Füssener Chefarzt erhält ALKK-Förderpreis für die Etablierung des Herzzentrums Füssen-Außerfern

Vorreiter in Deutschland

Theo Waigel übergibt Urkunde an Dr. Martin Hinterseer
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Dr. Theo Waigel (links), Schirmherr des Herzzentrums Füssen-Außerfern, und Dr. Martin Hinterseer, Chefarzt der Füssener Klinik, freuen sich über den Förderpreis der Arbeitsgemeinschaft Leitende Kardiologische Krankenhausärzte.

Füssen – Die Stiftung der Arbeitsgemeinschaft Leitende Kardiologische Krankenhausärzte (ALKK) hat am Mittwoch ihren Förderpreis Dr. Martin Hinterseer, Chefarzt der Klinik Füssen, verliehen. Der Ärztliche Direktor der Klinik Füssen erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Preis für die Etablierung des ersten grenzüberschreitenden deutsch-österreichischen Herzinfarktnetzwerkes „Königswinkel-Außerfern“ mit dem „Herzzentrum Füssen-Außerfern“. 

Dieser Preis sei „eine hohe Auszeichnung für mich und mein Team, besonders da er von Fachkollegen vergeben wird, die Herausforderungen und Realisierung eines solchen bislang einmaligen Projektes mit seinen vielen bürokratischen Hindernissen würdigen“, sagte Hinterseer.

Hat ein Patient einen Herzinfarkt, gilt es, die Verstopfung des betroffenen Herzkranzgefäßes so schnell wie möglich zu lösen. Denn je weniger Zeit das braucht, desto höher ist seine Überlebenschance. Lebt der Patient im südlichen Ostallgäu, musste er bis zum Jahr 2012 für die entsprechende Behandlung allerdings erst ins rund 40 Kilometer entfernte Kempten oder Kaufbeuren gebracht werden. Wohnte er im Außerfern, hatte er einen noch größeren Nachteil: Er musste rund 100 Kilometer bis ins Krankenhaus nach Innsbruck zurücklegen. Bei stürmischem Wetter oder nachts ging das nur mit dem Rettungswagen über die Fernpassstraße – eine stark frequentierte Strecke, auf der sich der Verkehr oft staut und damit wertvolle Zeit verloren geht.

Langwierige Verhandlungen

Deshalb setzte sich Hinterseer unter anderem mit Dr. Eugen Ladner, Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Reutte, dafür ein, eine grenzüberschreitende Versorgung in der Klinik Füssen zu ermöglichen. Dort stimmte nicht nur die Qualität, sondern auch die „Man-Power“, so Hinterseer. Nach drei Jahren zähen Verhandlungen mit den beiden Ländern und den unterschiedlichen Kostenträgern war es dann soweit: Das Bezirkskrankenhaus (BKH) Reutte und die Klinik Füssen eröffneten 2012 mit dem Herzinfarktnetzwerk Königswinkel-Außerfern und dem Linksherzkathetermessplatz ein gemeinsames Herzzentrum.

Rettungskräfte und Notärzte wurden fortan geschult, dass sie einen Herzinfarkt-Patienten nach der entsprechenden Erstversorgung nicht ins nächstgelegene Krankenhaus bringen, sondern direkt in die Klinik nach Füssen. Denn dort steht neben dem Herzkatheterlabor 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr ein Kardiologe mit seinem Team auf Abruf bereit. Wurden hier 2012 die ersten 16 Patienten aus Österreich behandelt, sind des mittlerweile 200, informierte der Füssener Chefarzt.

Besser als der Bundesdurchschnitt

In dieser Zeit galt es durch eine entsprechende Datenanalyse zu beweisen, dass sich diese Investition auch lohnt. Und das ist der Klinik Füssen nun gelungen: „Wir konnten zeigen, dass durch diese Maßnahme über Staatsgrenzen hinweg die Patienten im Herzinfarktnetzwerk Königswinkel-Außerfern mit höherer Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt überleben als im Bundesdurchschnitt“, so der Chefarzt. Und dafür hat er am Mittwoch nun den Förderpreis des ALKK erhalten.

Um der Bevölkerung im ländlichen Raum diese Versorgung bieten zu können, brauche es ein riesiges Engagement aller Beteiligten, fügte Hinterseer hinzu. Die kontinuierliche Qualitätskontrolle, die wissenschaftlichen Analysen des Projekts und die Teilnahme an internationalen Studien hätten zum Gewinn des Preises beigetragen.

„Mein Dank gilt auch allen ,Gründervätern‘ dieses 2012 gestarteten Projektes. Die Verwaltungsratsvorsitzenden des Kommunalunternehmens, damals insbesondere Oberbürgermeister Stefan Bosse, den damaligen Vorständen aus Füssen und dem BKH Reutte, hier vor allem Dr. Dietmar Baron und mein Mitstreiter, der Ärztliche Direktor Dr. Eugen Ladner, haben maßgeblich zur Umsetzung der Idee beigetragen“, so Dr. Hinterseer.

Unter der Schirmherrschaft von Dr. Theo Waigel, Minister A.D., und Franz Fischler, ehemaliger EU-Kommissar, habe sich das Projekt in den vergangenen Jahren in allen Gesellschaftsbereichen etabliert. Viele Menschen in der Region und Besucher aus der ganzen Welt würden dem Projekt ihr Leben verdanken, sagte der Chefarzt der Klinik Füssen. Mit dem Preisgeld möchte er nun eine studentische Hilfskraft für die weitere Datenanalyse beschäftigen.

kk

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