"Du musst auf die Menschen zugehen"

Der Füssener CSU-Bürgermeisterkandidat Maximilian Eichstetter im Kreisbote-Porträt

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Der 34 Jahre alte Maximilian Eichstetter will für die CSU Bürgermeister in Füssen werden.

Füssen – Maximilian Eichstetter, Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes, kandidiert für das Amt des Bürgermeisters. Der Kreisbote hat sich mit ihm zu einem ganz persönlichem Interview getroffen.

Es ist Tag zwei nach Sturmtief „Sabine“. Der Himmel strahlt längst wieder weiß-blau, im Weißensee spiegelt sich die kalte Februarsonne. Von Westen her weht ein kühler Wind. „Ist das nicht ein Traum!?“, fragt Maximilian Eichstetter, den Mantelkragen hochgeschlagen, die Beine ausgestreckt auf der Bank im Pavillon am Weißensee sitzend. Versonnen schaut er auf den See hinaus. Man kann ihm in diesem Augenblick nur schwer widersprechen. Aber eigentlich sind wir nicht hier, um über den Weißensee zu schwärmen. Doch wer den 34-Jährigen verstehen will, seinen Antrieb, nach 12 Jahren SPD-Vorherrschaft für die CSU das Rathaus zu erobern, der kommt nicht umhin, sich mit dem Weißensee auseinander zu setzen. „Hier gehöre ich einfach her. Das ist DIE Heimat!“

„Ich bin hier sehr behütet aufgewachsen und früh ins Vereinsleben integriert worden“, erzählt er. Bald wird bei unserem Treffen klar, dass er hier rund um den See eine Kindheit und Jugend erlebte, die ihn prägte und nach einer Bilderbuchkarriere in der Wirtschaft womöglich demnächst an die Spitze der Füssener Stadtverwaltung führen wird.

Tatsächlich verrät ihn aber schon sein Dialekt – den er trotz jahrelanger Tätigkeit im Ausland nicht verbergen kann und will – als Weißenseer. Auch sonst pflegt der junge Mann, der meist im dunkelblauen Business-Outfit auftritt, Allgäuer Eigenschaften. Dazu gehört die Bedächtigkeit. Fragt man Eichstetter etwas, kommen seine Antworten nie wie aus einer Pistole geschossen, sondern immer erst nach einer kurzen Pause des Nachdenkens. Seine Sätze sind überlegt, klar strukturiert und enden meist in einer eindeutigen Aussage. Nur ganz selten einmal verläuft ein Satz im unausgesprochen Nichts.

Was macht den Menschen Maximilian Eichstetter aus?

„Ich bin sehr strukturiert und organisiert“, antwortet er. Das halte er für eine seiner Stärken, die ihn ausmachen.

Was macht ihn noch aus?

„Ich habe sehr gerne Menschen um mich und arbeite gerne mit Menschen zusammen“, kommt es nach kurzer Pause. „Ich kümmere mich gerne um die Belange der Menschen.“ Er finde es toll, im Team zusammen zu arbeiten. Wenn viele verschiedene Ideen zu einer zusammen fließen. „Man lernt immer etwas dazu!“

Sind Sie ein ehrgeiziger Mensch?

„Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, ein Ziel – dann ziehe ich das auch durch!“, kommt die Antwort.

Sind Sie ein Mensch, der Herausforderungen braucht?

„So schaut`s aus!“

Woher kommt diese Einstellung?

„Der Anspruch Zuhause war immer: nicht nur zur Ruhe kommen, nicht faul sein, Stillstand bedeutet Rückstand.“ Vor allem seine Großmutter, Liselotte Leschka-Popp, Gründerin des Sanitätshauses Popp in Füssen, habe ihm etwas mit auf den weiteren Lebensweg gegeben, das in prägen sollte. „Meine Oma hat immer geschaut, was ist das Beste für den Kunden“, erinnert er sich. „Wenn es hart wird – genau dann musst du noch eine Schippe drauflegen, dann schaffst du es!“, war eine weitere Lehre. Oder anders formuliert: „Wenn es schwer wird, musst du Stärke beweisen. Dann musst du Gas geben, um über den Berg zu kommen!“ Diese Überzeugung sollte entscheidend für seinen weiteren Werdegang werden.

