Traditioneller Neujahrsempfang von Bundeswehr und Stadt

Füssens Bürgermeister sorgt sich um Verrohung der Gesellschaft: "Das ist gefährlich!"

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Bürgermeister Paul Iacob hält beim Neujahrsempfang von Stadt und Bundeswehr im Sparkassen-Saal ein Plädoyer für eine demokratische Gesellschaft.

Füssen – Der eine militärisch knapp und präzise, der andere umriss das große Ganze: Unterschiedlicher als die Reden von Oberstleutnant Michael Bertram und Bürgermeister Paul Iacob (SPD) beim traditionellen Neujahrsempfang von Bundeswehr und Stadt im Sparkassensaal können Neujahrsansprachen wohl kaum sein.

Beide sahen die große Zahl Gäste aber als ein deutliches Zeichen der Verbundenheit zwischen Bundeswehr und Bevölkerung. 

Vor zahlreichen Besuchern aus Politik, Wirtschaft, Kirche, Blaulicht-Organisationen und Gesellschaft eröffneten der Bundeswehrstandort Füssen und die Stadt am Donnerstagabend in der Füssener Sparkasse den Reigen der Neujahrsempfänge. 

Dass die in der Lechstadt stationierten Soldaten des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 und des Gebirgsversorgungsbataillons 8 dabei gemeinsam mit der Stadt einladen, hat bereits eine lange Tradition. „Ich freue mich, dass Garnison und Stadt diese gute Tradition pflegen“, so Oberstleutnant Bertram, Kommandeur des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 und Standortältester. 

Dass Militär und Zivilgesellschaft den Empfang gemeinsam feiern, zeige: „Dieser Abend steht exemplarisch für das Leben und und Arbeiten in der Garnisonsstadt!“ Dass die Bundeswehr so gut in Gesellschaft und Bevölkerung angenommen werde, sei keineswegs selbstverständlich. Vor allem in Berlin habe er andere Erfahrungen gemacht. In Füssen sei das aber anders. „Wir fühlen uns hier wohl und arbeiten hier gerne!“ 

Als Beispiel nannte er den Einsatz der Soldaten zur Bewältigung der Schneemassen vor einem Jahr. „Ein Zeichen der Verbundenheit mit der Bevölkerung!“ Militärisch betrachtet, bleibe der Einsatz in Mali auch in diesem Jahr der Schwerpunkt der Füssener Soldaten. 

Er sei froh, so Bertram weiter, dass der Einsatz im vergangenen Jahr keine Opfer unter den Angehörigen der Füssener Einheiten gekostet habe. Um den hohen Ausbildungsstand der Truppe weiter aufrecht zu erhalten, seien auch für dieses Jahr zahlreiche verschärfte Übungen vorgesehen. Er bitte die Bevölkerung daher schon jetzt um Verständnis. Die Übungen seien der „Garant für die Einsatzbereitschaft“. 

Sorge um Zusammenhalt

Bürgermeister Iacob schlug in seiner Ansprache indes den großen Bogen hin zu Digitalisierung und Globalisierung. „Ich bin froh über unsere persönliche Begegnung, da sich heute viele Leute nur noch im Internet begegnen.“ Der heutige Empfang aber zeige: „Wir gehören zusammen!“ Das sei in einem sich veränderten Land nicht überall mehr so. Die Digitalisierung mit ihrem hohen Tempo, die die Welt immer kleiner mache, führe zu einem Generationenkonflikt und ebenso wie die Globalisierung zu Verunsicherung. Den Menschen gehe der Respekt voreinander verloren. „Diese Geschwindigkeit werden wir, glaube ich, nicht durchhalten können“, sagte Iacob. 

Zusammen mit den Sozialen Medien braue sich etwas Ungutes zusammen, zumal die Regierung die Kontrolle über die neuen Medien verloren habe. „Das werden wir auch nicht mehr kontrollieren.“ Durch Hass und Aggression im Internet befürchte er eine Erosion des gesellschaftlichen Zusammenhalts. 

Kampf um die Mitte

Deutliche Zeichen dafür seien der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke oder die Tatsache, dass es es immer schwerer werde, Kandidaten für die Kommunalpolitik zu gewinnen. „Das ist gefährlich!“, warnte Iacob. Dazu komme, dass sich der Bürger immer öfter fragen müsse, welches Wort und welche Werte noch gelten. 

Darüber hinaus müsse die Religionsfreiheit verteidigt werden. Es könne seiner Ansicht nach nicht angehen, dass ein Muslim in der CSU seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt auf Druck der Basis wieder zurück ziehen musste. Hier seien alle gefragt. „Wir dürfen uns nicht an den Rand drängen lassen!“, mahnte er. „Bewahren wir uns die gesunde Mitte!“ 

Sorgen bereite ihm der Zerfall der Volksparteien CDU/CSU und SPD. „Wenn das Wahlverhalten in eine völlig andere Richtung geht, wird es gefährlich“, mahnte er. „Wir haben die Demokratie zu verteidigen!“ Jeder könne dazu seinen Beitrag leisten. Der Rathauschef zeigte sich überzeugt, dass die Situation in Füssen eine bessere sei. „Weil wir uns begegnen.“

mm

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