"Es ist wichtig, die Bürger mitzunehmen"

Die Füssener FWF-Bürgermeisterkandidatin Christine Fröhlich im Kreisbote-Porträt

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Christine Fröhlich greift gerne einmal zum Buch, wenn sie vom Alltag abschalten will

Füssen – Christine Fröhlich, amtierende Freie Wähler-Stadträtin in Füssen, kandidiert für das Amt des Füssener Bürgermeisters. Der Kreisbote hat sich mit ihr zu einem ganz persönlichem Interview getroffen.

Christine Fröhlich zieht lächelnd ein Buch aus dem Regal der Stadtbibliothek: „Owen Meany“ von John Irving, ihr Lieblingsbuch. „Das hat mich schon immer sehr fasziniert. Beim Lesen kann ich wunderbar abschalten.“ Seit ihrer Jugend begleitet sie die Liebe zum Lesen. Als Kind ging ihr schon mal die Bücher ihrer Altersklasse in der örtlichen Bibliothek aus. 

Doch derzeit kommt Fröhlich nur selten zum Schmökern. Denn sie hat sich ein ambitioniertes Ziel gesteckt: Sie möchte als erste Frau das Bürgermeisterbüro im Füssener Rathaus übernehmen. Deshalb auch der Treffpunkt in der Bibliothek: Heute gibt sie hier bereits ihr zweites Interview. „Ich bin ein sehr praktischer und pragmatischer Menschen.“ 

Dabei ist sie eine politische Quereinsteigerin. Erst vor sieben Jahren entdeckte sie ihr Interesse an der Kommunalpolitik – doch von da an gab sie Vollgas: Im Frühjahr 2013 trat sie den Freien Wählern Füssen bei, im September wurde sie gleich zur ersten Vorsitzenden gewählt und 2014 organisierte sie für die Gruppierung den Kommunalwahlkampf. Sie selbst wurde zwar nicht in den Stadtrat gewählt, rückte aber drei Jahre später für Andreas Ullrich nach. 

„Ich bin einfach angefixt“, erklärt Fröhlich. „Je mehr man drin ist, desto interessanter ist es auch“, meint die amtierende Stadträtin zur Arbeit im Kommunalparlament. Denn alle Themen hängen zusammen. Zudem mag sie den Umgang mit Zahlen, hantiert gerne mit Bau- oder Haushaltsrecht. „Das macht mir Spaß. Ich habe auch schon zuhause immer gerne meine Steuererklärung gemacht, was nie einer verstehen kann.“ 

Diese Leidenschaft kommt nicht von ungefähr. Bereits als Kind half sie im elterlichen Betrieb in Auerbach in der Oberpfalz mit. Dort hatten ihre Eltern unten im Haus eine Kfz-Werkstatt mit Fahrradhandel und Zündappvertretung, also Mopeds und Motorräder. „Wenn meine Mutter beim Kochen war, war ich unten und hab den Laden gemacht“, so die beurlaubte Gymnasiallehrerin. „Ich hab mich schon immer für die Buchführung interessiert. Da durfte ich auch schon Belege buchen oder kleinere Rechnungen schreiben, wenn es um Fahrradreparaturen ging.“ 

Zudem prägte sie das Leben in einer großen Familie mit vier Geschwistern. „Da musste ich mich schon immer durchsetzen gegen meine älteren Brüder“, so Fröhlich. Und: „Ich musste teilen lernen.“ 

Das Hobby wird zum Beruf

Daneben wurde ihr praktisch die Liebe zum Sport in die Wiege gelegt. „Wir waren eine sportliche Familie. Ich war schon immer sportbegeistert.“ Als Jugendliche turnte sie im örtlichen Verein, war Übungsleiterin, engagierte sich bei der Wasserwacht oder assistierte der Sportlehrerin im Unterricht. „Ich wollte auch einfach den Sport zum Beruf machen.“ So begann Fröhlich nach dem Abitur Sport, Wirtschaft und Recht auf Gymnasiallehramt in Bayreuth zu studieren. 

Da die Aussichten aber schlecht standen, nach dem Abschluss eine Stelle als Lehrer zu bekommen, begann Fröhlich parallel dazu ein Betriebswirtschaftsstudium. Auch wenn es viele Überschneidungen gab, war das zeitaufwendig. „Ich kann schon ein Arbeitspensum abarbeiten“, lacht die Beamtin auch mit Blick auf den Wahlkampf. 

Ein gutes Hilfsmittel sei dabei ebenfalls der Sport: „Körperliche Fitness ist natürlich etwas, was ich jetzt brauchen kann, wenn ich mir den Wahlkampf so anschaue: Man ist wahnsinnig viel unterwegs, man arbeitet sehr viel. Das fordert einen auch körperlich.“ 

Durch den Sport habe sie auch einiges gelernt, was sie als Bürgermeisterin gut gebrauchen könne: Fairness, Teamfähigkeit, die eigenen Grenzen zu kennen, bis an diese zu gehen und Mut zu zeigen. Ihr Berufsweg führte sie zunächst nach Nürnberg, wo sie für die Gesellschaft für Konsum- und Marktforschung arbeitete und dabei mit Konzernen wie Adidas, Puma, Henkel oder Schwarzkopf zu tun hatte. 

