Schulprojekt "Mitgefühl"

Patienten wie Gerhard Begander werden von den Füssener Gymnasiasten während des Compassion-Projektes in der Fachklinik Enzensberg umsorgt. Tobias, Verena, Isabella und Jan waren auf verschiedenen Stationen zu unterschiedlichen Arbeiten eingeteilt und kamen dabei oft ins Gespräch mit den von ihnen umsorgten Menschen. Foto: Berkmüller

Füssen – So ganz freiwillig würden wenige 15- und 16-Jährige in Sozialen Einrichtungen helfen. Um bei Schülern das soziale Lernen zu fördern, entstand das Projekt „Compassion“ (dt. Mitgefühl). Wissenschaftliche Auswertungen belegen, dass durch das Projekt soziale Sensibilität erlernt werden kann.

Auch am Gymnasium Füssen wird die Überzeugung vertreten, dass Sozialpraktika in Verbindung mit Fachunterricht langfristig zu verändertem Verhaltensbereitschaften im Bereich des Sozialen führen. Daher ist vor einigen Jahren das Compassion-Projekt in den Unterricht integriert worden; inzwischen nimmt die gesamte 10. Jahrgangsstufe teil.

Vergangene Woche absolvierten die Schülerinnen und Schüler ihr Sozialpraktikum. Vanessa Gruhne und Rebekka Loderer halfen in einer der Kindertagesstätten Füssens. Im Kindergarten „Sternschnuppe“ im Venetianerwinkel beschäftigen sie sich mit den Kleinen. Auch, wenn es nicht ihr Berufswunsch ist, es „macht schon Spaß, mit den Kindern so zu arbeiten“, erklärt Vanessa. Ihre Mitschülerin ergänzt: „Inzwischen könnte ich mir sogar vorstellen, in meiner Jugendkapelle auch bei der Nachwuchsarbeit zu helfen, als Vertretung vielleicht.“ 

Hilfsbedürftig sind auch die Patienten der Fachklinik Enzensberg. Tobias Metzger, Verena Schlecker, Isabella Hackenberg und Jan Sobeck sind auf verschiedenen Stationen der Einrichtung in Hopfen. Sie teilen Essen aus, helfen im Hol- und Bringdienst, umsorgen die Menschen. Dabei ergeben sich viele Gespräche, „und dann macht es Spaß, denn man lernt die Leute persönlich kennen - und sie kennen einen“, freut sich Tobias. Jan, den es erstaunt hat, dass „so viel los ist hier, nach dem eher ruhigen Anblick von außen“, möchte später nicht in einem solchen pflegerischen Beruf arbeiten. Aber eines hat auf ihn Eindruck gemacht: „Die Patienten freuen sich, wenn man kommt.“ 

Einige der Füssener Gymnasiasten haben sich in ein Umfeld begeben, das einen eher schlechten Ruf hat, das als „Endstation“ der älteren Generation gilt: das Altenheim. Im Seniorenpflegezentrum Curanum in Pfronten sind sie mit Menschen in Kontakt, deren Lebensumstände für die Jugendlichen meist fern und daher schwer nachvollziehbar sind. Den Schülern ist die große Herausforderung anzusehen. Teresa Waibl und Jakob Heer sind sichtlich beeindruckt: „Es ist interessant, wie viel Geduld notwendig ist beim Umgang mit den Menschen.“ Die Leiterin der Ergotherapie und Betreuung, Anja Kalinowski, freut sich über diese Erkenntnis. Denn sie möchte den Schülerinnen und Schülern den respektvollen Umgang mit den Menschen vermitteln. „Die Bewohner hier haben genau die gleichen Rechte wie andere auch, etwa am Leben teilzuhaben.“ 

Durch das Compassion-Projekt bekämen die Jugendlichen die Möglichkeit, empathisches Empfinden zu lernen. Yuram Aygün zeigt sich positiv überrascht: „Ich dachte immer, was beschweren sich die Leute [die hier arbeiten], die Arbeit kann ja nicht so schwer sein. Jetzt habe ich einen etwas anderen Blick darauf.“ Und sein Mitschüler Jonas Hendl ergänzt: „Alle Achtung! Mein Respekt vor den hier Tätigen ist deutlich gestiegen.“ 

Maria Schödlbauer, die als Lehrerin am Gymnasium die Schüler durch das Projekt begleitet, freut sich über diese Reaktionen. „Es ist wichtig, dass die Schüler sich auf das Projekt einlassen.“ Durch die Einbindung in den Unterricht, das selbständige und gemeinsame Reflektieren, vertiefen sich die vielfältigen Erfahrungen und Eindrücke, die ihre Zehntklässler in der Compassion-Woche gewinnen. „Ein Dank gilt auch der Bereitschaft der vielen Einrichtungen, unsere Jugendlichen in ihr Arbeitsumfeld einzubinden. So gelingt es uns, soziales Lernen projektorientiert in den Unterricht einzubinden.“ ab

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