Lehrer und Kursteilnehmer sind betroffen

Schwere Zeiten für die Füssener vhs

+
Petra Schwart, Leiterin der Füssener vhs.

Füssen - Sprachkurse, Integrationskurse, Zertifikate - das alles bieten Volkshochschulen. Doch auch deren Betrieb ruht in der Corona-Krise - mit schmerzlichen Folgen für Teilnehmer, Referenten, Kursleiter und die Volkshochschule selbst.

Seit Wochen ruht wegen der Corona-Krise der Lehrbetrieb in der Volkshochschule Füssen. Das reißt Löcher in die Kasse der Einrichtung selbst und bringt die meist freiberuflichen Dozenten in arge finanzielle Nöte. 

Wie die Leiterin der vhs Füssen, Petra Schwartz, gegenüber dem Kreisbote berichtet, werden die Schulen zwar teils von der öffentlichen Hand finanziert. Aber rund 70 Prozent müsse die vhs Füssen am Markt erwirtschaften. "Wir sind auf die Einnahmen über die Teilnehmenden angewiesen", sagt Schwartz. „Und der fällt leider gerade weg. Die Volkshochschule Füssen hatte im April 2019 Einnahmen von rund 42.000 Euro und jetzt, im April 2020, von 2200 Euro." 

Die Betriebskosten laufen aber weiter. Für einen Großteil der Angestellten in der Verwaltung sei ab Mai Kurzarbeit beantragt worden. "Das schlägt auf die Stimmung." Schwartz hofft, dass Städte, Kreise und Gemeinden auch bei knappen Kassen die Volkshochschulen in ihrer Struktur erhalten und sie unterstützen. 

Letzter Ausweg Soforthilfe

Kursleiter, die von den Einnahmen lebten, bleibe in der aktuellen Krise häufig nur der Weg zur Soforthilfe, erklärt die vhs-Leiterin. Hier können Kursleiter auf eine Unterstützung bei ihren ausgefallenen Honoraren hoffen. An der vhs Füssen sei bei rund 30 Dozenten der Job an der Volkshochschule in Kombination mit denen an anderen Bildungseinrichtungen der Haupterwerb. 

Teils sei die Situation für sie dramatisch, sagte Schwartz. Sie arbeiteten in der Regel auf Honorarbasis, stünden ohne Einnahmen da - und ein Ende sei nicht absehbar. Die vhs Füssen sagt sämtliche Eintagesveranstaltungen in diesem Semester ab, längere Kurse werden unterbrochen. Es sei zu befürchten, dass der Betrieb auch über Mai hinaus ruhen werde. "Dann wird nichts anderes übrig bleiben, als alle Kurse abzubrechen," so Schwartz. 

Ein Abbruch ziehe allerdings einen enormen Verwaltungsaufwand nach sich. Dann müsse der von den Teilnehmern gezahlte Preis anteilig erstattet werden. Die Leiterin bezeichnet die Corona-Krise nicht zuletzt als "Riesen-Herausforderung" für die Volkshochschulen. Ende März sei der Betrieb sehr abrupt zum Erliegen gekommen, nun müsse man schauen, wie zumindest noch Kurse mit für die Teilnehmer wichtigen Abschlüssen durchgezogen werden könnten. 

Ungewisses Herbstsemester

Schwartz, die jetzt schon mit der Planung für das Herbstsemester beschäftigt ist, rechnet damit, dass auch das kommende Herbstsemester noch von der Krise gezeichnet sein wird. Etwa die Hälfte der Kursteilnehmer sei über 50 Jahre alt. Für etliche seien die Sprach und Präventionskurse im Gesundheitsbereich sehr wichtig. Um hier unter Umständen Möglichkeiten herzustellen, gibt es jetzt ein Hygienekonzept. 

Viele Senioren werden aber aus Angst vor einer Infektion vermutlich auch dann nicht in einem Kurs sitzen wollen, vermutet Schwartz. "Das Herbstsemester wird möglicherweise auch sehr schwierig für uns." 

Der Shutdown habe aber auch für Kursteilnehmer Folgen: "Das Lernen wird gerade brutal unterbrochen", bedauert die Leiterin. Sprachkurse erfordern eine gewisse Kontinuität. Integrations- oder Deutschkurse wiederum seien für die Teilnehmer eminent wichtig, um hierzulande Fuß fassen zu können. Zwar werde auch mit Online-Kursen gearbeitet, das gehe aber nicht immer. 

Froh sei die Einrichtung, dass es seit einem Jahr die vhs.cloud gebe, die eine Plattform etwa für Materialien, virtuelle Klassenzimmer oder Tutorien sei. "Wir sind froh, dass wir das haben", sagte Schwartz. Allerdings hätten nicht alle Teilnehmer die technische Ausstattung für Online-Kurse und längst nicht alle Kursleiter seien fit im Online-Lehren. Deshalb biete die vhs jetzt für Ihre Dozenten die Möglichkeit, sich in online Schulungen fit zu machen.

kb

Auch interessant

Meistgelesen

Sparkasse Allgäu ist mit dem Geschäftsjahr 2019 zufrieden
Sparkasse Allgäu ist mit dem Geschäftsjahr 2019 zufrieden
Tourismus bleibt stabiler Wirtschaftsfaktor in Wertach
Tourismus bleibt stabiler Wirtschaftsfaktor in Wertach
Friedliche Demo in Pfronten gegen Corona-Beschränkungen
Friedliche Demo in Pfronten gegen Corona-Beschränkungen
Füssener Künstlerin bringt Bilderbuch über Corona-Pandemie heraus
Füssener Künstlerin bringt Bilderbuch über Corona-Pandemie heraus

Kommentare