Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt zu

Die Füssener Polizei ist jetzt mit Body-Cams ausgerüstet – Die Kamera soll Schutz bieten

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Die Body-Cams sind von nun an ein Teil der Polizeiausrüstung. Die Kameras dienen dem Schutz der Ordnungshüter und im Ernstfall einer besseren Beweislage.

Füssen – Am vergangenen Montag war es soweit: Die Polizeistreifen in Füssen waren zum ersten Mal mit den neuen Body-Cams unterwegs. Nach dem US-amerikanischen Vorbild und aufgrund der steigenden Gewaltbereitschaft gegen Polizisten werden die Beamten in ganz Bayern mit den Kameras ausgestattet.

Im Allgäu gab es im vergangenen Jahr 445 Fälle von verbaler und körperlicher Gewalt gegen Ordnungshüter. In ganz Bayern waren es 7700 solcher Vorfälle. Das berichtete Werner Strößner, Präsident des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West bei der Bekanntgabe der Einführung der Bodycams für die bayerischen Polizisten kürzlich in Kempten. „Die Gewalt gegen Polizeibeamte hat besorgniserregende Ausmaße angenommen“, sagte Strößner. Die Aufzeichnungen ermöglichen eine bessere Beweisführung. Vor allem sollen sie jedoch deeskalierend wirken. Laut Plan des Innenministeriums in München sollen bis 2020 alle bayerischen Dienststellen mit der Technik ausgerüstet sein (der Kreisbote berichtete). Polizeiobermeisterin Sonja Greisel und Polizeiobermeister Simon Straif waren am Tag der ersten Body-Cam-Nutzung in Füssen in der Fußgängerzone auf Streife. Vor der linken Schulter der Polizistin prangt in leuchtendem Gelb die Uniformkamera. „Das ist eine gute Sache“, findet die junge Beamtin. Es habe schon eine beruhigende Wirkung, wenn die Kamera zur Ausrüstung gehöre und gesehen werde. 

Gewalt gegen Polizisten 

Denn ja, es habe auch hier in Füssen schon verbale und physische Gewalt gegen Polizeibeamte gegeben, sagte Straif. Gerade wenn Alkohol im Spiel sei, in der Discothek, aber auch in verschiedenen anderen Situationen. „Die Kamera dient vor allem zum Schutz der Beamten“, erklärte der Polizeiobermeister. Die Tatsache, dass potenzielle Täter bei der Ausführung einer Straftat in Ton und Bild festgehalten werden können, wirke stark abschreckend. Auch wäre es möglich, falsche Anschuldigungen gegen Polizisten zu widerlegen. Das Gerät läuft nicht dauerhaft. Es kann eine sogenannte Pre-Recording Funktion eingeschalten werden. Dabei werden 30 Sekunden aufgenommen und direkt wieder überspielt. Wenn diese Funktion läuft, könne auch eine plötzlich eskalierende Situation besser nachvollzogen werden, da schon 30 Sekunden vorher eine Beweisführung erfolge, erklärte Simon Straif. „Es gibt jedoch noch rechtliche Hürden bei der Privatsphäre“, schränkte er die Aufnahmemöglichkeiten ein. Gerade im persönlichen Bereich, zum Beispiel Wohnungen, darf die Kamera nur in Ausnahmesituationen verwendet werden. Ist die Bodycam an, wird es durch ein grünes Licht allen Beteiligten angezeigt. Pro Streife gibt es eine Uniformkamera. „Erfahrungen von Kollegen, die die Kamera schon etwas länger getestet haben, sind absolut positiv,“ sagte Greisel. Ob eine Kamera verwendet werden möchte, ist freiwillig. Für die beiden gibt es aber keinen Grund darauf zu verzichten. 

Die Kollegen schützen 

Füssens Polizeichef Edmund Martin ergänzte, dass es nicht darum gehe, sämtliche Einsätze aufzuzeichnen. Statistisch gesehen habe die Body-Cam „bisher bei etwas mehr als jeder vierten mit präventiver Zielrichtung erfolgten Aktivierung“ deeskalierend gewirkt. „Wir wollen unsere Kollegen besser schützen, die tagtäglich für unsere Sicherheit ihren Kopf hinhalten“, so Edmund Martin.

sh

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