Mit 9:4 Stimmen eine deutliche Entscheidung

Füssener Stadträte genehmigen nun doch die Sortimentserweiterung im V-Markt

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Der V-Markt ist bei den Füssenern beliebt. Aufgrund einer neuen rechtlichen Beurteilung der Sortimentserweiterung segnete der Bauausschuss den Antrag dafür nun doch ab, nachdem er ihn zuvor zwei abgelehnt hatte.

Füssen – Nun also doch: Die neue Sortimentsverteilung im V-Markt hat der Bauausschuss am Dienstag mit 9:4-Stimmen abgesegnet – nachdem er den Antrag zuvor bereits zwei Mal abgelehnt und einmal zurückgestellt hatte (der Kreisbote berichtete)

Denn die Räte befürchteten, dass unter der Vergrößerung die Geschäfte in der Innenstadt leiden könnten. Diese Bedenken sind bei einigen zwar nicht verschwunden, doch die rechtliche Beurteilung habe sich zwischenzeitlich geändert, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer. 

Mit dem Bau des neuen V-Baumarkts im Gewerbegebiet Allgäuer Land zog die Handwerkerabteilung von der Kemptener Straße in die Hiebeler Straße um. Die Flächen, die dadurch im bisherigen V-Markt frei wurden, wollte die Firma für die Getränkeabteilung nutzen, die eigentlich in einem Anbau unterkommen sollte. Mit der übrigen freigewordenen Fläche verbreiterte das Unternehmen die Gänge und nutzte sie für eine zeitgemäße Präsentation der Waren, um den Markt kundenfreundlicher zu gestalten. 

Daneben war auch eine Neuverteilung des Sortiments vorgesehen. Bestimmte Bereiche sollten vergrößert werden. Doch damit hatte der Bauausschuss bereits im Juni vergangenen Jahres Probleme. Er befürchtete, dass sich die Erweiterung negativ auf den Handel in der Innenstadt auswirken könnte. Im März reichte das Unternehmen deshalb einen neuen Antrag mit einer leicht veränderten Sortimentsverteilung ein, den das Gremium aber zurückstellte. Zunächst sollte sich die Regierung von Schwaben mit dem Thema beschäftigen. Und ihr Fazit lautete, dass durch die neue Verteilung landesplanerische Belange nicht betroffen seien. Daraus könne „eine positive Beurteilung abgeleitet werden“, erklärte Angeringer in der Novembersitzung. 

Das Landratsamt Ostallgäu habe ebenfalls anklingen lassen, dass es einer Genehmigung zustimme, wenn die Stadt Füssen eine Befreiung vom B-Plan absegne. Doch soweit kam es nicht. Da einige Räte vor allem die Erweiterungen der Metzgerei kritisierten, die mehr als verdoppelt wurde (von 20 auf 56 Quadratmeter), lehnten sie denkbar knapp mit 6:5-Stimmen den Antrag ab. 

Doch damit wollte sich der V-Markt nicht abfinden und reichte den Antrag jetzt erneut ein – mit einer neuen rechtlichen Begründung. Denn der B-Plan schreibe für das gesamte „Food- und Getränkesortiment“ maximal 2540 Quadratmeter vor. Mit der neuen Verteilung komme der V-Markt aber nur auf 2464 Quadratmeter – 76 Quadratmeter weniger als erlaubt, erklärte der Bauamtsleiter. Lehne das Gremium den Antrag trotzdem ab, könnte es sein, dass die Firma ihre Wurstware dann eingeschweißt verkaufe – was zulässig sei. Aber: „Das entspricht nicht unbedingt unseren Vorstellungen.” 

Qualität verbessert

Die Qualitätsverbesserung durch die neue Aufteilung sei offensichtlich, fügte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) hinzu. Aufgrund der breiteren Gänge kommen jetzt zwei Einkaufswägen aneinander vorbei. „Das war vorher nicht möglich.“ Doch die Vorgehensweise und rechtliche Begründung dabei kritisierte Dr. Martin Metzger (BfF). Für ihn sei das eher ein Zeichen dafür, dass der Bauwerber gute Verbindungen zur Regierung von Schwaben und zum Landratsamt Ostallgäu habe. „Andere hätten das nicht gekriegt.“ 

Daneben monierte er, dass die Firma den Markt bereits nach der neuen Sortimentsverteilung umgebaut habe – obwohl noch keine Genehmigung dafür vorliege. „Das finde ich nicht gut. Das zeigt, wie wichtig sie uns nehmen.“ Gleichzeitig sah er die Lösung mit eingeschweißter Ware kritisch. „Ein Riesenhaufen Plastik ist sicherlich nicht im Sinne zukünftiger Generationen. Wir müssen vom Plastik wegkommen. Das ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.“ Deshalb werde er dem Antrag erneut zustimmen. 

Der Umbau sei im Zuge der Gesamtgenehmigung erfolgt, erklärte Iacob. Gleichzeitig gab er Metzger recht, was den Umweltschutz angehe. Hier sei jeder einzelne gefordert. Auch Lothar Schaffrath, Fraktionsvorsitzender der SPD, sprach sich für den Antrag aus. Lehne das Gremium ihn erneut ab, werde „die Mehrheit der Bürger überhaupt nicht mehr verstehen, was wir hier drin entscheiden.“ Da es weder einen Metzger noch einen Getränkemarkt in der Innenstadt gebe, die geschützt werden müssten, fand er die bisherige Argumentation nicht gut. 

Am Thema vorbei?

Ganz anders sah das allerdings Dr. Anni Derday, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler. „Die Rechtslage hat sich nicht verbessert, an der Sachlage hat sich nichts verändert.” Beim Thema Innenstadtrelevanz gebe es einen Unterschied, ob man sich die Vergrößerung der einzelnen Sortimente oder die Größe des gesamten Bereichs anschaue. „Ein Getränkemarkt ist nicht zentrumsrelevant. Die jetzige Argumentation geht am Thema vorbei“, erklärte Derday. Deshalb werde sie auch bei ihrem „Nein“ bleiben. 

Gleicher Meinung war ihr Fraktionskollege Jürgen Doser. Der V-Markt sei zwar ein wichtiges und anerkanntes Unternehmen in Füssen, so Doser. Doch als Stadtrat sei für ihn die Innenstadtrelevanz ein wichtiger Baustein, um eine gute Lebensqualität in der Innenstadt zu gewährleisten. Die Argumentation, etwas nicht schützen zu müssen, weil es sowieso nicht mehr vorhanden sei, bezeichnete er als schizophren. „Für mich ist das ein weiterer Schritt dorthin, wo die Stadtentwicklung nicht hinkommen sollte.“ 

Deshalb werde er auch weiterhin den Antrag ablehnen. Welche Bereiche die Stadt Füssen genau als zentrenrelevant einstufe, „müssen wir irgendwann hier drin diskutieren“, gab Niko Schulte (CSU) ihm recht. Die neue Aufteilung im V-Markt sei allerdings eine Qualitätsverbesserung, die er begrüßte. Um beim Thema Innenstadtrelevanz auf den neuesten Stand zu kommen, schlug Iacob deshalb vor, ein Gutachten in Auftrag zu geben, was Doser befürwortete. „Das ist für die Zukunft Füssens wichtig.“

kk

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