Entscheidung des Verkehrsausschusses:

Tempo-10-Zone sagt "tschüs"

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Die Tempo-10-Zone in der Inneren Kemptener Straße wird zum verkehrsberuhigten Bereich.

Füssen – Die gesamte Altstadt sowie die Innere Kemptener Straße und die südliche Luitpoldstraße werden zum verkehrsberuhigten Bereich.

Dafür hat sich der Verkehrsausschuss mit einer Gegenstimme von Heinz Hipp (CSU) ausgesprochen. Grund dafür war eine Neufassung der Straßenverkehrsordnung (StVO). In der Stadt Füssen gibt es einige Tempo-10-Zonen. Das war laut Straßenverkehrsordnung lange erlaubt, wie die Stadtverwaltung jetzt in der Sitzung des Verkehrsausschusses informierte.

Eine entsprechende Beschilderung wurde allerdings nicht in den Verkehrszeichenkatalog aufgenommen – ein gesetzlicher Widerspruch. Den hat man nun beseitigt, indem man die Straßenverkehrsordnung neu verfasst hat. Dabei wurde allerdings auf Tempo 10 verzichtet und stattdessen Tempo 20 empfohlen, wie Manfred Schweinberg von der städtischen Verkehrsbehörde erklärte. 

Also muss jetzt auch die Stadt ihre Tempo-10-Zonen umwidmen. Entweder in einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mit Tempo 20 oder in einen verkehrsberuhigten Bereich, in dem Schrittgeschwindigkeit – sieben bis zehn km/h – gilt, empfahl die Stadtverwaltung.

Während die Räte in der Altstadt (Klosterstraße, Spital-/Floßergasse, Theresienbrücke, Lechhalde, Mangusplatz, Ritterstraße, Brotmarkt, Franziskaner-/Drehergasse und Hintere Gasse) der Empfehlung der Stadtverwaltung folgten einen verkehrsberuhigten Bereich einzurichten, schieden sich die Geister bei der Inneren Kemptener- und südlichen Luitpoldstraße. Hier sprach sich die Stadtverwaltung für eine Tempo-20-Zone aus. 

Dann würde sich jedoch an der Einmündung Ritterstraße/Luitpoldstraße die Vorfahrtsregelung ändern. Bisher herrscht dort rechts-vor-links. Wenn die Ritterstraße aber zum verkehrsberuhigten Bereich wird, müssen Autofahrer, die von dort in die Luitpoldstraße abbiegen wollen, warten. „Dies erscheint jedoch aufgrund des Straßencharakters/-gestaltung gerechtfertigt, da es hier immer wieder zu Missachtungen der geltenden rechts-vor-links-Regelung kommt“, heißt es in der Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung. 

Anderer Meinung war da Ilona Deckwerth (SPD). Denn viele würden die Strecke nutzen, um dem Stau in der Luitpoldstraße zu entgehen. „Die, die dort durchfahren, halten sich nicht an die zehn km/h. Das ist die einzige Stelle, wo sie abbremsen“, so Deckwerth. Deshalb schlug sie vor, diese Straßen ebenfalls in den verkehrsberuhigten Bereich aufzunehmen. „Radler und Fußgänger sind dann gleichberechtigt“, meinte Deckwerth. Rückenwind bekam sie dabei von Magnus Peresson (UBL). „Das ist einer der gefährlichsten Punkte der ganzen Stadt. An rechts-vor-links hält sich keiner“, meinte er. „Die fahren mit 50 km/h rein und die Leute laufen über den zugeschmierten Zebrastreifen.“ Wenn die Straßen aber zu Spielstraßen werden, „wäre das Problem weg“, ist Peresson überzeugt. 

Mehr Rücksicht

Die Umbauarbeiten, die dann nötig werden, müssten auch nicht gleich sein, informierte Polizist Thomas Meiler. Und auch die erlaubte Höchstgeschwindigkeit würde sich dann nicht groß ändern. Was sich aber ändert: Autofahrer müssen auf Fußgänger Rücksicht nehmen. Außerdem gilt im gesamten Bereich rechts-vor-links. Und die Stadt könnte alle Halteverbotsschilder abbauen. Denn „dort ist parken nur in markierten Plätzen erlaubt“, so Meiler. Anders verhält es sich in der Tempo-20-Zone. Dort herrschen die allgemeinen Verkehrsregeln, erklärte Meiler. „Fußgänger haben keinen Vorrang. Autofahrer könnten Radler weghupen.“ 

Mit der Ausdehnung des verkehrsberuhigten Bereichs bis zum Feneberg und über die südliche Luitpoldstraße könnte dieser Bereich für Fußgänger attraktiver und für Autofahrer unattraktiver gemacht werden, meinte auch Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Aber: „Die Bürger werden monieren. Da müssen wir durch“, ist sich der Rathauschef sicher. 

Tempo 20 am Bahnhof

 Zu monieren hatte aber schon Heinz Hipp (CSU) in der Sitzung etwas. „Schrittgeschwindigkeit halte ich nicht für durchführbar. Das macht kein Mensch. Radler kippen um. Wir machen etwas, was nicht funktioniert“, kritisierte er. Der verkehrsberuhigte Geschäftsbereich mit Tempo 20 habe sich dagegen in Kempten bereits bewährt. Doch mit dieser Ansicht stand er allerdings alleine da. Außer ihm sprachen sich alle für den verkehrsberuhigten Bereich aus. Zudem gaben sie einstimmig grünes Licht dafür, den Bereich um den Bahnhof (die Bahnhofstraße ab dem Prinzregentenplatz und die Rupprechtstraße ab der Einmündung „Am Ziegelstadel“) in eine Tempo-20-Zone umzuwidmen.

Katharina Knoll

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