Rückgang bei Straftaten im südlichen Altlandkreis

Weniger Straftaten im Raum Füssen

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Vor allem rund um die Hohenschwangauer Marienbrücke zeigte die Polizei im vergangenen Jahr Präsenz – und stoppte so zwei Taschendieb-Banden aus Osteuropa.

Füssen/Pfronten – Vermeintliche Schüsse auf einen Zug, osteuropäische Taschendiebe auf der Marienbrücke, verbotene Prostitution, Einmietbetrüger und ein Überfall auf einen Juwelier – die Polizei im Altlandkreis hatte es im vergangenen Jahr mit den verschiedensten Delikten zu tun.

Unterm Strich ist die Zahl der registrierten Straftaten im Vergleich zu 2018 im Bereich der Polizeiinspektion (PI) Füssen und der Polizeistation (PSt) Pfronten aber deutlich gesunken: von 2398 auf 1908, wie PI-Leiter Edmund Martin und Thomas Zeidler von der Pst Pfronten am Montag in einer Pressekonferenz bekannt gaben. 

Demnach ging die Zahl der von seinen Beamten registrieren Strafttaten im Einsatzbereich der PI Füssen von 1708 in 2018 auf 1625 im vergangenen Jahr zurück. Die Pfrontener Beamten nahmen sogar nur 283 auf – im Gegensatz zum Vorjahr, als es noch 690 Straftaten waren. Allerdings, so Martin, sei dies einem „Sondereffekt“ geschuldet. So war ein Pfrontener 2018 wegen Computerbetrugs in fast 350 Fällen angezeigt worden. 

Von den angezeigten Straftaten konnten 81 Prozent aufgeklärt werden, was einem Plus im Vergleich zum Vorjahr von 4,4 Prozent entspricht. Gleichzeitig liegen die Füssener damit deutlich über dem Durchschnitt der Dienststellen im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West (72,2 Prozent). Die Pfrontener konnten dagegen nur 66,8 Prozent ihrer Fälle lösen, was einem Rückgang von 18 Prozent im Vergleich zu 2018 entspricht. Dennoch ist Martin zufrieden: „Die Aufklärungsquote ist sehr hoch – da sind wir stolz drauf!“, betonte er. 

Bei der Kriminalitäts-Häufungsziffer (KHZ) – also die Zahl der Staftaten pro 100.000 Einwohner – liegt das das südliche Ostallgäu mit einer KHZ von 4060 gleichfalls unter dem bayerischen Durchschnitt (4615) und unter der vergleichbarer Städte wie Lindau (5563). 

Sicherster Ort im Dienstbereich ist nach wie vor Rückholz. Dort wurden 2019 sieben Straftaten registriert. In Hopferau ging es mit 16 Straftaten ebenfalls recht friedlich zu. Negativ-Spitzenreiter sind hingegen Schwangau mit 162 und Füssen mit 1170. „Dabei sind die Schwangauer natürlich nicht alles böse Buben“, so Martin. Vielmehr liege die hohe Zahl an dem enormen Touristenaufkommen. 

Tatsächlich beschäftigten im vergangenen Frühjahr und Sommer vor allem zwei osteuropäische Taschendieb-Banden, die rund um die Marienbrücke zuschlugen, die Beamten. Insgesamt gingen 70 Anzeigen wegen Taschendiebstahls ein, wobei die Dunkelziffer weitaus höher sein dürfte. Nachdem es zunächst gelungen war, eine Bande von vier rumänischen Frauen auf frischer Tat zu ertappen und festzunehmen, gingen die Diebstähle kurz darauf von neuem los. Durch Zeugenhinweise konnten schließlich zwei Jugoslawinnen als mutmaßliche Täterinnen identifiziert werden. Beide Banden agierten international. 

