"Die Enttäuschung ist da"

Freude, Enttäuschung, Entsetzen – die Reaktionen auf das Wahlergebnis fallen im Ostallgäu gemischt aus

+
Die beiden Ostallgäuer Afd-Kandidaten Karl Keller (links, Stimmkreis Kaufbeuren) und Wolfgang Rotter (Marktoberdorf) sind am Sonntagabend in Feierlaune. Aus dem Stand heraus holte Keller rund 12 und Rotter etwa neun Prozent der Stimmanteile im Kreis Ostallgäu.

Landkreis/Füssen – Durch ein Wechselbad der Gefühle gingen am Sonntagabend die Direktkandidaten der Parteien im Stimmkreis 711 Marktoberdorf nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen.

Angelika Schorer von der CSU gewinnt den Stimmkreis 711 zum vierten Mal in Folge.

Während die Stimmkreis-Gewinnerin Angelika Schorer von der CSU zwischen Enttäuschung über das Abschneiden ihrer Partei und Freude über ihr persönliches Abschneiden schwankte, war das Entsetzen beim Füssener SPD-Abgeordnete Dr. Paul Wengert groß. Er selbst wird wohl nicht mehr in den Landtag einziehen (Stand Montagnachmittag).

Überschwänglich freut sich dagegen Christian Vavra von den Grünen, obwohl am Montag bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch unklar war, ob er den Sprung ins Münchner Maximilianeum schafft. Obwohl Angelika Schorer im Vergleich zur Landtagswahl von 2013 fast zehn Prozentpunkte verlor, liegt sie mit einem Anteil bei den abgegebenen Erststimmen von rund 43 Prozent deutlich über dem Gesamtergebnis ihrer Partei und bleibt damit eine sichere Bank für die Partei im Allgäu. „Die Enttäuschung ist natürlich da, aber ich freue mich darüber, dass das Ergebnis der CSU im Ostallgäu doch besser ist als in Gesamtbayern“, so Schorer am Montag gegenüber dem Kreisbote. 

„Mein persönliches Ergebnis von 43 Prozent zeigt mir, dass mein Einsatz in den vergangenen fünf Jahren bei den Bürgern ankam“, erklärte die Abgeordnete. Dass sie zum vierten Mal das Direktmandat für den Wahlkreis geholt habe, sei ihrer Ansicht nach insbesondere auch auf das geschlossene Auftreten aller vier CSU-Kandidaten im Ostallgäu zurück zu führen. „Das liegt vor allem daran, dass wir gemeinsam mit meinem Listenkandidaten Andreas Kaufmann und den Kandidaten für den Bezirkstag, Uschi Lax und Lars Levringhaus, über Wochen gekämpft haben.“

Eine Erklärung für den bayernweiten Absturz der Christsozialen hatte Schorer am Montag noch nicht. „Nun müssen wir genau analysieren, wie es zu diesem Ergebnis gekommen ist und wie wir für die Zukunft damit umgehen“, erläuterte die Jengenerin. 

"Niederschmetternd"

Ganz anders dagegen die Gefühlslage bei dem langjährigen Füssener SPD-Abgeordneten Dr. Paul Wengert: Mit 8,14 Prozent der Erststimmen wird er dem Landtag künftig aller Voraussicht nach nicht mehr angehören. „Ich bedaure sehr, dem Allgäu künftig im Landtag wohl keine Stimme mehr geben zu können“, so Wengert gegenüber unserer Zeitung. So bleibe für ihn nur der schwache Trost, bei den Erststimmen zwei Prozent über dem SPD-Ergebnis im Stimmkreis zu liegen. 

Der Füssener Dr. Paul Wengert wird dem Landtag künftig aller Voraussicht nach nicht mehr angehören.

