"Wiege der Allgäuer Trachtenbewegung"

Der Füssener Richard Hartmann stellt derzeit das "Allgäuer Heimatwerk" auf die Beine

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Das Wissen um die Allgäuer Kultur – hier sind Angehörige der „D‘Neuschwanstoaner“ in ihren Trachten bei einem Besuch des englischen Prinzen Charles in München im vergangenen Jahr zu sehen – will Vereins-Vorstand Richard Hartmann mit seinem Projekt bewahren.

Füssen – „Von Allgäuern für das Allgäu“ – unter diesem Motto steht das Bundesprojekt „Allgäuer Heimatwerk“, das der Initiator Richard Hartmann vergangene Woche den Stadträten im Haupt-, Finanz-, Sozial- und Kulturausschuss (HFSK) vorstellte.

Ihm geht es darum, mit Hilfe einer „Kultur-Kreativ-Denkwerkstatt“ das Wissen um die Allgäuer Kultur, ihre Traditionen und ihr Brauchtum zu bewahren, weiterzugeben und in der Bevölkerung zu verankern. Darüber hinaus werde es als „Leuchtturmprojekt“ Vorbildcharakter für ähnliche Projekte in ganz Deutschland haben, sagte Hartmann.

Bereits vor vier Jahren hat der gebürtige Füssener, Eventmanager und Vorstand des Trachtenvereins „D’ Neuschwanstoaner Stamm“ Füssen mit den Planungen des Projekts begonnen und sich durch den „Behördendschungel“ gekämpft, wie er den Ausschuss-Mitgliedern vergangene Woche berichtete. Mit Erfolg: Das Landwirtschaftsministerium fördert einen Teil des Projekts mit 99.466 Euro. Weitere rund 32.000 Euro muss das Projekt beispielsweise durch Eintritts- und Kursgelder selbst erwirtschaften. Gelingt das nicht, haftet Richard Hartmann persönlich dafür.

Drei Säulen

Seine Idee, die hinter dem „Allgäuer Heimatwerk“ steht, fußt auf drei Säulen: „Kultur“, „Tracht – Blaues Allgäu“ und „Feste Feiern“. Im ersten Teil, den der Bund fördert, möchte Hartmann altes Wissen rund ums Allgäu weitergeben. So sind für 2021/22 unter anderem Kurse rund um die Themen Kochen, Kräuter, Stricken und Handwerk in der Volkshochschule (vhs) Füssen geplant. Doch das ist noch lange nicht alles: So soll ein wiederentdecktes Osterspiel aus dem 15. Jahrhundert in der Kirche St. Mang uraufgeführt werden, Lesungen im „Fiassar Dialekt“ stehen an und Trachtler werden in Abstimmung mit dem „Wertebündnis Bayern“ den Füssener und Schwangauer Grundschülern im Schulunterricht das Allgäuer Brauchtum näher bringen.

Unterricht im Schuplatteln

Darüber hinaus sollen die Nachwuchssportler des EV Füssen und FC Füssen im Schuhplatteln unterrichtet werden, um motorischen Problemen entgegenzuwirken. Ihre neugewonnenen Fertigkeiten werden die Sportler dann gleich bei einem „Plattler-Slam“ in den ehemaligen Hanfwerken zeigen können.

„Füssen ist die Wiege der Allgäuer Trachtenbewegung“, informierte Hartmann. Deshalb plant er in Zusammenarbeit mit dem Museum der Stadt Füssen und dem Bezirk Schwaben eine große Sonderausstellung „Sehnsucht nach Heimat – Füssens Rolle in der Geschichte der Allgäuer Trachtenkultur“, bei der er selbst Kurator sein wird. Ein buntes Rahmenprogramm soll die Ausstellung von Juli bis Oktober 2021 ergänzen. Neben einem „Dänzla“ erwartet die Füssener auch ein großer Trachtenmarkt, kündigte Hartmann an.

Bei den beiden anderen Säulen handelt es sich dagegen noch um Visionen, so der Event-Manager. Beim „Tracht – Blaues Allgäu“ geht es unter anderem darum, Vereine bei diesem Thema zu beraten und auch ein Umdenken zu erzielen. Hartmann möchte erreichen, dass in der örtlichen Landwirtschaft Flachs angebaut wird, der dann in Tirol zu Stoffen gesponnen wird. Auf diese Weise könnten die Allgäuer Vereine mit „hausgemachten Stoffen“ versorgt werden. Auch hier sei er an einer entsprechenden Förderung dran. Denn in Füssen gebe es ein „extremes Defizit an Lieferanten für gute Tracht.“ Die örtlichen Läden richten sich entweder an Touristen oder bieten Tracht im Hochpreissegment an, erklärte der Heimatvereins-Vorstand.

Beratung für Vereine

Und auch bei seiner dritten Säule hat er die örtlichen Vereine im Blick. Als Eventmanager wisse er, dass es viele Auflagen gebe, die Vereine beachten müssen, wenn sie größere Veranstaltungen auf die Beine stellen wollen. Für ehrenamtlich Engagierte sei das kaum mehr zu stemmen. Deshalb sollen sie in der Kultur-Kreativ-Denkwerkstatt entsprechend beraten werden.

Diese Ideen kamen gut bei den Stadträten im Ausschuss an. Als eine „ganz eine tolle Sache“, bezeichnete Christian Schneider (Füssen-Land) das Projekt. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass Füssener Vereine derzeit bis nach Kulmbach fahren müssen, um eine Beratung für eine förderfähige, neue Tracht zu erhalten. Und wer jemals bei der Organisation eines Gautrachten- oder Bezirksmusikfestes dabei gewesen sei, dem sei klar: „Der Aufwand ist immens.“ Deshalb bedankte er sich bei Hartmann für dessen Einsatz: „Du hast Visionen. Da können wir Vereine alle davon profitieren.“

Neues Büro

Dass neben dem „D’ Neuschwanstoaner Stamm“ Füssen auch andere Vereine in das Projekt mit eingebunden werden, war dagegen FWF-Stadrätin Christine Fröhlich ein wichtiges Anliegen. Das sei bei ihm nicht anders, entgegnete ihr Hartmann. So seien alle vier Trachtenvereine aus Füssen, Weißensee, Hopfen und Schwangau beispielsweise bei der Trachtenausstellung mit eingebunden. „Jeder ist herzlich eingeladen mit seiner Idee zu uns zu kommen“, unterstrich der Vereins-Vorsitzende.

Im August werde die Kultur-Kreativ-Denkwerkstatt ihr Büro in einer ehemaligen Werkstatt in der Drehergasse beziehen. Am 1. Oktober möchte Hartmann es offiziell eröffnen. Jeder Schritt des „Allgäuer Heimatwerk“ werde dann dokumentiert. „Das Füssener Projekt ist ein Bausteinprojekt, das für ganz Deutschland übernommen werden kann.“ Darauf könne die Lechstadt stolz sein.


Katharina Knoll

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