Absage an Betriebsmodell

Füssener Bauausschuss lehnt Appartmenthotel in Bad Faulenbach ab

Plan für neues Hotel in Bad Faulenbach
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So hat die Allgäu Living GmbH ihr neues Appartmenthotel in Bad Faulenbach geplant. Mit insgesamt fünf Stockwerken ist es deutlich kleiner als das Hotel Berger, das derzeit noch dort steht. Da den Stadträten aber vor allem das Betriebsmodell nicht zusagte, müssen die Bauträger jetzt umplanen.

Füssen – Vorerst gescheitert ist am Dienstag die Allgäu Living GmbH aus dem Tiroler Pflach, ein Appartmenthotel in Bad Faulenbach bauen zu dürfen. Der Bauträger hat das Hotel Berger im „Tal der Sinne“ gekauft, will es abreißen und ein neues Hotel mit 48 Appartements errichten. Doch die Stadträte im Bauausschuss standen dem Projekt, vor allem dem Betriebsmodell, skeptisch gegenüber. Sie lehnten in ihrer Sitzung am Dienstagabend die Bauvoranfrage einstimmig ab. 

48 Appartements zwischen 20 und 50 Quadratmeter möchte der Bauträger aus Pflach in einem modernen, viergeschossigen Bau plus Penthausgeschoss in Bad Faulenbach errichten. Damit soll der Neubau um 1,5 Stockwerke kleiner werden als das bisherige Hotel, das noch aus den siebziger Jahren stammt und „optisch ein kleiner Schandfleck“ sei, erläuterte Alexander Singer, Geschäftsführer der Allgäu Living GmbH, am Dienstagabend den Ausschussmitgliedern. Der geplante Neubau werde wesentlich schöner und sich ruhiger in die Umgebung einfügen. Außerdem soll es den technischen Ansprüchen der kommenden 20 Jahren entsprechen.

So plant das Tiroler Unternehmen neben 23 oberirdischen Stellplätzen auch eine Tiefgarage mit 35 Parkplätzen, die einen Elektroanschluss bekommen sollen. Auch seien separat abgetrennte und abschließbare Fahrradstellplätze mit Elektroanschluss beabsichtigt. Daneben sehen die Pläne einen Wellnessbereich mit Sauna vor. Das neue Apparthotel wird jedoch keine Gastronomie bekommen. „Das Umfeld soll befruchtet werden“, erklärte Singer. Die Gäste werden die Restaurants und Bäckereien in der Nachbarschaft nutzen.

Betreiben soll das Hotel die Alps Residence Holidayservice GmbH aus Österreich, die bereits einige solcher Ferienanlagen in der Alpenrepublik unterhält. Weiter sieht das Konzept vor, dass die einzelnen Appartements frei auf dem Markt an Anleger verkauft werden. „Jeder Bayer kann ein Stück Bad Faulenbach kaufen“, so Singer.

„Das ist ein reines Anlegermodell!“, ergänzte Peter Singer. Dieser ist gewerberechtlicher Geschäftsführer der Projekt Development GmbH, die für die Projektentwicklung zuständig ist. Die Anleger würden teilweise auch aus der Alps Resicence GmbH herauskommen. Diese sei breit aufgestellt und umfasst 100 Anteilseigner. Breche einer weg, könnten die anderen seinen Anteil übernehmen. „Die Renditeausschüttung erfolgt am Ende des Jahres“, so Alexander Singer.

Das Ziel sei, dass die Appartements 365 Tage im Jahr an Gäste vermietet werden. Um zu verhindern, dass die Anleger ihre Appartements auf Dauer privat als Ferienwohnsitz oder Zweitwohnungen nutzen, könne ein entsprechender Passus im Bebauungsplan eingefügt werden. Das bestätigte Füssens Bauamtsleiter Armin Angeringer.

Näheres wie die Vermietung, die Vorlage eines längerfristigen Betreibervertrags oder die Vereinbarung von Vertragsstrafen bei Verstößen könnten in einem Durchführungsvertrag geregelt werden, ergänzte Angeringer. Weitere Möglichkeiten wären eine Fremdenverkehrsdienstbarkeit im Grundbuch oder der Eintrag eines Miteigentumsanteils der Stadt Füssen, damit sie bei künftigen Diskussionen über die Weiterführung des Hotels in der angedachten Form mitentscheiden kann. „Ein Vorhabenbezogener Bebauungsplan gilt dauerhaft“, so der Bauamtsleiter.

Keine Zweitwohnungen

„Wir wollen keine Zweitwohnungen haben“, unterstrich allerdings Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU). Deshalb wollte er von den beiden Singers wissen, was passiere, wenn der Betreiber nach 20 Jahren wegbreche. In Tirol verhindern entsprechende Baurechtsverträge oder Flächenwidmungen, dass die Appartements dann zu Wohnungen werden, erklärte Alexander Singer.

„Mir gefällt das Betriebsmodell nicht“, meinte jedoch Peter Hartung (CSU). „Der kantige Bau gefällt mir persönlich auch nicht. Es bleibt für mich eine Überbauung.“ Mit dieser Meinung stand er nicht allein da. „Bad Faulenbach ist das Tal der Sinne. Das passt nach München, wo's richtig rund geht. Aber hier gefällt mir das Betreibermodell überhaupt nicht“, sagte Jürgen Doser (FWF). Auch ihm war das Gebäude zu massiv und wuchtig. Daneben habe Bad Faulenbach eine eigene Satzung, die die Schaffung von Teileigentum verhindern soll bzw. nur in Ausnahmefällen über einen Bebauungsplan möglich macht.

Was die Gestaltung angehe, „sind wir gerne bereit, Input mitzunehmen“, sagte Alexander Singer. Bei der Größe der Appartements habe sein Unternehmen die Planung mit Blick auf einen maximalen Parkplatzbedarf bei Vollbelegung der Zimmer ausgelegt, um die Sicherheit eines Stellplatznachweises zu haben, beantwortete er Andreas Eggensbergers (CSU) Frage. Laut Betreiber könne es sein, dass zwei kleinere Appartements durch eine Schiebetür verbunden werden können. Die Zimmer sollen aber nicht größer als maximal 45 Quadratmeter werden. Doch damit konnte er die Räte nicht überzeugen. Sie lehnten einstimmig die Bauvoranfrage ab.

Man werde sich jetzt zurückziehen, die Unterlagen neu sortieren und das Gespräch mit der Stadt Füssen führen, damit das Grundstück, „für alle vertretbar bebaut werden kann“, erklärte Alexander Singer im Anschluss an die Sitzung auf Nachfrage des Kreisboten.

kk

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