Überfall auf Juwelier

Für einen Großalarm sorgte der Überfall auf einen Juwelier in der Füssener Fußgängerzone durch einen 31-Jährigen. „Wir haben binnen kürzester Zeit 15 Streifen in der Innenstadt gehabt. Da sieht man, wie schlagkräftig unsere Polizei ist“, freute sich Martin. Tatsächlich konnte der Räuber, der zwei Angestellte des Ladens zuvor mit einem Messer bedroht hatte, schnell in der Innenstadt ausfindig gemacht und verhaftet werden. 

„So viel Polizei hat Füssen noch nie gesehen“, blickte Martin auf einen weiteren spektakulären Fall zurück, der sich im Juli ereignete. Seinerzeit hatte ein junger Mann mit einer Druckluftpistole auf einen Zug im Füssener Bahnhof geschossen und damit einen Großeinsatz ausgelöst, da zunächst davon ausgegangen werden musste, dass scharf geschossen wird. Selbst das SEK rückte an.

„Im Anfangsstadium war das eine Situation, die man psychisch nicht jeden Tag braucht“, blickte der Polizeichef zurück auf jenen Freitagabend. Doch so spektakulär der damalige Einsatz auch war, so banal fiel die verhängte Strafe für den Schützen aus: 100 Euro wegen einer Ordnungswidrigkeit. 

Ob der junge Mann auch die Kosten des Einsatzes übernehmen muss, stehe noch nicht fest, sagte Martin auf Nachfrage unserer Zeitung. 

Vergewaltigung geklärt

Maßgeblich beteiligt waren die heimischen Ermittler auch an der Klärung einer Vergewaltigung im Januar vergangenen Jahres. Ein Jugoslawe, der hier Verwandte besuchte, soll nach dem Besuch einer Pfrontener Disco eine junge Frau vergewaltigt haben. Zwar konnte die Identität des Täters schnell durch die Ermittler geklärt werden, doch der hatte sich bereits in Richtung Bosnien abgesetzt. Erst bei Bad Reichenhall konnten ihn Grenzpolizisten aus dem Fernbus ziehen und festnehmen. 

Betrüger unterwegs

Auf Tab hielt die Polizei auch ein verbrecherisches Pärchen aus heimischen Gefilden. „Die haben alles, was nicht niet- und nagelfest war, geklaut“, so der Ermittlungsbeamte Hansjörg Schneidberger. So sollen die 42-jährige Ostallgäuerin und ihr 40 Jahre alter Partner etwa 30 Straftaten begangen haben. Dazu gehörten Eigentumsdelikte, Sachbeschädigung, verbotene Prostitution, Trunkenheit im Verkehr und Drogendelikte. Dingfest machen konnten die Beamten auch ein Pärchen, dass durch Einmietbetrug deutschlandweit einen Schaden von rund 12.000 Euro angerichtet hatte. Nachdem die beiden auch in einem Schwangauer Hotel auffällig geworden waren, nahm die Füssener Polizei das Paar fest, das daraufhin in Untersuchungshaft wanderte. 

Polizei kontrolliert

In diesem Jahr hätte der Schwerpunkt der Beamten in Füssen und Pfronten eigentlich auf der Ausarbeitung eines Konzepts gegen Taschendiebe liegen sollen, erklärte Martin. Doch die aktuelle Corona-Krise beeinträchtigt auch die Arbeit der Polizei erheblich. So seien die Beamten sowohl in Füssen als auch Pfronten derzeit vor allem damit beschäftigt, die Ausgehbeschränkungen zu kontrollieren. „Wir sind gerade sehr stark unterwegs und überall präsent“, berichtete der Polizeichef. 

Auch der interne Dienstablauf sei erheblich umstrukturiert worden, um das Risiko von Infektionen innerhalb der beiden Dienststellen zu minimieren. So seien die Streifenpärchen und die Fahrzeugzuteilung beispielsweise fest eingeteilt. Auch eine Schichtübergabe im persönlichen Kontakt finde zwischen den Beamten mittlerweile nicht mehr statt. Anzeigen sollten, soweit möglich, nur noch telefonisch aufgegeben werden.

mm

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