„Freuen tut mich, dass ich in Füssen Platz 2 behaupten konnte.“ Das Abschneiden der bayerischen Sozialdemokraten insgesamt nannte er „niederschmetternd“. „Es entspricht in keiner Weise dem, was wir und auch ich ganz persönlich im Landtag und draußen im ganzen Land in den letzten fünf Jahren geleistet haben“, so der Füssener. Den Grund für das historisch schlechte Ergebnis sieht er vor allem in Berlin. „Diese Landtagswahl wurde nahezu ausschließlich von der Bundespolitik bestimmt“, meinte er. Trotz der seiner Meinung nach guten Bundespolitik der SPD sei diese nun für die Querelen zwischen CDU und CSU mit abgestraft worden. „Diese Wahl war ein Signal nach Berlin mit unabsehbaren Folgen für Bayern“, glaubt der Füssener Sozialdemokrat. 

Von einem „historisch guten Wahlergebnis“ sprach hingegen am Montagmorgen Christian Vavra, Direktkandidat der Grünen im Stimmkreis Marktoberdorf. Mit 10.634 Erststimmen konnte er mehr als doppelt so viele Stimmen auf sich vereinen wie Theresa Schopper vor fünf Jahren und ließ Wengert und die SPD damit weit hinter sich. „Alle unsere Wahlziele wurden erreicht und übertroffen“, jubelte er. Sein persönliches Ergebnis nehme er sehr demütig zur Kenntnis, so Vavra auf Anfrage des Kreisbote. „Mit so viel Zuspruch für mein Wahlkampfteam und mich hat keiner gerechnet!“ 

Einer schwarz-grünen Koalition steht Vavra aufgeschlossen gegenüber. „Über die Beteiligung der Grünen an einer ökologisch-sozialen Staatsregierung würde ich mich sehr freuen“, so der Direktkandidat. 

Freie Wähler zufrieden

Auch wenn es voraussichtlich für einen Platz im Maximilianeum nicht reichen wird, ist Susen Knabner, Direktkandidatin der Freien Wähler, nach eigenen Angaben sehr zufrieden mit dem Ergebnis. „Wir liegen im Ostallgäu deutlich über dem landesweiten Ergebnis. Wir sind drittstärkste Kraft und in manchen Gemeinden sogar auf dem zweiten Platz“, freute sich die 40-Jährige aus Marktoberdorf. 

Gestärkt durch das Vertrauen der Wähler werde sie ihre Arbeit als Vorsitzende der Freien Wähler im Landkreis fortsetzen und verstärken, kündigte sie an. Erwartungsgemäß zufrieden über die Wahlergebnisse äußerte sich am Montag auch Wolfgang Rotter von der AfD, die auf Anhieb bayernweit zweistellig den Sprung in den Landtag schaffte. 

Rotter blieb mit fast 9,3 Prozent zwar unter dem bayerischen Schnitt seiner Partei, freut sich aber dennoch. „Insgesamt für die AfD ein super Start in Bayern“, frohlockte er. Er kündigte an, dass die AfD im Landtag eine starke Opposition sein wolle und die CSU vor sich „hertreiben“ werde. 

Ohnehin richtet sich sein Blick vor allem in die Zukunft. „Wenn wir gute Oppositionsarbeit machen, rechne ich bei der nächsten Wahl mit wesentlich mehr Stimmen für die AfD in Bayern, denn die CSU wird weiterhin der Steigbügelhalter für Merkel in Berlin sein und ihre Wähler nach wie vor für dumm verkaufen.“ Unverständnis äußerte Rotter über das starke Abschneiden der Grünen: „Einem Wähler, der von der konservativen CSU zu den Grünen abgewandert ist, dem unterstelle ich politische Schwachsinnigkeit“, so der AfD-Kandidat.

Matthias Matz

Auch interessant

Meistgelesen

Abschied einer Grande-Dame
Abschied einer Grande-Dame
Mark Forsters Charmeoffensive am Forggensee
Mark Forsters Charmeoffensive am Forggensee
Diskussion um Bootsrampe am Füssener Weißensee
Diskussion um Bootsrampe am Füssener Weißensee
Nathalie aus München gewinnt den TrachtenMadl-MINI!
Nathalie aus München gewinnt den TrachtenMadl-MINI!

Kommentare