40 Kilo abgenommen

Mit dem Weißensee verbindet Eichstetter auch ein weiteres einschneidendes Erlebnis, das mindestens genauso prägend für sein weiteres Leben werden sollte. Als ein Kunde ihn auslachte, weil er als 19-jähriger Elektriker unter dessen Schreibtisch „wie ein Wal eingequetscht war“, öffnete ihm das schlagartig die Augen. „Mir wurde bewusst, dass ich zu dick bin.“ Von dem Tag an habe er sich in einem anderen Licht gesehen und ihm sei klar geworden, dass er etwas ändern müsse. Fortan drehte er täglich mit einem seiner besten Freunde von der Bundeswehr bei Wind und Wetter eine Runde um den See. Bald hatte er 40 Kilo verloren, eine Art „Aha-Erlebnis“ für den jungen aufstrebenden Mann. Ihm wurde klar: „Du kannst alles schaffen, wenn du es hundertprozentig willst! Aber du musst es wirklich wollen!“

Mit einem derartigen Durchhaltewillen und Ehrgeiz ausgestattet, erklomm Eichstetter die Karriereleiter schnell: Nachdem er mit 15 Jahren angefangen hatte, als Realschüler in der Tankstelle von Helmut Angl in Schwangau sich ein bisschen Geld neben her zu verdienen, begann er eine Lehre als Elektriker bei der Firma Kless in Schwangau. Dort wurde ihm bald klar, was ihm an seiner Arbeit besonders gefällt: „Das Machen, erstellen, die Leute begeistern – das fand ich damals schon extrem faszinierend.“

Als fertiger Elektriker wechselte er zur Firma Besel & Schwäller in Pfronten. Sein Aufstieg war fortan nicht mehr aufzuhalten. Schnell leitete er hier eigenverantwortlich größere Projekte, ehe er sich entschloss, in Kempten seinen Elektromeister zu machen. Zurück bei Besel & Schwäller, kam er dort mit der Autoindustrie in Kontakt, landete schließlich bei Daimler. „Das war faszinierend.“ Als es ihm eine Gesetzesänderung möglich machte, als Meister studieren zu können, griff er sofort zu und absolvierte an der Hochschule Kempten seinen Diplom-Wirtschaftsingenieur. Anschließend ging er als Produktmanager für Daimler in die Schweiz. „Da habe ich extrem viel gelernt“, sagt er. „Das hat mich beeindruckt!“

Zurück nach Füssen

Das Ende der Karriereleiter war damit aber noch nicht erreicht. Der Autokonzern bot ihm einen Platz in der Geschäftsleitung und die Betriebsleitung im Mercedes-Benz Autohaus MedeleSchäfer in Füssen an. „Da dachte ich: Jetzt kannst du endlich wieder nach Hause kommen!“ Dabei hatte er nur wenige Jahre zuvor noch ganz anders gedacht. Während seines Studiums habe er immer den Drang gehabt: „Ich muss hier weg, ich muss etwas Neues kennen lernen“, erzählt er schmunzelnd. Doch vor allem bei seinen Wochenend-Besuchen während seiner Zeit in der Schweiz sei ihm schließlich immer klarer geworden, wie schön es in Weißensee und Füssen ist. „Ich bin hier aufgewachsen. Ich bin Weißenseer!“

