Jetzt wird nachverhandelt

Gästehaus in der Füssener Altstadt: "Es ist absurd!"

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Aus dem Baudenkmal Lechhalde 6 soll ein Gästehaus werden. Der Bauausschuss lehnt das ab.

Füssen – Anfang des 16. Jahrhunderts gebaut, hat das Gebäude Lechhalde 6 nach einr wechselvollen Geschichte mittlerweile wieder einen neuen Besitzer. Dieser möchte aus dem altehrwürdigen Baudenkmal nun ein Gästehaus mit Eisdiele im Erdgeschoss machen – und holte sich mit seinem Bauantrag am Dienstag prompt eine Abfuhr im Bauausschuss.

Das Problem aus Sicht der Stadträte: es fehlt vor allem an Parkplätzen. Wie Bauamtsleiter Armin Angeringer den Ausschuss-Mitgliedern berichtete, plant der neue Eigentümer des historischen Gebäudes gegenüber dem Eingang des Rathauses eine doppelte Nutzung. Das Haus wird in der Denkmalliste als dreigeschossiger Giebelbau mit des Steildach, spätgotischem Giebelfeld mit Rundbogenblenden und drei Kielbogenöffnungen von Anfang 16. Jahrhundert geführt. 

Das Dachwerk wird mit „1603“ bezeichnet, Muttergottesfresko und Fensterrahmungen stammen wohl aus der Mitte 19. Jahrhundert. Nun soll im Erdgeschoss eine Eisdiele mit Selbstbedienung eingerichtet werden. In den beiden Obergeschossen sind hingegen jeweils drei Gästezimmer sowie im Dachgeschoss eine Wohnung vorgesehen. Laut Angeringer „bis auf das Dachgeschoss eine Stellplatz neutrale Lösung“. 

Der Bauwerber habe sich bereits dazu bereit erklärt, die übrigen abzulösen. Da das Gebäude zudem in einem sogenannten Mischgebiet liegt, bestünden auch aus dieser Sicht keine Einwände gegen eine solche Nutzung. 

Das konnte und wollte Stadtrat Dr. Martin Metzger (BfF) so aber nicht nachvollziehen. „Ich kann ihrem Stellplatznachweis nicht folgen“ sagte er. Bei sechs Zimmern müssten seiner Berechnung zufolge „wenigstens vier Stellplätze abgelöst werden“, was Angeringer bestätigte. „Tatsächlich sind diese Stellplätze nicht da.“ Metzger war sich aber sicher: „Wir werden später dort Autofahrer haben, die dort Stellplätze suchen“, sagte er. 

Einwände äußerte auch Dagmar Rothemund (SPD). „Es erschließt sich mir nicht, warum man da keine zwei Wohnungen rein machen kann?“, fragte sie. „Und noch eine Eisdiele braucht`s da auch nicht!“ 

Bei Bürgermeister Paul Iacob (SPD) rannte sie damit offene Türen ein. „Es ist absurd, da ein Hostel einzurichten!“ Schließlich gebe es in der Stadt einen ungeheuren Bedarf an Wohnraum. „Solche Wohnungen kann ich sofort vermieten!“ Baurechtlich könne die Stadt ihr kommunales Einvernehmen aber mangels Gründen nicht verweigern.

An der praktischen Umsetzung eines Beherbergungsbetriebs an dieser Stelle zweifelte auch FWF-Fraktionsvorsitzende Dr. Anni Derday. „Es ist wieder eine Beherbergung in der Innenstadt, wo es weit und breit keine Stellplätze gibt. Das ist nicht praktikabel.“ Allerdings, so ihre Befürchtung: „Rechtlich können wir da wohl nichts machen!“

 Einen Ausweg aus dem Dilemma zeigte schließlich die Altstadtsatzung auf: Weil die geplante Dachgestaltung mit den vorgesehenen Gauben dieser widerspricht, verständigte sich der Ausschuss darauf, den Antrag so abzulehnen und nochmals intensive Gespräche mit dem Bauwerber zu führen.

mm

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