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Vom Flüchtling zum BRK-Qualitätsbeauftragten: Sayed Kazmi aus Afghanistan hat es geschafft

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Qualitätsbeauftragter Sayed Amjad Hussain Kazmi (Mitte), stellvertretende Pflegedienstleiterin Leah Andrews (v.l.), Wohnbereichsleiterin Nikolina Vasiljevic und Wohnbereichsleiterin Snezana Alimpic
Qualitätsbeauftragter Sayed Amjad Hussain Kazmi wird in seiner Arbeit im Seniorenheim St. Michael vom Team der Pflegedienstleitung und Wohnbereichsleitungen um die stellvertretende Pflegedienstleiterin Leah Andrews (v.l.), Wohnbereichsleiterin Nikolina Vasiljevic und Wohnbereichsleiterin Snezana Alimpic unterstützt. © Marketingagentur Tenambergen

Der Flüchtling Sayed Kazmi aus Afghanistan kam vor sechs Jahren über Sozialstunden ins Seniorenheim St. Michael. Mittlerweile ist er Qualitätsbeauftragter.

Seit April des vergangenen Jahres ist Sayed Amjad Hussain Kazmi im Qualitätsmanagement der Senioreneinrichtung St. Michael in tätig. Seine Aufgabe ist es, in der BRK-Einrichtung für die Einhaltung der Qualitätsstandards in der Pflege zu sorgen. Kontinuierliche Schulungen, anleiten und motivieren sind sein tägliches Handwerkszeug. Damit hat die steile Karriere des Afghanen in dem BRK-Heim in der Herkomerstaße ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Aus Afghanistan geflüchtet, kam Sayed Kazmi vor sechs Jahren über Sozialstunden ins Seniorenheim St. Michael. „Er integrierte sich rasch, indem er versuchte, das Land Deutschland zu verstehen und zu begreifen. Außerdem lernte Herr Kazmi unheimlich schnell die deutsche Sprache fast perfekt zu sprechen und zu schreiben“, blickt Einrichtungsleitung Matthias Stroeher zurück. „Nach einem anschließenden Praktikum begann ich 2016 mit einer Ausbildung zur Pflegefachkraft“, erinnert sich der junge Afghane.

Nach erfolgreichem Abschluss folgten die Weiterbildung zur leitenden Pflegefachkraft sowie berufliche Erfahrungen als Wohnbereichsleiter und Nachtwache in St. Michael. „Nach jeder neuen Aufgabe bewertete ich, ob mir diese persönlich liegt.“ Andererseits durchleuchtete Sayed Kazmi bei jeder seiner Tätigkeiten in der Pflege genauestens das Arbeitsumfeld, Abläufe oder fachliche Anforderungen.

„Es gefällt mir, mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von den Auszubildenden über die Pflegekräfte bis hin zur Pflegedienstleitung in Kontakt zu kommen“, sagt Kazmi. Denn sein Vorteil ist: er erkennt potentielle Risiken und Chancen, um den Pflegeablauf fortlaufend zu verbessern, da sein Werdegang in der Pflege begann.

Dieses Talent erkannte auch Einrichtungsleitung Stroeher. „Im vergangenen Frühjahr bot mir Herr Stroeher die Schlüsselrolle als Qualitätsbeauftragter an“, erzählt Sayed Kazmi. Bei der Übernahme war ihm klar, „meine Aufgabe kann ich nur im Team lösen“. Daher sind von Anfang an die beiden Pflegedienstleitungen Alexandra Ringle und Leah Andrews, Stellvertretung, mit im Boot. Die jungen Allgäuerinnen haben im St. Michael die Altenpflege von der Pike auf gelernt. Zum Kernteam gehören außerdem die beiden Wohnbereichsleitungen Nikolina Vasiljevic und Snezana Alimpic.

Sehr gute Noten

„So erwuchs ein gemischtes Führungsteam, das sich vielleicht gerade aufgrund seiner unterschiedlichen Lebensläufe und Herkünfte so hervorragend ergänzt“, beobachtet Stroeher. Dies schlug sich prompt in der sehr guten Bewertung des Medizinischen Dienstes bei der diesjährigen Überprüfung des Seniorenheims St. Michael nieder. „Dieser Mann ist eine fachliche Perle!“, so eine MdK-Prüferin über Sayed Kazmit. „Der Erfolg fußt auf der Unterstützung jeder einzelnen Pflegemitarbeiterin und jedes einzelnen Pflegemitarbeiters“, sind sich Kazmi und sein Team bewusst.

Neben dem fachlichen Wissen vermittelt Kazmi besonders auch den internationalen Kollegen durch seinen Werdegang das Gefühl: „Hier geht was.“ Führungsaufgaben und Karrieremöglichkeiten stehen allen offen. Darüber hinaus gelinge ihm noch etwas Weiteres, hebt Stroeher hervor. Dank seiner Persönlichkeit wirke Sayed Kazmi integrierend. Dies sei in einem Haus wie St. Michael mit Mitarbeitern aus verschiedenen Nationen ganz besonders wichtig. „Es dürfen keine Grenzen zwischen den verschiedenen Herkünften errichtet werden“, betont der Einrichtungsleiter.

Bewährtes Team

„Viele, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, um einen besser als in der Heimat entlohnten Beruf auszuüben, sind sehr erfolgreich in dem, was sie tun“, fasst Stroeher seine Erfahrung mit dem internationalen Team zusammen. In der Praxis zeige sich, dass Angehörige anderer Nationen durch ihren Respekt vor dem Alter überzeugen, oft gepaart mit einem großzügigen Humor. Dabei leben sie oftmals selbst in Sorge um die eigenen Angehörigen in ihren politisch instabilen Heimatländern.

Dass die Integration fremder Mitarbeiter nicht von alleine geht, verschweigt der gelernte Ethnologe Stroeher nicht. „Der Erfolg liegt darin, dass man sich von der ersten Begegnung an um die Betreffenden kümmert.“ Freiwillige Mitarbeiter werden als feste Paten eingesetzt. Dieses wird arbeitszeitlich geregelt. Eine gute Verbindung herzustellen zwischen Arbeit und privatem Leben seien ein absolutes Muss. Durch den aktiven Einsatz der Einrichtung und durch die positive Unterstützung des Roten Kreuzes als Träger wurde internationales Arbeiten im Haus St. Michael so über die vergangenen Jahre zur Selbstverständlichkeit.

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