Gespräche mit CSU

Der Einstieg beim Autohaus MedeleSchäfer in Füssen bedeutete jedoch nicht nur die Rückkehr in die Heimat. „Wenn ich nicht zu Medele gekommen wäre, wäre ich heute nicht Bürgermeister-Kandidat“, sagt er. Schnell kam die Füssener CSU, damals den großen personellen und strategischen Umbruch planend, auf ihn zu und fragte ihn, ob er sich engagieren wolle. Für Eichstetter und das neue Führungsteam der Christsozialen war bald klar: „Wenn, dann richtig!“ Die Idee der Kandidatur war geboren. „Ich mag unsere Stadt. Aber jetzt ist es Zeit für den Aufbruch, für etwas Neues!“

Dass er sich für die CSU entschied, hat Gründe. Die Partei und ihr Personal hält er für deutlich pragmatischer als andere Parteien. „Sie ist ein konstruktiver Partner der Menschen.“ Die anderen Parteien sind ihm zu ideologisch, sagt er. „Man muss auch sagen können: Ok, wir gehen den anderen Weg, wenn der der bessere ist. Aber dafür muss man kritikfähig sein.“ Außerdem habe er schon als Bub Edmund Stoiber gut gefunden. „Der war immer so knallhart und direkt, der hat`s immer rausgehaut. Da dachte ich: Wow, cooler Typ!“, lacht Eichstetter. „Ich fand: Der passt zu Bayern. Und er hat in Bayern seine Fußstapfen hinter lassen.“

Doch warum will ein ehrgeiziger junger Mann, dem in einem Weltkonzern ziemlich viele Türen offen stehen, seinen Job dort gegen das undankbare Amt des Füssener Bürgermeisters tauschen?

Die Antwort auf diese Frage liegt unter der Oberfläche am Weißensee. „Die Zukunft meiner Heimat mitgestalten zu dürfen, ist extrem herausfordernd! Das macht es so spannend.“

Das Amt des Bürgermeisters will er mit dem gleichen Elan und Ehrgeiz wie seine bisherige berufliche Karriere angehen: Wohnen, Bundesleistungszentrum, Festspielhaus, Verkehr, Finanzen – die Themen und deren mögliche Lösungen – er nennt es „Projekte“ oder „Projektplan“ – schießen jetzt nur so aus ihm heraus. „Das wird extrem herausfordernd. Ich werde diese Projekte intensiv angehen und begleiten“, sagt er. Bevor es so weit ist, müsse zunächst jedoch Vieles auf den Prüfstand. „Derzeit ist keine strategische Planung da“, sagt er. „Wir werden alle Projekte nicht in sechs Jahren schaffen. Wir werden acht bis zehn Jahre brauchen, um alles zu ordnen und zu strukturieren.“

Die Bürger begeistern

Die Mitarbeiter der Verwaltung und die Bürger will er, wie seine Oma seinerzeit ihre Kunden im Sanitätshaus, begeistern. „Ich erwarte von mir selbst, dass ich eine Kundenloyalität hinbekomme. Sonst kannst du diese nicht begeistern – das sehe ich hier bei den Bürgern genauso.“ Voraussetzungen dafür sei Transparenz und Teamfähigkeit. Als Bürgermeister müsse er „ein konstruktiver Teamplayer für die Verwaltung“ sein. „Du musst auf die Menschen eingehen und sie unterstützen, dich um sie kümmern.“ Zufriedene Mitarbeiter in der Verwaltung „sind die Basis für die Bürgerzufriedenheit“.

Mittlerweile hat das sich das Wetter geändert. Der Wind von Westen wird rauer, schiebt graue Wolken vor die Sonne. Aus dem Glitzern des Wassers wird Schiefergrau. Die Gelegenheit für eine letzte Frage.

Können Sie mit Gegenwind umgehen?

„Wenn Gegenwind konstruktiv ist, muss man das aufnehmen“, kommt die Antwort. „Man darf keinen Stillstand haben, sondern muss sich weiter entwickeln.“ So werde er auch als Bürgermeister verfahren.

Matthias Matz

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