Thema Ferienwohnungen soll wieder in den Stadtrat

Wohnungsmieten in Füssen: "Wir liegen in der Mitte"

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Der Wohnungsmarkt in Füssen ist und bleibt angespannt. CSU-Fraktionsvorsitzender Heinz Hipp beantragt daher, dass die Problematik zeitnah wieder im Stadtrat auf die Tagesordnung gesetzt wird.

Füssen – Nicht genehmigte Ferienwohnungen, Zweckentfremdungssatzung, Beherbergungskonzept, Zweitwohnungssteuer – die zweite Hälfte des vergangenen Jahres war kommunalpolitisch vor allem durch das Vorgehen gegen die Nutzung von Wohnungen als Ferien- oder Zweitwohnungen geprägt

Beachtlich war seinerzeit vor allem das Tempo, mit die verschiedenen Satzungen erlassen werden sollten – bis CSU und Freie Wähler im Stadtrat auf die Bremse traten. Seitdem ist es ruhig um das Thema geworden. CSU-Fraktionschef Heinz Hipp hat deshalb nun schriftlich beantragt, das Problem wieder auf die Agenda zu hieven. 

Demnach soll aber zunächst eine Standortbestimmung erfolgen, bevor „weitgehende Maßnahmen wie Satzungen mit weitgehenden Einschränkungen für die Betroffenen behandelt werden“, so Hipp. 

Vor dem Hintergrund, dass die besagten Satzungen zuletzt im Spätsommer und Frühherbst diskutiert wurden, fordert der Fraktionsvorsitzende der Christsozialen „eine beschleunigte Behandlung und differenzierte Aufarbeitung“. 

Hipp mahnt daher zunächst eine Standortbestimmung des Wohnungsmarktes, auch im Hinblick auf andere Städte und Gemeinden, an. Dabei müsse das Thema Ferienwohnungen „qualifiziert behandelt“ und in das Gesamtbild miteinbezogen werden. „Es geht darum: Wo stehen wir insgesamt, welche Maßnahmen sind verträglich und was machen wir mit den Ferienwohnungen“, erklärte Hipp gegenüber demKreisbote. „Erst dann kann man grundsätzlich diskutieren!“ Dabei sollte das Problem noch in dieser Amtsperiode angegangen werden. „Unsere Nachfolger fangen sonst wieder bei Null an!“ 

Angebot und Nachfrage

Für Hipp stellt sich die Frage, ob ein Verbot von Ferienwohnungen oder der Erlass einer Zweckentfremdungssatzung tatsächlich das Wohnungsangebot spürbar verbessern können. „Der Mietpreis wird wesentlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt“, schreibt er. Dazu komme die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung und der Kapitalmarkt. 

Darüber hinaus richte sich die Bezahlbarkeit von Wohnungen auch nach der Einkommensstruktur. Diese sei in Füssen jedoch wesentlich von den niedrigen Löhnen im Dienstleistungsgewerbe bestimmt. Zum besseren Vergleich hat Hipp basierend auf Daten des Immobiliendatenspezialisten empirica regio und ZEIT ONLINE Miet- und Gehaltsstruktur von Füssen mit anderen Allgäuer Städten und Gemeinden verglichen. Demnach müssen Singles in Füssen durchschnittlich für eine 59 Quadratmeter große Wohnung knapp 37 Prozent ihres Nettogehalts aufbringen. Familien mit zwei Einkommen für eine 97 Quadratmeter große Wohnung hingegen 28 Prozent. „Wir sind in damit in der Mitte“, so Hipp, „bei den Tourismusgebieten sogar eher günstig.“ 

Tatsächlich liegt den Daten zufolge die Mietbelastung in anderen Tourismusorten wie beispielsweise Garmisch (Single: 43,8 Prozent/Familie: 33,3 Prozent), Oberstdorf (43,6/30,8) deutlich höher als in der Lechstadt. In Pfronten oder Schwangau hingegen geringfügig niedriger, ebenso im nördlichen Landkreis Ostallgäu. 

Nicht verteufeln

Darüber hinaus fordert Hipp Lösungen für Ferienwohnungen, die zwar vor vielen Jahren bei der damaligen Kurverwaltung angemeldet, aber baurechtlich nicht beantragt und somit auch nicht genehmigt worden waren. Für diese müsse eine pragmatische Lösung gefunden werden. „Eine Tourismusstadt muss auch Ferienwohnungen anbieten“, heißt es dazu in dem Antrag. 

Ferienwohnungen seien mit einer hohen Verweildauer ein wichtiger Teil des Qualitätstourismus und vor allem für Familien geeignet. Durch die hohe Verweildauer werde gleichzeitig auch die Infrastruktur verbessert. Zudem habe sich die Zahl solcher Ferienwohnungen im Gegensatz zu der der Hotelzimmer nicht wesentlich erhöht. So bestehe keine Notwendigkeit, dass Angebot einzuschränken. Vielmehr sollten die Vorteile gesehen werden. 

Auffallend sei, so der Christsoziale in seinem Schreiben weiter, dass die Zahl der ordnungsgemäß gemeldeten Ferienwohnungen stark von der der baurechtlich genehmigten abweiche. 

Das liege vor allem daran, dass die früher dafür zuständige städtische Kurverwaltung die Besitzer wohl nicht auf die Notwendigkeit einer baurechtlichen Genehmigung hingewiesen habe. „Da nun einige sogenannte Altfälle dies durch einen baurechtlichen Antrag nachholen wollen, entsteht der Eindruck, dass eine Vielzahl von neuen Wohnungen entsteht“, erläutert der Fraktionschef. 

Zu einem falschen Eindruck in der Öffentlichkeit und einer zunehmenden Emotionalisierung des Themas führe auch der Umstand, dass entsprechende Anträge nach Beanstandungen durch das Landratsamt wiederholt auf die Tagesordnung gesetzt werden. 

Ob zumindest das Thema Zweckentfremdungssatzung tatsächlich in dieser im Frühjahr endenden Amtsperiode noch behandelt wird, ist derzeit fraglich. Zwar sollte ein Workshop für den Stadtrat eigentlich bereits im Oktober stattfinden, das ist bislang allerdings nicht geschehen.

 Nun soll nach Angaben von Felix Blersch, Pressesprecher der Stadtverwaltung, die Infoveranstaltung für die Stadträte am 10. Februar stattfinden. Dann soll auch entschieden werden, ob das Thema noch im März erneut diskutiert wird.

Matthias Matz

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