Junger Weißenseer wird zum YouTube-Star

Ein Statement gegen Quatsch im Netz

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Markus Kern bei der Produktion eines neuen Videos für seinen YouTube-Kanal „NeugierZone – Wissenschaft gewissenhaft”.

Füssen – Kann ein Mensch Superkräfte entwickeln? Oder wie könnte man außerirdische Raumschiffe aufspüren? Solchen Fragen geht Markus Kern auf seinem YouTube-Kanal „NeugierZone – Wissenschaft gewissenhaft“ nach.

Der Füssener erklärt darin leicht verständlich neue Erkenntnisse der Forschung. YouTube begleitet den 29-Jährigen seit langem. Vor elf Jahren lud er sein erstes Video in dem Portal hoch. Damals spielte er am Schlagzeug „Toxicity“ der Band „System of A Down“. Weitere Videos folgten – neben weiteren Drum-Covern auch Aufnahmen aus dem Cockpit eines Motorsportwagens und Zaubertricks. 

Dabei entstand der Wunsch einen Kanal aufzubauen, der ein „anständiges Konzept“ hat, so Kern. Da er selbst gerne Dokumentationen auf YouTube verfolgt und sich stark für das Universum interessiert, kam die Idee, einen Wissenschafts-Kanal ins Leben zu rufen. „NeugierZone – Wissenschaft gewissenhaft“, soll zudem „ein Statement gegen Kanäle und Videos sein, die irgendeinen Quatsch verbreiten“, so Kern. Denn seine Videos seien wissenschaftlich fundiert, dafür ziehe er verschiedenen Quellen heran. „Mir ist es wichtig, dass alles Hand und Fuß hat.“ 

Auf diese Weise möchte er neueste Erkenntnisse der Wissenschaft, die sonst in der allgemeinen Medienlandschaft untergehen, seinen Zuschauern näher bringen. „Ich erkläre Quantenphysik nicht mit Fachgesimpel, sondern allgemein verständlich.“ Inspiration für seine Videos findet Kern hauptsächlich in den Wissenschaftsmagazinen „Spektrum der Wissenschaft“ und „P.M.“. Dabei hat es ihm das Universum mit seinen Sternen, der Urknalltheorie und den schwarzen Löchern besonders angetan. „Das ist mein Hauptgebiet. Ich interessiere mich extrem dafür.“ In seiner zweiten „Playlist“ geht es dagegen allgemeiner um Forschung und Entdeckung. 

15 Stunden Arbeit für ein Video

Steht das Thema für ein neues Video, recherchiert der Füssener im Internet nach weiteren Quellen. Danach verfasst er ein Skript, das er selbst ins Mikrofon einspricht. Anschließend schneidet er Bilder und Animationen, die der 29-Jährige zum Teil selbst erstellt, zusammen, um das Thema auch optisch verständlich zu machen. Bei einem sechsminütigen Video sind das um die 30 Schnitte. „Videoschnitt ist mein Hobby“, so der Füssener.

Seine ersten Erfahrungen machte er bei den Aufnahmen seiner Drum-Cover. Damals lernte er auch, wie man mit Mikrofonen aufnimmt und die Audiodateien am Computer verarbeitet. Sein Maschinenbau-Studium habe ihm dagegen bei der wissenschaftlichen Herangehensweise an die Themen geholfen. 

Trotzdem dauert es lange, bis ein gut gemachtes Video fertig ist. Ca. 15 Stunden braucht Kern für einen Beitrag. „Das Skript zu schreiben macht die meiste Arbeit.“ Doch für seine Bemühungen wurde der Füssener mittlerweile belohnt. Nachdem er im vergangenen August seinen Kanal gegründet hatte, wandte er sich auf YouTube an das Magazin „Spektrum der Wissenschaft“. 

Er wollte wissen, ob man sich dort auch mit eigenen Videos bewerben könne. Der zuständige Mitarbeiter empfahl Kern daraufhin an Christoph Krachten weiter, einen der ganz Großen in der YouTube-Szene. Der 55-Jährige hat nicht nur das YouTube-Netzwerk „Mediakraft Networks“ gegründet, das einige der bekanntesten deutschen YouTuber vertritt, mit „Clixoom Science & Fiction“ betreibt er auch Deutschlands größten Wissenschaftskanal. 

Derzeitige Reichweite: 531.432 Abonnenten. Krachten nahm Kern wenig später in das Multi-Channel-Netzwerk „United Creators“ auf, in dem sich acht YouTube-Kanäle zusammengeschlossen haben, um der fundierten Wissenschaft Gehör zu verschaffen. Dabei unterstützen sich die YouTuber gegenseitig, indem sie beispielsweise zusammen Videos drehen. „Das ist eine coole Sache“, so Kern. Um mehr Abonnenten zu gewinnen, verweisen sie zudem auf die Beiträge ihrer Netzwerk-Partner (Shoutout). Auf diese Weise gewann Kern innerhalb von nur 1,5 Monaten rund 4000 Abonnenten. Und die sind treu. Über ein Drittel schaue sich jedes seiner Videos an. „Der Prozentsatz ist ziemlich gut.“ 

Das Ziel: 20.000 bis 30.000 Abonnenten

Dennoch soll die Reichweite seines Kanals weiter wachsen. Kerns Ziel: 20.000 bis 30.000 Abonnenten. „Dann bin ich zufrieden.“ Daneben will der 29-Jährige im Mai mit einem seiner Videos beim „Fast Forward Science Award“ teilnehmen, einem Wettbewerb für Wissenschafts-Videos, der Preisgelder von insgesamt 21.000 Euro ausschüttet. 

Je mehr Klicks ein Video auf YouTube bekommt und je mehr Leute sich dann die dazugeschaltete Werbung anschauen, desto mehr verdient ein YouTuber auch. Um Geld geht es dem Geschäftsführer eines Werkzeugbauunternehmens und eines Getränkeunternehmens aber nicht. „Ich verdiene ein bisserl was, aber das ist nicht mein Ziel“, so Kern. „Das ist mein Hobby.“ 

Derzeit hat der Füssener 15 Videos auf seinem Kanal veröffentlicht. „Jeden Donnerstag um 17 Uhr erscheint ein neues Video“, erklärt der 29-Jährige. Das beliebteste ist derzeit „Kann ein Mensch Superkräfte entwickeln“ mit 20.577 Aufrufen. 

Wer sich für Markus Kerns Videos interessiert, findet sie im Internet unter www.youtube.com/neugierzone.

Katharina Knoll

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