CSU Füssen will Innenstadt vom Verkehr entlasten

Füssen: Surfen auf der "Grünen Welle"

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Im ersten Schritt des jetzt vorgelegten Verkehrskonzepts der Füssener CSU soll die „Grüne Welle“ in der Innenstadt mittels intelligent vernetzter Ampelsysteme verbessert werden. So sollen Staus rund um den Kaiser-Max-Platz künftig vermieden werden.

Füssen – Ob Umgehungsstraße, ein Tunnel unter dem Forggensee oder eine Brücke über den See – bislang scheiterten alle Versuche einer Lösung für das Füssener Verkehrsproblem. Die CSU um ihren Bürgermeister-Kandidaten Maximilian Eichstetter unternimmt nun einen neuen Anlauf und legte diese Woche ihr angekündigtes Verkehrskonzept vor.

Dieses basiert auf vier Bausteinen, die sowohl kurzfristige als auch langfristige Maßnahmen beinhalten. Im Falle eines Wahlerfolgs am 15. März soll gemeinsam mit der Gemeinde Schwangau und mit dem Staatlichen Bauamt Kempten über die Umsetzung erster Schritte gesprochen werden. 

Jahr für Jahr bietet sich in der Hauptsaison das gleiche Bild: Insbesondere während der Hauptstoßzeiten steht der Verkehr in der Von-Freyberg-, Otto-, Luitpold- und Augsburger Straße sowie auf der B17 in beiden Richtungen still. Gordischer Knoten ist der Kaiser-Max-Platz. In 2018 haben nach Berechnungen Eichstetters 24.000 Fahrzeuge diesen „ungeregelt, ungesteuert und unstrukturiert“ frequentiert. 2024 werden es den Prognosen zufolge rund 30.000 sein. 

Entgegen der gefühlten Gewissheit vieler Einheimischer sind jedoch nicht die Touristen die Hauptverursacher. „70 Prozent dieses Verkehrs verursachen wir Füssener selbst“, sagt Eichstetter. „Wenn dann noch der Verkehr durch die Touristen dazu kommt, dann haben wir die Überlastung.“ 

Ursächlich dafür sei die fehlende Wirksamkeit der „Grünen Welle“ zwischen den fünf Ampeln Pulverturm bis Luitpoldstraße. Denn die Navigationsgeräte lotsen die Autofahrer grundsätzlich über die Luitpold- und Kemptener Straße, statt sie über die Augsburger Straße raus auf die B310 zu leiten. „Nach neun Fahrzeugen ist die Abbiegespur verstopft und die Grüne Welle durchbrochen.“ 

Die Konsequenz: Bis zu 50 Minuten Rückstau bis Schwangau und vom Wertstoffhof kommend 25 Minuten. In umgekehrter Richtung offenbare sich das gleiche Problem, beispielsweise im Falle einer Blockabfertigung am Grenztunnel. Spätestens nach einer halben Stunde geht dann nichts mehr in der Von-Freyberg- und Ottostraße. Von „einer ganz schwierigen Gemengelage im Sommer, die nur schwer kalkulierbar ist“, spricht in diesem Zusammenhang Ralf Eisele, zuständiger Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt in Kempten. „Da ist es schwer, ein Standardprogramm (für die Ampeln, Anm.d.Red.) zu schalten.“ 

Als kurzfristig umsetzbare Maßnahme zur Entzerrung des innerstädtischen Verkehrs sieht Eichstetter hier den ersten Baustein seines Verkehrskonzeptes: „Wir hätten gerne eine voll vernetzte Ampelanlage von der A7 bis zum Bannwaldsee und umgekehrt!“ Er habe das Konzept bereits dem Fraunhofer Institut vorgelegt und sei deshalb auch schon im Landratsamt vorstellig geworden. 

Intelligente Vernetzung

Seine Idee: Die Ampelanlagen werden von der Autobahnabfahrt A7 bis einschließlich Ortsausfahrt Schwangau am Ende des Bannwaldsees intelligent vernetzt, um die „Grüne Welle“ im Stadtkern zu ermöglichen. Die Ampeln erkennen zukünftig eine Blockabfertigung, den Feierabendverkehr, einen Fahrradfahrer und einen Fußgänger, sodass sie sich an die verschiedenen Situationen automatisch anpassen können und entsprechend intelligent kommunizieren und schalten. 

