Zwei ARGEN werden künftig den Kies im Forggensee abbauen

Zweite Zufahrt in Forggensee kommt - ARGE II kann Kies abbauen

Ein Lkw fährt durch den Forggensee, um den abgebauten Kies zu transportieren.
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Künftig dürfen zwei ARGEN den begehrten Kies im Forggensee abbauen. Das Landratsamt hat jetzt der ARGE II die Zufahrt in den See über das Gelände des Segelclubs erlaubt.

Füssen – Lange haben sich die Stadt Füssen und die Anrainer-Gemeinden wie Roßhaupten und Rieden gegen den Kiesabbau im Forggensee durch eine zweite Arbeitsgemeinschaft (ARGE II) gewehrt. Doch jetzt hat das Landratsamt einer zweiten Zufahrt in den See über das Gelände des Segelclubs Füssen-Forggensee und Wassersportgruppe Kaufbeuren grünes Licht gegeben. Der Bund Naturschutz kündigt aber bereits an, gegen den Planfeststellungsbeschluss vorgehen zu wollen. „Das passt einfach nicht mehr in die politische Landschaft“, sagt Hans Hack, Vorsitzender der Ortsgruppe Halblech des Bund Naturschutz.

Mit der Entscheidung des Landratsamtes, der ARGE II – bestehend aus den Firmen Firmen Hubert Schmid, Xaver Schmid, Brutscher und Mazzolini – die zweite Zufahrt in den See zu erlauben, endet ein langes Hickhack um die Beteiligung einer zweiten ARGE am Kiesabbau im Forggensee (der Kreisbote berichtete mehrfach). So hatten die Stadt Füssen, die betroffenen Anrainergemeinden und Umweltschützer das Ansinnen der ARGE II aus verkehrstechnischen, touristischen und naturschutzrelevanten Gründen abgelehnt. Der Stadtrat entschied daher Ende vergangenen Jahres, der ARGE II die Zufahrt über städtische Grundstücke zu verbieten. Diese hatte sich daraufhin an den Eigentümer des Segelclub-Grundstücks gewandt und sich mit diesem über eine Zufahrt verständigt.

Rechtsanspruch auf Genehmigung der Zufahrt

Mit dem Planfeststellungsbeschluss der Kreisbehörde kann die ARGE II ab sofort aber neben der ARGE I den begehrten Kies im Forggensee abbauen. Aus Sicht des Landratsamtes bestand für die Antragsteller um die Firma Hubert Schmid ein Rechtsanspruch auf Genehmigung der Zufahrt, da die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt worden seien, wie Pressesprecher Thomas Brandl gegenüber dem Kreisboten erläuterte. „Die Einwendungen der Kommunen wurden – wie alle vorgebrachten Einwendungen – im Verfahren behandelt und im Planfeststellungsbeschluss rechtlich gewürdigt“, so der Behördensprecher weiter. Bei der Frage des Anschlusses der Zufahrt an die B16 seien sämtliche dafür relevante Träger öffentlicher Belange wie etwa die Polizei oder das Staatliche Straßenbauamt Kempten, ebenfalls angehört worden. Unter bestimmten Auflagen hätten diese ihre Zustimmung erteilt. Zu diesen Bedingungen gehören laut Brandl unter anderem eine Reifenwaschanlage für die Lkws im See, um eine Verschmutzung der Straße zu vermeiden, eine regelmäßige Reinigung der Fahrbahn und ein sogenanntes Sichtdreieck von 200 Metern in alle Richtungen, damit die Kieslaster gefahrlos auf die B16 auffahren können.

Unverständnis beim Bund Naturschutz

Bei Hans Hack vom Bund Naturschutz sorgt die Entscheidung der Genehmigungsbehörde für Unverständnis. Zum einen widerspreche der lange Transport des Kieses aus dem See über die B16 nach Marktoberdorf dem Regionalplan, der im Landkreis einen ortsnahen Kiesabbau ohne weite Wege vorsehe. Zum anderen sei der Bau einer zweiten Zufahrt in Sichtweite der ersten mitten im Landschaftsschutzgebiet (LSG) das falsche Signal. Obendrein sei in einem ersten Antrag der ARGE II von einer zweiten Zufahrt „nie die Rede“ gewesen, erklärte Hack im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Belastung der Natur ist überhaupt nicht berücksichtigt worden“, kritisiert er das Verfahren des Planfeststellungsbeschlusses.

Kommt Bürgerbegehren?

Daher werde der Bund Naturschutz nun das Gespräch mit den betroffenen Anrainergemeinden an der B16 bis Marktoberdorf suchen. „Wir wollen die Anrainer in ein Boot holen und fragen, wie sie dazu stehen“, kündigte er an. Parallel prüfe eine Rechtsanwältin die Möglichkeit eines oder mehrerer Bürgerbegehren. „Wir wollen einen naturverträglichen Abtransport des Kieses!“, betonte Hack.

Laut Thomas Brandl vom Landratsamt sind die Belange des Naturschutzes im Planfeststellungsverfahren aber berücksichtigt worden. So seien durch die Untere Naturschutzbehörde der Antragstellerin gleichfalls verschiedene Auflagen wie Ersatzpflanzungen und Ausgleichsmaßnahmen auferlegt worden, teilte er mit.

mm

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