Nach einigen Jahren in der freien Wirtschaft entschied sie sich aber doch dazu, Lehrerin zu werden – auch um mehr Zeit für ihre Tochter zu haben. Nachdem sie beim Ministerium in München vorbeigeschaut hatte, um sich nach der aktuellen Einstellungssituation für Lehrer zu erkundigen, holte sie ihr Referendariat nach und legte das zweite Staatsexamen ab. „Das Kalkül ist aufgegangen“, so Fröhlich. Sie bekam eine Anstellung am Dürrer Gymnasium in Nürnberg. Dort unterrichtete sie unter anderem zwar Wirtschaftspolitik. Aber: „kommunalpolitisch oder parteipolitisch war ich definitiv nicht interessiert. Ich hätte nie im Traum daran gedacht, mich in einer Partei zu engagieren“, sagt Fröhlich.

Theresienhof weckt Interesse an Lokalpolitik

Dafür sorgte erst ein Schlüsselerlebnis, nachdem sie sich beurlauben ließ, um mit ihrem Mann nach Füssen zu ziehen und sich dort um dessen Eltern zu kümmern. 2013 wurde in Füssen der Bau des Einkaufszentrums Theresienhof heiß diskutiert. Im Haus der Gebirgsjäger informierte die Füssener Stadtverwaltung über das Projekt. „Ich hatte erwartet, dass das eine Bürgerbeteiligung ist. Also, dass sich die Bürger noch einbringen können.“ 

Das habe sie dann auch offen gesagt – und sei „ein bisschen unfreundlich abserviert worden“, erklärt die gebürtige Oberpfälzerin. Dieser Umgang mit den Bürgern habe sie gereizt – und da kam der Gedanke: „Ich kann das besser.“ 

Integration durch Engagement 

Über die öffentlichen Fraktionssitzungen der Freien Wähler, die monatlich vor den Stadtratssitzungen stattfanden, kam sie mit der Gruppierung in Berührung. „Ich fand das sehr angenehm, dass da eine Gruppierung war, die wirklich schon Öffentlichkeitsarbeit gepflegt hat. 

Weder die SPD noch die CSU hatten solche Veranstaltungen.“ Auch die Leute seien in Ordnung gewesen. „Außerdem hat es mir gefallen, dass sie keine Partei waren. Ich wollte mich parteilich nicht festlegen“, so Fröhlich. „Sachthemen zu bearbeiten, unabhängig von irgendeiner Ideologie: Das hat mir sehr gut gefallen.“ 

Deshalb habe sie beschlossen in die Lokalpolitik zu gehen – auch um sich in der Stadt zu integrieren. Fortan setzte sich unter anderem dafür ein, dass es eine Bürgerfragestunde gibt, dass die Bürgerversammlung besser beworben wird und dass der Vortrag des Bürgermeisters dort nicht mehr so lange dauert. 

Mit ihrer Informationsfreiheitssatzung wollte sie zudem den Bürgern bewusst machen, dass sie bei der Versammlung echte Anträge stellen können, die der Stadtrat dann auch behandeln muss. Schließlich bekomme das Geforderte ein ganz anderes Gewicht, wenn es öffentlich ausgesprochen werde anstatt im Vier-Augen-Gespräch hinter den geschlossenen Türen des Rathauses. „Man hört immer wieder, dass die Bürger kein Vertrauen in die Politik haben.“ 

Der beste Weg, um das zu ändern, sei Transparenz zu schaffen, ist die Bürgermeisterkandidatin überzeugt. „Das ist für mich ein ganz wichtiger Aspekt.“ Und gerade auch der Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen, vom Geschäftspartner, über das Personal im Rathaus bis hin zu den Bürgern mit ihren unterschiedlichen Facetten, mache für sie den Bürgermeisterjob so reizvoll. „Das alles in Summe finde ich sehr spannend, weil ich schon viele Möglichkeiten sehe, wo man noch gestalten kann. Und das ist aufregend.“

Transparenz und Kommunikation

Neben den Dauerbrennern wie bezahlbarer Wohnraum und Füssens Verkehrsproblem sieht sie die größten Baustellen in der Zusammenarbeit im Stadtrat und der Kommunikation mit anderen Gemeinden. Gerade die Stadträte würden zu sehr parteipolitisch denken, so die Bürgermeisterkandidatin. Sie sollten viel mehr die Sache im Blick haben. 

Zudem wolle sie die umliegenden Gemeinden stärker einbinden. „Wenn wir mehr reden, uns regelmäßig zusammensetzen, dann werden wir auch unser Verkehrsproblem eher lösen. Das ist nicht etwas, was auf die Stadtmauern Füssens beschränkt ist“, ist Fröhlich überzeugt. Das gleiche gelte für den Tourismus. Auch die Zusammenarbeit mit den österreichischen Nachbarn, Reutte und Vils, könnte die Stadt verstärken. Transparenz den Bürgern gegenüber, Kommunikation und Zusammenarbeit mit allen Akteuren: Das sind Fröhlichs große Themen. „Das ist, glaube ich, der Schlüssel zum Erfolg.“

Katharina Knoll

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