»So sicher wie Fort Knox«

Füssener entwickeln App, die den Umgang mit Corona leichter machen soll

Thorsten Dischereit und Richard Balla aus Füssen
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Die beiden Füssener Thorsten Dischereit (links) und Richard Balla haben ein App-System entwickelt, dass die Registrierung in Corona-Zeiten für Gäste einfacher und Gastronomen rechtssicherer machen will.
  • vonMatthias Matz
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Füssen – Wer gegen die Vorgaben zur Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten verstößt, riskiert in Bayern ein hohes Bußgeld. Restaurantbesucher, die falsche Angaben auf Kontaktlisten machen, müssen bis zu 250 Euro Strafe zahlen, Gastronomen und Hotelbetreiber, die die Daten ihrer Kunden nicht erfassen, sogar 1000 Euro oder mehr. Das korrekte Registrieren der Gäste ist jedoch mit einem hohen bürokratischen und personellen Aufwand verbunden. Um hier Abhilfe zu schaffen, bringen die beiden Füssener Freunde Richard Balla und Thorsten Dischereit jetzt eine App auf den Markt, die sowohl für die Unternehmen als auch deren Kunden die Sache einfacher machen soll. 

Gastronomen sind im Zuge der Corona-Krise bekanntlich aufgefordert, eine Gästeliste mit Name und Kontaktdaten von jeweils einer Person pro Hausstand sowie dem Zeitraum des Aufenthalts zu führen, um eine Kontaktpersonenermittlung im Falle eines nachträglich identifizierten Corona-Falles zu ermöglichen. Die Gästeliste ist dabei so zu führen und zu verwahren, dass Dritte sie nicht einsehen können. Außerdem sind die Daten nach Ablauf eines Monats zu vernichten. In der Praxis funktioniert das jedoch nicht immer so wie gedacht. Mal wird der Datenschutz durch achtlos herumliegende Listen nicht gewährt, mal geben Kunden falsche Namen oder Kontaktdaten an. Unhygienisch ist das Ganze ohnehin. Der Dumme ist in solchen Fällen meist aber nur einer – der Wirt.

In diese Maske trägt der Kunde seine persönlichen Daten ein.

Eine Lösung für diese Probleme haben die beiden Füssener Richard Balla und Thorsten Dischereit entwickelt– eine App, die sowohl den Bedürfnissen der Gastgeber als auch der Gäste gerecht werden soll. Genau genommen sind es zwei Apps, die der App-Entwickler Balla und der Geschäftsmann Dischereit gemeinsam entwickelt haben und auf den Markt bringen wollen: die checkin. und die chechin.systems. Beide Apps zusammen ergeben eine funktionierende Einheit. Das Funktionsprinzip ist simpel. Während sich der Gast oder Kunde checkin. kostenlos auf seinem Smartphone installiert, benötigt der Gastronom oder Hotelier checkin.systems. Diese Anwendung kostet einmalig 15 Euro. Versteckte Gebühren gebe es keine, betonen die beiden.

Nach erfolgter Einrichtung der App gibt der Kunde in eine Maske seine persönlichen Daten wie Name, Telefonnummer, Adresse oder E-Mail-Adresse ein – nur ein einziges Mal, wie Dischereit betont. Beim zweiten Öffnen der App wird dem Nutzer schließlich ein verschlüsselter Code angezeigt, der einem herkömmlichen QR-Code ähnelt, aber eben keiner ist. Geht der Kunde in ein Restaurant, das den checkin.-Pendant checkin.systems nutzt, wird sein Code dort einfach eingescannt. Der Gastronom muss dann nur noch die Tischnummer und die Zahl der Gäste ergänzen. „Ein simples, schnelles Verfahren, das den Betrieb nicht stört“, so Dischereit.

Überdies biete ihre App nach ihrer Überzeugung im Vergleich zu anderen Systemen wie etwa „Darf ich rein?“ des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA oder der bisher angewandten Zettelwirtschaft weitere handfeste Vorteile. Zum einen habe der Wirt oder Hotelier bei Nutzung ihres Systems Rechtssicherheit sowohl hinsichtlich des Datenschutzes seiner Gäste als auch deren korrekt erfolgter Erfassung. Die Kunden wiederum dürfen sich über eine unkomplizierte Registrierung freuen, ohne dafür zum Stift greifen zu müssen, der davor schon durch viele andere Hände gegangen ist.

App arbeitet isoliert

Dazu komme, dass die App der beiden Füssener isoliert auf dem Endgerät ohne Internetverbindung, Bluetooth, WLAN oder GPS arbeitet, sodass keine persönlichen Bewegungsdaten des Nutzers erfasst werden oder anderer Daten missbraucht werden können. „Die App kommuniziert nicht nach außen, sie ist so sicher wie Fort Knox!“, erklärt Dischereit. „Das Motto ist ‚ehrlich, einfach, sicher‘“, ergänzt Entwickler Balla.

Überall anwendbar

Hat sich der Gast in einem Restaurant per checkin. registriert, werden die Daten gemäß den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) auf einen verschlüsselten Server im Inland gespeichert, sodass der jeweilige Gastwirt keinen Zugriff darauf hat. Bei Anfragen des Gesundheitsamtes können nur Balla und Dischereit auf die Daten zugreifen. „Wir können dann Auskunft geben, wer noch alles da war“, erklärt Dischereit. „Wir können auch nur einen Radius von drei Metern um den infrage kommenden Tisch aussuchen.“ Beide betonen, dass die App aber nicht nur in der Gastronomie oder Hotellerie angewendet werden kann, sondern in fast allen Bereichen. Denkbar seien Kinos, Museen, oder Sportvereine. „Eigentlich kann das jeder nutzen!“

Den Anfang sollen aber die einheimischen Gastronomen machen. „Wir kennen viele Gastronomen in Füssen“, sagen die beiden. „Wir wollen denen dadurch etwas Erleichterung verschaffen.“ Natürlich hoffen die beiden alleinerziehenden Väter aber auch, dass sich ihre Entwicklung herum spricht und weitere Interessenten findet. „Wir wollen erst mal Füssen und Umgebung, unsere Heimat, versorgen und dann aus dem Allgäu heraus wachsen“, erläutert Dischereit. Das soll im kommende Jahr passieren. Genügend Server-Kapazität sei vorhanden. Allerdings: „Wir sind auf Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen.“

Dabei können die beiden Füssener aber auch schon erste überregionale Erfolge verzeichnen. So habe der Bund der Selbstständigen (BdS) Bayern angekündigt, seinen Mitgliedern die Nutzung der App zu empfehlen. Auch die Füssener Werbegemeinschaft „Gemeinsam WIR“ habe ihre Unterstützung zugesagt und eine Seniorenheim-Kette in Nordrhein-Westfalen sei bereits mit im Boot. „Wir sind mit weiteren Partnern im Gespräch.“

Beide betonen aber, dass es ihnen aber nicht ums Geldverdienen geht. „Das ist ein Hobbyprojekt von uns beiden!“, betont Dischereit. Balla sagt, dass es sich bei seiner Entwicklung um „eine Selbstläufer-IT“ handle, weshalb die App auch für lediglich 15 Euro angeboten werde.

Matthias Matz

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