Füssener Hoteliers und Gastronomen beteiligen sich an der Dehoga-Aktion „Gedeckter Tisch“

Corona-Krise: Füssener Gastgewerbe fordert Öffnungsperspektive

Aktion „Gedeckter Tisch“ in Füssen
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Mit der Aktion „Gedeckter Tisch“ macht das Füssener Gastgewerbe am Montagmittag auf seine prekäre Situation durch den Dauer-Lockdown aufmerksam. Die Protestierenden fordern eine klare Öffnungsperspektive.
  • vonMatthias Matz
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Füssen – Zahlreiche Füssener Hoteliers und Gastronomen haben am Montag an der deutschlandweiten Aktion „Gedeckter Tisch“ teilgenommen. Mit der Demonstration will der Hotel-Gaststättenverband (Dehoga) zwei Tage vor der nächsten Bund-Länder-Konferenz auf die prekäre Situation der Branche durch den Corona-Lockdown aufmerksam machen. „Das Maß ist voll, die Kassen sind leer“, sagte der Ostallgäuer Dehoga-Vorsitzende und Füssener Hotelier Wolfgang Sommer. Deshalb fordert das heimische Gastgewerbe neben einer baldigen Öffnungsperspektive eine zügigere Auszahlung der versprochenen Hilfsgelder.

Ein knappes Dutzend edel eingedeckte Tische, teilweise mit Kuchen oder einer Brotzeitplatte garniert, und ein gemachtes Bett waren am Montagmittag in der Fußgängerzone aufgebaut. Mit dieser Demonstration vor dem Hotel „Sonne“ beteiligten sich verschiedene Füssener Hoteliers, Altstadtwirte und Gastronomen an der bundesweiten Dehoga-Aktion „Gedeckter Tisch“. Der Branchenverband will den „Gedeckten Tisch“ als stillen Protest im Vorfeld der nächsten Bund-Länder-Gespräche am kommenden Mittwoch verstanden wissen, wie es in einer Pressemitteilung des Verbands heißt. Darin kritisiert Dehoga die momentane Perspektivlosigkeit der Branche angesichts des anhaltenden Dauer-Lockdwons sowie die daraus resultierende verzweifelte Lage der Betriebe. „Mittlerweile ist die Branche seit März 2020 insgesamt sechs Monate geschlossen.“

Diese lange Durststrecke ohne einem Ende in Sicht strapaziert auch Geduld und Nerven des Füssener Gastgewerbes. „Wir hätten gerne eine zeitliche Perspektive“, erklärte der Ostallgäuer Dehoga-Kreisvorsitzende und Füssener Hotelier, Wolfgang Sommer, mit Blick auf die Ministerpäsidenten-Konferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am kommenden Mittwoch, 3. März, gegenüber dem Kreisboten. „Wir möchten wieder arbeiten.“

Allerdings könnten die Betriebe nicht sofort alles wieder hochfahren. Daher erhoffe er sich von der Konferenz zumindest ein klares Signal, wie es im Gastronomie-Bereich weiter gehen soll und wann mit Lockerungen und Öffnungen zu rechnen ist. „Wir hätten gerne einen Fahrplan. Wir müssen zwei Wochen vorher planen“, erklärte er. Eine solche Perspektive, wünscht sich auch Cüneyt Aribas, Chefkoch im „Chapeau“, das zu den Teilnehmern der Aktion gehörte. „Damit wir planen können“, erklärte er. „Wir hoffen, dass wir bald wieder aufmachen können.“

Gewerbe setzt auf Hygiene-Konzepte

Sowohl Sommer als auch Aribas äußerten ihr Unverständnis über das Vorgehen der Politik und warfen dieser Unverhältnismäßigkeit in ihren Maßnahmen und eine Ungleichbehandlung des Gastgewerbes vor. vor. Sie verwiesen darauf, dass sich weder Hotels noch Gastronomie als Treiber der Pandemie erwiesen hätten. Das sei jetzt sogar vom Robert-Koch-Institut im Rahmen des „Control-Covid-Plans“ bestätigt worden. „Die Konzepte funktionieren“, betonte Aribas.

Sommer wies darauf hin, dass die Hygiene- und Sicherheitskonzepte im Gastgewerbe viel weitreichender seien als in anderen Branchen. „Bei uns gelten wesentlich größere Abstandsregeln, auch führen wir eine durchgängige Gästeregistrierung durch.“ Dazu kämen Maskenpflicht und Maßnahmen zur Luftreinigung.

Auf der anderen Seite seien die Konzepte aber mit einem höheren Personalaufwand und somit höheren Kosten verbunden. Eine Öffnung der Hotels und Restaurants mache daher nur Sinn, wenn sich der Betrieb finanziell lohne. Nicht verstehen können sie auch, dass für ihre Branche andere Inzidenzwerte gelten sollen als etwa für den Einzelhandel oder Baumärkte. Aribas erwartet nun klare Ansagen von der Politik, was ab welcher Inzidenz machbar ist. „Das Schlimmste wäre: aufmachen und dann wieder schließen“, erläuterte er.

Neben der fehlenden Öffnungsperspektive treibt vor allem das Ausbleiben der vom Staat zugesagten finanziellen Unterstützung die Branche um. Bisher seien lediglich Anzahlungen geflossen, berichtete Sommer (der Kreisbote berichtete). Dazu komme, dass zu wenig finanzielle Unterstützung bereit gestellt werden. „Die Hilfe, die versprochen ist, ist noch nicht einmal kostendeckend“, so der Dehoga-Kreisvorsitzende. Erschwert werde die Situation durch eine sich permanent ändernde Bürokratie, so dass mittlerweile selbst viele Steuerberater abwinken würden.

Sollte das Gastgewerbe weiterhin geschlossen bleiben, befürchtet Sommer auch Auswirkungen auf andere Branchen. „Auch die Gewerbetreibenden hängen vom Tourismus ab!“, betonte er.

mm

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