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Füssen: Warum sich Menschen »Spaziergängern« und Maßnahmen-Kritikern entgegen stellen

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Von: Matthias Matz

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Markus Rundt
Markus Rundt ist einer der Sprecher des „Bündnisses für Demokratie und Solidarität“ © privat

Füssen - „Spaziergängen“ und Coronamaßnahmen-Kritikern stellt sich das neu formiertes „Bündnis für Demokratie und Solidarität“ entgegen. Was treibt die Mitglieder an?

Mit dem Aufkommen der „Spaziergänge” in Füssen hat sich auch hier schnell eine Gegenbewegung zusammen gefunden – das „Füssener Bündnis für Demokratie und Solidarität”. Über Motivation und Ziele sprach der Kreisbote mit Markus Rundt, einer der Sprecher des Bündnisses.

Herr Rundt, Sie sind der Sprecher des neuen „Füssener Bündnisses für Demokratie und Solidarität“. Wer gehört außer Ihnen noch alles dazu?

Rundt: „Vorab möchte ich erwähnen, dass für das Bündnis neben mir noch Annette Hippeli- Kreuzer von den 'Omas gegen Rechts' und Georg Waldmann, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Füssen, als Sprecher*in eingesetzt sind. Die Mitglieder unseres neuen Bündnisses 'Füssen ist bunt – Füssener Bündnis für Demokratie und Solidarität' haben sich durch die ersten Initiativen und die damit verbundene weitere Entwicklung gefunden. Die ersten Veranstaltungen und Aktionen, die zu der heutigen Konstellation geführt haben, sind vom Ortsverein der SPD organisiert worden. Schnell war klar, dass die ursprünglichen Anliegen der SPD von weit mehr Institutionen und Personen in Füssen und Umland geteilt werden. Heute sind viele Gruppierungen im Bündnis vereint und aktiv, darunter die 'Omas gegen Rechts', die SPD, die Grünen, der DGB Allgäu, die AWO, die Unternehmerinitiative 'Gemeinsam mit Covid leben' sowie auch zahlreiche Einzelpersonen. Ein gutes Team mit guten Ideen und natürlich auch einem klaren Ziel.”

Wie kam es zur Gründung?

Rundt: „Wie bereits erwähnt, haben die heutigen Mitglieder des Bündnisses festgestellt, dass man die von der SPD initiierten Aktionen unterstützen und ein breiteres Spektrum an Vertreter*innen für Demokratie und Solidarität aufbauen muss.”

Corona-Demonstration in Füssen
Auch am Sonntag formiert sich in der Füssener Innenstadt eine Gegenveranstaltung der Maßnahmenbefürworter. © Michael Lukaszewski

Was sind Ihre Ziele?

Rundt: „Wir haben gemeinschaftlich ein Leitbild verfasst, in dem sehr klar dargestellt ist, wofür wir als Gemeinschaft stehen: Das Füssener Bündnis für Demokratie und Solidarität 'Füssen ist bunt' ist ein breites Bündnis der Zivilgesellschaft in Füssen, in dem sich Vertreter und Vertreterinnen von Organisationen, Parteien, Vereinen und engagierte Mitbürger und Mitbürgerinnen zusammengetan haben, um aktiv für den Erhalt unserer parlamentarischen Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit einzustehen. Das Füssener Bündnis setzt sich ein für Respekt und Toleranz gegenüber allen Menschen, unabhängig des Geschlechts, der Rasse, der ethnischen und kulturellen Herkunft, der Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Neigung. Das Bündnis wehrt sich gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Frauenfeindlichkeit, gegen die menschenverachtende Ideologie der Rechten, gegen Hass und Hetze auch im Netz. Wir finden es gefährlich, wenn wissenschaftliche Fakten geleugnet, Falschmeldungen verbreitet und demokratische Institutionen verächtlich gemacht werden. Wir sind der Überzeugung, dass die großen gesellschaftlichen Herausforderungen heute und in Zukunft nur solidarisch und demokratisch bewältigt werden können!“

Corona-Demonstration in Füssen
Die Gegendemonstranten zeigen klare Haltung. © Michael Lukaszewski

Ihr Motto lautet „Füssen ist bunt“. Was genau meinen Sie damit?

Rundt: „Hier verweisen wir auch auf unser Leitbild. In diesem werden alle wichtigen Aspekte aufgeführt.”

Wie war die bisherige Resonanz auf Ihre Aktionen?

Rundt: „Wir haben sehr breiten Zuspruch aus Gruppierungen und auch von Bürger und Bürgerinnen erhalten, auch wenn diese zufällig auf eine Veranstaltung zu uns gestoßen sind. Auch die zunehmende Zahl an Aktiven im Bündnis zeigt, dass wir hier für viele einen wichtigen Anker setzen in diesen bewegten Zeiten.”

Auf Ihrer Facebook-Seite heißt es, das Bündnis wolle aktiv für den Erhalt der parlamentarischen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit kämpfen. Wodurch sehen Sie beides gefährdet?

Rundt: „Die Gefährdung entsteht dadurch, dass tendenziös radikale und rechtspopulistische Gruppierungen wichtige Begriffe wie Meinungsfreiheit, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit belegen, um Bürger und Bürgerinnen in ein eigentlich undemokratisches Lager zu ziehen. Gerade durch solche Gruppierungen mithilfe einer durchaus intelligenten crossmedialen Strategie verbreitete Verschwörungserzählungen können Menschen schnell aus der Bahn werfen und zu Entscheidungen führen, die man aus einer sicheren Position heraus eigentlich nicht treffen würde. Wir erleben zunehmend auch viele regionale Aktionen, die als friedliche, spontane und bürgernahe Veranstaltungen beworben werden, im Kern aber komplett durchorgansiert sind und den Regelbruch als Grundsatzprogramm beinhalten. Dabei wird auch zunehmend versucht, staatlichen Institutionen wie Ordnungsbehörden und Polizei gezielt zu provozieren, um dann dem Staat undemokratisches Verhalten vorzuwerfen.”

Was werfen Sie den sogenannten Spaziergängern, die seit Beginn des Jahres auch regelmäßig in Füssen auftreten, konkret vor?

Rundt: „Die Maßnahmen im Zuge der Coronapandemie werden durch ein demokratisch gewähltes Parlament bestimmt und auf Bundes- bzw. Länderebene umgesetzt. Wie bei allen anderen Gesetzen und Verordnungen gibt es keinen Grund, sich nicht an die Maßnahmen zum Infektionsschutz zu halten. Insofern können wir nicht akzeptieren, dass sich Woche für Woche Menschen ohne jeglichen Abstand und Maske und damit gegen geltendes Recht treffen. Immer noch sterben jeden Tag viele Menschen an Covid, die Schulen leiden unter den hohen Infektionsraten und Pflegekräfte arbeiten am Limit. Wenn dann im Umfeld der Spaziergänge auch noch wilde Verschwörungserzählungen kursieren oder gar die Existenz des Virus geleugnet wird, mag das nach außen hin friedlich erscheinen, ist im Kern aber radikal und demokratiefeindlich. Die Inhalte der Telegram-Gruppen, in denen diese Treffen organisiert werden, sind ja in der Zwischenzeit auch veröffentlicht worden. Da fällt es selbst meinungsoffenen Menschen schwer, noch an sinnvollen Austausch zu glauben.”

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