Großer Medien-Andrang zum Auftakt

Hotel am Festspielhaus: Jetzt sind die Bürger am Zug

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„Kein Ausverkauf unserer Heimat“ ist auf vielen Schildern zu lesen, die die Hotel-Gegner anlässlich des Starts des Bürgerbegehrens aufgestellt haben. Hinter den Bäumen rechts im Hintergrund soll das Hotel mit Seehaus (vor dem Schloss) im Forggensee gebaut werden.

Füssen – Als Manfred Rietzler – damals zunächst zusammen mit dem Konstanzer Geschäftsmann Jan D. Leuze – im November 2016 das mal wieder insolvente Festspielhaus übernahm, war die Zuversicht groß.

Bis ins Jahr 2029 sicherte sich der neue Eigentümer im Jahr darauf die Aufführungsrechte für das König-Ludwig-Musical „Ludwig2“. Ob das Stück in zehn Jahren tatsächlich noch am Forggensee aufgeführt werden wird, ist mittlerweile wieder fraglich: Am Mittwoch starteten der Bund Naturschutz (BN) und der Kreisfischereiverein Füssen wie angekündigt ein Bürgerbegehren gegen den geplanten Bau eines 5-Sterne-Hotels am Festspielhaus. Der Titel: „Wollen wir das: ein riesiges Hotel am Ufer des Forggensees?“ 

Ab sofort sind die Füssener dazu aufgerufen, sich in die Unterschriftenlisten einzutragen. Ziel des Begehrens ist die Einstellung der derzeit von der Stadtverwaltung betriebenen Änderungsverfahren für den Bebauungsplan und den Flächennutzungsplan per Mehrheitsentscheidung der Füssener Bevölkerung. Nötig für einen Bürgerentscheid sind etwa rund 1100 Unterschriften. Die Listen können auf der Homepage des Bund Naturschutz Ostallgäu abgerufen werden und sollen in einigen Geschäften in Füssen ausgelegt zu werden. Zu den ersten Unterzeichnern am Mittwoch gehörten neben den Initiatoren auch die Füssener Stadträtin und ehemalige Landtagsabgeordnete Ilona Deckwerth (SPD). 

Wie groß das Interesse am Hotel-Projekt und der Gegenwehr der Naturschützer ist, zeigte der für Füssen enorme Medienrummel am Vereinsheim der Kreisfischer. Allein drei Fernseh-Teams waren am Mittwochmittag zum Vereinsheim der Füssener Kreisfischer am Ufer des Forggensees an der Einmündung der Füssener Ach gekommen. Dort erwartete sie neben den heimischen Initiatoren des Bürgerbegehrens um Michael Käs und Anne Berkmüller von der BN-Ortsgruppe Füssen sowie Alexander Beck vom Kreisfischereiverein auch der bayerische BN-Landesvorsitzende Richard Mergner. Es gehe um die grundsätzliche Frage, ob für den weiteren Ausbau des Tourismus in Füssen und der Region das Forggenseeufer – „einer der Höhepunkte der bayerischen Landschaft“ – weiter bebaut werden solle, sprach Mergner mit ernstem Gesicht in die ihm vorgehaltenen Mikrofone. Eindringlich warnte er vor einem „Overtourism“ durch das geplante Hotel-Projekt unmittelbar gegenüber des Fischerheims auf der anderen Seite der Ach. 

„Unsere Meinung ist, dass in diesem sensiblen Bereich im Lanschaftsschutzgebiet kein 5-Sterne-Hotel-Projekt wie ein Ufo oder Kreuzfahrtschiff Platz hat“, so Mergner dann in der offiziellen Runde weiter. „Es muss ein Ende sein mit dem Zubetonieren!“ Pflicht des BN sei auch, dass Landschaftsbild zu schützen. Das Argument von Festspielhaus-Eigentümer Manfred Rietzler, ohne das Hotel mit 149 Zimmern und 300 Betten könne das Festspielhaus langfristig nicht wirtschaftlich betrieben werden, könne und werde der BN nicht akzeptieren. Deshalb sollen nun die Bürger über das Projekt entscheiden, so der BN-Landesvorsitzende weiter. „Wir setzen auf den Bürgerentscheid!“ 

Wie Mergner weiter ausführte, bringe nach Ansicht der Gegner eine weitere quantitative Steigerung des Tourismus keinen Mehrwert für die Einheimischen. Der Arbeitsmarkt für Hotellerie und Gastronomie sei leer gefegt, vom Verkehr ganz zu schweigen. „Füssen kann sich nicht beklagen“, verwies der BN-Landesvorsitzende auf die Tourismus-Bilanz der Lechstadt. Demnach sei die Zahl der Touristen von knapp 700.000 Euro auf fast 1,2 Millionen im Jahr 2017 angestiegen. 

Ökologisch wichtig

Alexander Beck aus dem Vorstand des Kreisfischereivereins verwies auf die hohe ökologische Bedeutung des geplanten Standortes für die Fisch- und Vogelwelt. „Ein hochsensibler Bereich, der die Reproduktion im See sichert, wird durch das Hotel zerstört“, sagte Beck. „Es käme zum Verlust wertvoller Biotope für Kies-Laicher, Jungfische, Muscheln und Krebse.“ Auch die Bauarbeiten für das Mega-Projekt würden seiner Einschätzung nach unabsehbare Folgen auf diesen sensiblen Bereich haben, erläuterte er. 

Michael Käs, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Füssen, ergänzte, dass sich die Initiatoren mit dem Bürgerbegehren gegen den geplanten Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet (LSG) wehren wollen. „Ein Großteil soll in das Landschaftsschutzgebiet gebaut werden“, sagte Käs. „Das ist rechtlich aber nicht zulässig!“ Außerdem gelte es, dass Landschaftsbild zu schützen. Zudem sei durch das Mega-Projekt ein „Türöffner“-Effekt für Investoren zu befürchten, künftig mit Verweis auf das Hotel ebenfalls Baurecht am Forggensee einzufordern. 

BN-Kreisvorsitzender Josef Kreuzer und Walter Hundhammer vom BN Füssen wiesen darauf hin, dass Bauen im LSG Forggensee mittlerweile die Regel und nicht die Ausnahme sei. Vom Kreisbote darauf angesprochen, dass laut Landratsamt Ostallgäu nur 0,014 Prozent des LSG von dem Bauvorhaben betroffen seien, entgegnete Hundhammer, dass es um die Qualität des Eingriffs und nicht dessen Quantität gehe. Der geplante Hotel-Standort sei von besonderer Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt am Forggensee. 

Eine Info-Veranstaltung der Stadt Füssen zum geplanten Hotelbau und dem Bürgerbegehren findet am kommenden Montag, 17. Juni, um 19 Uhr im Haus der Gebirgsjäger statt. Bereits am heutigen Samstag, 15. Juni, lädt der BN Füssen zwischen 10 und 13 Uhr zu einem Info-Stand auf dem Schrannenplatz ein.

mm

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