Jugendliche diskutieren mit Experten und der Polizei

Füssener Polizei: "Kiffen wird oft verharmlost"

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Jufo-Leiter Stefan Splitgerber (Mitte) schickt die Jugendlichen mit den ausgehändigten Masken auf den Rundweg, um die verheerende Wirkung von starkem Alkoholkonsum demonstrieren zu können.

Füssen – Die Sucht kann viele Gesichter haben. Das haben jetzt Jugendliche aus Füssen und Umgebung bei der Suchtprävention im Füssener Jugendzentrum Jufo erfahren.

Dabei verzichteten die Experten auf Vorträge. Stattdessen bearbeiteten die Jugendlichen hauptsächlich in Arbeitsgruppen das Thema. Dabei wurde ihnen vermittelt: Um den Gefahren vorzubeugen, ist eigenverantwortliches Verhalten ebenso vonnöten wie der Mut, sich von Fachleuten beraten zu lassen. 

Die insgesamt 300 Jugendlichen, die in Schulklassen vormittags das Jugendzentrum Jufo besuchten, haben gemeinsam, dass sie praktisch keine eigenen Erfahrungen mit legalen und illegalen Drogen haben, aber schon Vorwissen mitbringen. „Vorträge sind langweilig“, sagte der 16-jährige Felix Hottenrott auf Nachfrage des Kreisbote. 

Der Klassensprecher einer Neunten an der Mittelschule Pfronten konnte sich daher dafür begeistern, wie die im Jufo verbrachten Stunden zum Thema Drogen abliefen. Die Schülerinnen und Schüler verteilten sich auf Workshops, schauten einen Kurzfilm über Alkohol am Steuer an und waren mit aufgesetzten Alkoholmasken, die ihr Sichtfeld deutlich eingeschränkten, schwankend auf einem Rundweg unterwegs. 

Nicht mehr so lustig, wie die Zuschauer diese Simulation im Jufo erlebten, wäre es, hätten Jugendliche auf einer Party tatsächlich so viel getrunken, dass sie die Kontrolle verlieren. 

Aufeinander aufpassen

Die Brücke ins wirkliche Leben baute Jufo-Leiter Stefan Splitgerber, unterstützt von seinem Kollegen Adrian Kroll und der jungen Füssener Polizistin Sarah Borghesi. 

Wie diese unterstrich auch Carola Proksch von der AOK und Jane Geisenhof, Jugendsozialarbeiterin an der Schule in Pfronten, dass Jugendliche für ein Gruppenmitglied verantwortlich seien, das in seinem Zustand nicht mehr eigenverantwortlich handeln könne. „Aufeinander aufpassen, wenn man feiert! Bitte unbedingt dafür sorgen, dass der betroffene Jugendliche gut nachhause kommt“, hieß der eindringliche Appell nach dem Alkoholmasken-Spektakel. 

Bezogen auf die Zielgruppe, von der die Meisten den Führerschein fürs Auto oder ein landwirtschaftliches Fahrzeug anstreben, machten Splitgerber & Co. deutlich, dass Alkohol am Steuer tabu sein müssen. In Gesprächen mit den Experten erfuhren die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel auch, dass Cannabis nach der Erfahrung der Polizei „eine Einstiegsdroge für härteren Stoff ist“, informierte die Polizeiobermeisterin. „Kiffen wird oft verharmlost.“ 

Nachbereitung an der Schule

An der Schule werde die Veranstaltung nachbereitet, erklärte Karin Steffen, Klassenlehrerin der 22 Jugendlichen aus Pfronten, die sich als Gäste im Jufo sichtlich wohlfühlten. „Wir haben die Veranstaltung zum dritten Mal angeboten“, erklärte Splitgerber auf Nachfrage. „Beteiligt sind alle Schulen mit den entsprechenden Altersjahrgängen in Füssen, Pfronten und Roßhaupten.“ 

Die Schülerinnen und Schülern bestätigten, dass ihnen in diesem lockeren Rahmen vor allem eines bewusst wurde: Sucht kann sehr viele Gesichter haben, doch es gibt neben der sachlichen Aufklärung auch Hilfestellungen.

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