Aus Wohnungen sollen Hotelzimmer werden

Bedenkliche Entwicklung in der Füssener Innenstadt

+
Durch die Ausweisung neuer Hotelzimmer in der Hinteren Gasse wird mehr Verkehr in die enge Altstadtgasse geholt. Das sah neben den Stadträten auch der Wirtschafts- und Marketingausschuss von Füssen Tourismus und Marketing kritisch.

Füssen – Gut kam das Vorhaben eines Hotels jüngst im Bauausschuss nicht an: Der Betreiber möchte Wohnungen in Hotelzimmer umwandeln – und widerspricht damit den städtebaulichen Grundüberlegungen der Stadt, wie Bauamtsleiter Armin Angeringer erklärte.

Auch der Wirtschafts- und Marketingausschuss von Füssen Tourismus und Marketing (FTM) sah sich nicht in der Lage eine eindeutige Empfehlung abzugeben, da es bei dem Projekt etwa gleich viele Vor- wie Nachteile gebe. Das Hotel, das sich von der Hinteren Gasse bis zur Reichenstraße erstreckt, möchte in seinem Hinterhof sechs Wohnungen zu Hotelzimmer umwandeln und gleichzeitig die eingeschossigen Garagen dort abreisen und durch offene Stellplätze ersetzen. 

Daneben soll eine Passage, die von der Hinteren Gasse auf das Areal führt, um drei Meter verbreitert und ein Laden zum Restaurant werden, erklärte Angeringer. Das dürften dann aber nur die Gäste des Hotels nutzen. „Sonst kommen wir in einen Konflikt mit den Stellplätzen.“ Ansonsten sei der Antrag jedoch „grundsätzlich zulässig“. Er stehe jedoch im Widerspruch zu der städtebaulichen Grundüberlegung, in der Altstadt Wohnraum erhalten zu wollen. 

Dieses Problem sah auch der Wirtschafts- und Marketingausschuss von FTM. Zwar werde durch das Vorhaben die Wettbewerbsfähigkeit dieses Bestandsbetriebs, der den stark nachgefragten Individualtourismus bedient, gestärkt und dieser Altstadtbereich baulich aufgewertet. Gleichzeitig sei aber die „Altstadt für Füssen ein hochsensibler Bereich“, so FTM-Chef Stefan Fredlmeier. 

Durch das Vorhaben werde der Fahrzeugverkehr in der Hinteren Gasse und der Ritterstraße, der bereits jetzt absolut bedenklich sei, noch verstärkt. Dabei nehmen Besucher die Ritterstraße bereits als Fußgängerzone wahr. „Je mehr anfahrbare Kapazitäten wir in der Altstadt schaffen, desto größer wird das Problem“, fügte der Tourismusdirektor hinzu. Daneben sei der Wohnraum in Füssen knapp. Und durch das Bauprojekt fallen weitere Wohnungen weg. „Das ist durchaus fragwürdig auch aus unserer Sicht.“ 

"Gesunder Mix" 

Daneben werde eine zunehmend durch Unterkunftsbetriebe und Gastronomie geprägte Altstadt für Einheimische wie auch Besucher tendenziell unattraktiv. „Ein gesunder Mix mit möglichst hochwertigen und vielseitigen Einzelhandelsgeschäften hingegen erhält die Attraktivität.“ „Im Sinne einer adäquaten Stadtentwicklung kann ich Herrn Fredlmeier nur zustimmen“, meinte Dagmar Rothemund (SPD). „Wir wollen die Vielfalt in der Altstadt. Wir wollen inhabergeführte Geschäfte erhalten“, unterstrich auch Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Aber: „Baurechtlich steht nichts dagegen.“ 

Daneben sei die Veränderungen im Innenhof, der Abbruch der Garagen und die Zufahrtsverbreiterung eine optische Verbesserung. Und die war Ursula Lax (CSU) wichtiger. „Mir geht’s um die Ansicht der Innenstadt. Das ist einfach eine Katastrophe. Das schadet sicher mehr als fünf Hotelzimmer und zwei Appartements.“ „Ich weiß nicht, was da verbessert wird“, meinte dagegen Bernhard Eggensberger (Füssen-Land). Er bezweifelte, dass einige der Stellplätze breit genug für heutige Autos seien. Zudem gebe es keinen Platz für Mülltonnen, für die dann vermutlich zwei Parkplätze hergenommen werden. „Ich habe nichts gegen den Bauwerber. Aber wir kriegen nichts besseres, sondern schaffen uns da Probleme.“ 

Die Breite der Stellplätze entspreche jedoch der Stellplatz- und Garagenverordnung des Freistaats Bayern, warf Bauamtschef Angeringer ein. „Wir können keine Breite verlangen, die der Gesetzgeber nicht vorgibt“, sagte Iacob. Wohnungen erhalten Christine Fröhlich (FWF) appellierte dagegen, alles Mögliche auszuschöpfen, um Wohnungen zu erhalten und einer bestimmten Stadtentwicklung entgegenzuwirken. Dabei könne sich die Stadt beispielsweise auf das Sanierungsgebiet Altstadt beziehen. „Wir lehnen das ab und schauen, was das Landratsamt sagt“, schlug sie vor. 

Da der Bauherr allerdings ausreichend Stellplätze nachweise, könnten die Räte die Nutzungsänderung nicht ablehnen, warf Iacob ein. „Wir können nicht mit dem Sanierungsgebiet argumentieren.“ Die Stadt solle das trotzdem versuchen, forderte Dr. Martin Metzger (BfF). Da den Räten im Bauausschuss keine genaue Zahl aller Hotelzimmer und der dafür nötigen Stellplätze vorlag, die für die abschließende Bewertung des Bauvorhabens nötig seien, lehnte das Gremium schließlich einstimmig den Antrag ab. Zudem soll ein Vertrag abgeschlossen werden, der festschreibt, dass die Gastronomie nur Hotelgäste und nicht die Öffentlichkeit nutzen darf.

kk

Auch interessant

Meistgelesen

Polizei stellt bei Syrern mehrere gefälschte Führerscheine sicher
Polizei stellt bei Syrern mehrere gefälschte Führerscheine sicher
Pläne für Füssener Altstadt: Nachbesserungen sind nötig
Pläne für Füssener Altstadt: Nachbesserungen sind nötig
Schleierfahnder stellen neun Kilo Kokain auf der A7 bei Nesselwang sicher
Schleierfahnder stellen neun Kilo Kokain auf der A7 bei Nesselwang sicher
Landratsamt segnet Ferienwohnungen in Füssen gegen Willen des Stadtrats ab 
Landratsamt segnet Ferienwohnungen in Füssen gegen Willen des Stadtrats ab 

Kommentare