Kritische Räte warnen vor Präzedenzfall

Hotel-Erweiterung in Füssen: Tradition trifft auf Moderne

+
Etwas verdeckt von Felsen und Bäumen liegt das Hotel und Restaurant Frühlingsgarten (links) am Ortseingang von Bad Faulenbach hinter dem künstlichen Felsdurchbruch.

Füssen – Das Hotel Frühlingsgarten darf ein Wohnhaus mit Garage auf seinem Grundstück in Bad Faulenbach bauen. Doch während das Hotel der traditionellen Allgäuer Bauweise entspricht, wird der Neubau ein modernes Gebäude mit Flachdach.

Während einigen Räten im Bauausschuss diese Kombination gut gefiel, sprach sich Magnus Peresson (UBL) vehement dagegen aus. Wer den künstlichen Felsdurchbruch am Eingang zu Bad Faulenbach passiert, kommt als erstes am Hotel und Restaurant Frühlingsgarten vorbei. Eine Gaststätte, die es schon seit Generationen gibt, erklärte Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Und die neue Generation braucht jetzt mehr Wohnraum. 

Das Problem dabei: Der Platz ist beengt. Da das Hotel unter anderem aus Brandschutzgründen nicht einfach verlängert werden konnte, möchten die Bauherren jetzt einen etwas abgesetzten Neubau in moderner Holzbauweise auf dem Grundstück errichten – ähnlich dem Bau, den es bereits im Ländeweg gibt. Dieser steht jedoch am anderen Ende des Ortes, an einer nur schwach frequentierten Straße – im Gegensatz zum geplanten Neubau am Ortseingang, fügte Bauamtsleiter Armin Angeringer hinzu. 

Zudem liegt das Gebäude im Randbereich der städtischen Baugestaltungssatzung, der sie in einigen Punkten widerspricht. So soll das Haus unter anderem ein begrüntes Flachdach und stehende Fenster ohne Sprossen bekommen. Von der Höhe entspricht es jedoch dem Bestandsgebäude, dessen Fassade in den oberen Stockwerken ebenfalls mit Holz verkleidet ist. 

Auch die geplanten Stellplätze erfüllen die Vorgaben – den vorgeschriebenen drei Meter Abstand zur Straße halten sie allerdings nicht ein, so Angeringer. Das sei aus Platzgründen auch nicht anders möglich. Da die Pläne „sicher auch kritisch zu beurteilen“ seien, so der Bauamtsleiter, sprach er keine Empfehlung aus, sondern überließ es den Räten, ob sie einer Abweichung der Satzung zustimmen oder nicht. 

Für Magnus Peresson war die Sache klar. „Ich werde dem nicht zustimmen können, weil es der Satzung diametral widerspricht. Das heißt nicht, dass ich das Gebäude nicht gut finde. Es fügt sich an dieser Stelle nur nicht ein.“ Etwas anders beurteilte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) die Situation. Zwar stand auch er anfangs der Architektur sehr kritisch gegenüber. Nach der Ortsbesichtigung war jedoch klar, dass der Platz dort nicht einfach zu bebauen sei. „Andere Möglichkeiten würden möglicherweise kleinkariert und deplatziert ausschauen“, so der Rathauschef. 

Der eingereichte Entwurf „knallt weg von allem, was wir in Bad Faulenbach haben. Das ist sicher ein radikaler Schritt in der Architektursprache“, gab der Rathauschef zu. Allerdings habe das Gremium schon moderne Bauten in Bad Faulenbach genehmigt, die der Ortsteil auch vertragen habe. Daneben herrsche hinter dem Hotel Frühlingsgarten derzeit eine „bauliche Tragödie“.

 "Eine Verbesserung"

Das sah auch Michael Jakob (CSU) so. „Das ist wirklich eine Verbesserung der Jetzt-Situation.“ Außerdem sei so ein moderner Neubau genau an dieser Stelle möglich, da sie die benachbarten Felsen ein wenig verdecken. Und auch von der Morisse und vom Baumgarten her falle der Neubau nicht negativ auf, fügte Heinz Hipp (CSU) hinzu. 

Dass das moderne Gebäude sehr gut zum traditionellen Haus passt, fand zudem Brigitte Riedlbauer (SPD). „Diese Lösung ist für mich optimal.“ „Die Kombination aus Tradition und Moderne finde ich an der Stelle genau richtig“, meinte auch Dr. Anni Derday (FWF). Da es dort nicht viel Platz gibt, würde eine Giebelverschachtelung viel mehr stören als ein schlichter Baukörper. Zudem handelt es sich hier um eine Betriebswohnung für das Hotel und die Gaststätte. „In der Branche muss man betriebsnah wohnen.“ 

„Ich finde es ein bisserl schwierig die Vorgaben über Bord zu schmeißen. So schaffen wir einen Präzedenzfall“, warnte jedoch Bernhard Eggensberger (Füssen-Land). „Bei mir vor der Haustür würde ich das nicht haben wollen.“ Da es für seine Stadtratskollegen aus Bad Faulenbach aber offenbar in Ordnung gehe, sei es okay. 

Nicht okay war es für Peresson, der ebenfalls vor einem Präzedenzfall warnte. „Dass der Bauherr das braucht, ist klar“, so der UBL-Stadtrat und Architekt. Ihm gehe es jedoch um die Fassaden und das, was die Satzung vorschreibt, die schließlich das Stadtbild schützen soll. Wird sie einfach verworfen, bestehe die Gefahr, dass „das Stadtbild anders wird und zwar nicht besser.“ Deshalb machte er seine Ankündigung wahr und stimmte er als Einziger gegen den Bauantrag.

kk

Auch interessant

Meistgelesen

Gute Stimmung, mitreißende Musik und ein Appell
Gute Stimmung, mitreißende Musik und ein Appell
Motorsegler stürzt bei Füssen ab
Motorsegler stürzt bei Füssen ab
Betrunkener Autofahrer verursacht hohen Schaden in Füssen
Betrunkener Autofahrer verursacht hohen Schaden in Füssen
Spektakulärer Einsatz in der Burgenwelt Ehrenberg
Spektakulärer Einsatz in der Burgenwelt Ehrenberg

Kommentare