»Viele sterben sehr einsam«

Füssener Hospizverein kann derzeit nur eingeschränkt arbeiten

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Für den persönlichen Publikumsverkehr momentan zwar geschlossen, telefonisch sowie per E-Mail aber erreichbar: Das Büro des Hospizvereins Südliches Ostallgäu an der Augsburger Straße 56 in Füssen.

Füssen – Katrin Heller-Breer nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie die dramatische Lage der Menschen beschreibt, die der Hospizverein Südliches Ostallgäu eigentlich auf ihrem letzten Lebensabschnitt persönlich begleiten möchte: „Viele Leute sterben jetzt sehr einsam“, sagt die Vorsitzende.

Denn wegen der Corona-Krise funktioniert die Betreuung derzeit nur sehr eingeschränkt.

Die aktuelle Krise hat dem Hospizverein, der sich Schwerkranken und Sterbenden zuwendet, vorübergehend große Steine in den Weg gelegt. So seien Heller-Breer und ihre hauptsächlich ehrenamtlichen Mitarbeiter von den momentanen Kontaktbeschränkungen „sehr stark betroffen“. Bis vor kurzem durften sie viele, zu großen Teilen recht betagte Mitbürger, die in Alten- oder Pflegeheimen leben, nicht mehr persönlich besuchen. Außerdem war es ihnen untersagt, todkranken Menschen in deren Zuhause Trost zu spenden oder sie auf ihrem Weg zu begleiten, Abschied vom Leben zu nehmen. Die Mitarbeiter des Hospizvereins konnten oft nur übers Telefon mit den Betroffenen oder deren Angehörigen reden.

Ehrenamtliche dürfen helfen

Mittlerweile habe das Gesundheitsministerium dies aber geändert und die Begleitung Sterbender auch durch Ehrenamtliche erlaubt, erklärte Heller-Breer. Das müsse jedoch komplett „in Eigenverantwortlichkeit sowie unter Einhaltung der entsprechenden Hygienevorschriften und Abstandsregeln“ erfolgen.

Doch die größtenteils älteren Hospizbegleiter gehören dabei selbst zur Risikogruppe, was eine Infektion mit dem Corona-Virus anbelangt. Deshalb steht der Hospizverein vor dem nächsten Problem. Denn er habe „überhaupt keine Schutzkleidung“, erklärt Heller-Breer: „Deswegen haben wir uns um Gesichtsmasken beworben.“

„Wir gehen ganz vorsichtig ran“

Trotzdem möchten die Hospizbegleiter – so gut es geht – nicht nur in Heimen „ambulant etwas für die Menschen tun“, sondern auch zu Hause, wo auch die pflegenden Angehörigen oft großen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt seien. Schließlich sei der telefonische Kontakt „kein Ersatz für den persönlichen“, der sich in vielen Fällen nonverbal und nur über Berührungen und ein Lächeln abspielt. „Wir gehen ganz vorsichtig ran“, betont Heller-Breer auch, was die palliative Beratung angeht. Diese finde nach wie vor statt, auch wenn das Büro an der Augsburger Straße 56 momentan geschlossen sei. 

Angehörige und Betroffene können sich dennoch rund um die Uhr unter der Telefonnummer 08362/92 88 388 oder per Email an hospiz-fuessen@freenet.de an den Hospizverein Südliches Ostallgäu wenden.

lex

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