, weil er sein Hab und Gut vor den Tischtennisball-großen Hagelkörnern retten wollte. „Hätte ihn seine Frau nicht reingezogen, hätte er mehr als eine Platzwunde am Kopf davongetragen.“

Nicht alle können Versicherung abschließen

Die Elementarversicherung ist allerdings keine Erfindung im Zuge des Klimawandels. „Die gibt es schon immer“, erklärt Egen. „In Füssen kam sie nur nie zum Tragen.“ Denn bisher sei die Region von solch schweren Gewittern wie das am vorvergangenen Montag verschont geblieben. Doch aufgrund des Klimawandels werden sich auch hier in der Region die Extremwetterereignisse häufen, ist er überzeugt. „Wir raten Kunden immer eine Elementarversicherung abzuschließen – solange es noch geht“, sagt Egen.

Denn müssen Versicherer zu häufig solche Schadenssummen begleichen, schieben sie dem irgendwann den Riegel vor. Der Versicherungsexperte weiß aus der Praxis: „Die Leute, die sich versichern wollen, können das oft nicht mehr.“ Diese wohnen meist in Lagen, die für Schäden durch Extremwetterereignisse prädestiniert sind, wie beispielsweise in der Nähe von Gewässern oder einem Hang. In Füssen betrifft das beispielsweise Bad Faulenbach, das Gebiet am Bootshafen und einige Ecken in Pfronten.

Durch die Elementarversicherung werden die bestehenden Versicherungen im Durchschnitt um ein Drittel teurer, so Egen. Wer also beispielsweise 400 Euro für die Gebäudeversicherung seines Einfamilienhauses zahlt, muss mit dem Zusatzbaustein 550 Euro an den Versicherer überweisen. Auf den ersten Blick mag das so manchem als viel Geld erscheinen, steht das eigene Haus aber unter Wasser, sind das oft nur Peanuts. „So ein Ereignis rüttelt einen wieder wach“, blickt der Versicherungsexperte auf den vorvergangenen Montag zurück.

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