Dadurch sollen sie die Verkehrslage in der Innenstadt in Echtzeit steuern, regeln und strukturieren. „Die intelligente Kommunikation der Ampelanlagen ab der A7 bis Ortsausfahrt Schwangau führt zu einem geregelten und gesteuerten Verkehrsfluss in Echtzeitverfolgung.“ Zwar werde der Verkehr dadurch nicht weniger, weiß Eichstetter. Aber derart vernetzte Ampeln könnten die Autos quasi portioniert in Richtung Kaiser-Max-Platz und von da weiter nach Schwangau oder zurück leiten. 

Ziel müsse sein, dass die „Grüne Welle“ wieder ihre Wirkung entfalten kann und einen Stau in der Innenstadt verhindert. Nach Eichstetters Überzeugung bietet das vernetzte Ampelsystem handfeste Vorteile: Die Umsetzung sei mit relativ geringem Aufwand verbunden, da die bestehenden Ampeln lediglich technisch aufgerüstet werden müssten, um in der Lage zu sein, mittels Internetverbindung die Daten an einen Zentralrechner zu übermitteln. Das spare Flächen und Energie.

 Selbst eine Live-Überwachung des Verkehrs durch Kameras wäre möglich. Die Investitionen bleiben ebenfalls überschaubar. Eichstetter geht von Planungskosten in Höhe von 200.000 Euro aus, dazu kommen etwa 100.000 Euro für die Ampeln am Kaiser-Max-Platz sowie rund 18.000 Euro für jede weitere um- und aufgerüstete Ampel. Die meisten betroffenen Anlagen befinden sich ohnehin im Bereich der Bundesstraßen, weshalb die Stadt nicht für die Finanzierung zuständig ist, sondern das Staatliche Straßenbauamt. Lediglich die Umrüstung der Ampeln in der Innenstadt müsste von der Stadt bezahlt werden. 

Beliebig erweiterbar

Ein weiterer Pluspunkt: Das System sei fast beliebig ausbaubar. „Mit der neuesten Verkehrsleittechnik, die das Jahr 2020 zur Verfügung hat, ist zukünftig nahezu alles möglich, was man sich vorstellen kann. "Dazu gehören „Grüne Wellen“ nur für den ÖPNV, Einsatzfahrzeuge oder moderne Parkleitsysteme. „Man könnte zum Beispiel das Parkleitsystem bei den Schwangauer Schlössern integrieren“, so Eichstetter, „oder man kann in Füssen schon sehen, ob es in Hopfen noch freie Parkplätze gibt.“ 

Doch was sagen die Experten dazu? Konkret könne er sich zwar nicht äußern. Grundsätzlich sei Füssen aber „baulich sehr eingeschränkt, um etwas zu verbessern“, beschreibt Ralf Eisele vom Straßenbauamt die Situation. Daher „ist es natürlich sinnvoll, sich auf Maßnahmen zu konzentrieren, wie man mit Telematik den Verkehr steuern kann“, sagte er. Ein vernetztes Ampelsystem sei deshalb „natürlich interessant“. 

Keine Antwort gibt das Konzept allerdings auf die Frage, wie der Verkehr von der A7 über die B310 um Füssen herum in die Augsburger Straße geleitet werden soll. Dieses Problem zu lösen sei Sache von Verkehrsplanern, sagte Eichstetter auf Nachfrage. Er stehe bereits in Gesprächen mit vier renommierten Planungsbüros. „Die Umfahrung muss immer das Ziel sein!“, betonte er. 

Söder in der Pflicht

Von den Erfolgsaussichten seines Konzepts ist er überzeugt. Vor allem, weil das Strategiepapier in Absprache mit der Schwangauer CSU erstellt worden sei. Von dort sei ihm Unterstützung signalisiert worden. Das Landratsamt plant bekanntlich ebenfalls ein Mobilitätskonzept mit dem Schwerpunkt Füssen und Schwangau. Und nicht zuletzt auch Ministerpräsident Dr. Markus Söder (CSU) sicherte bei seinem Besuch in Füssen unlängst seine Unterstützung zu. „Darauf werden wir ihn auch festnageln“, so Eichstetter.

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