Für viele Senioren sind Mieten zu hoch

Wenn die Rente nicht reicht

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„Der Bau von altersgerechten und dabei bezahlbaren Wohnungen muss weiter angeregt werden“, meint Ilona Deckwerth (SPD), Vorsitzende des Seniorenbeirats Füssen.

Füssen – Als Senior in Füssen eine günstige Mietwohnung zu finden, scheint schon fast einem Lottogewinn gleich zu kommen. Das wurde jetzt in der Sitzung des Füssener Seniorenbeirats deutlich. 

„Wir wollen, das der Alltag bezahlbar bleibt, vor allem durch erschwinglichen Wohnraum und auskömmliche Renten“, erklärte Ilona Deckwerth (SPD) im Gespräch mit dem Kreisbote, nach der gut besuchten Sitzung des Beirats im Rathaus.

Damit bringt die Vorsitzende des Beirats, der die Interessen der Seniorinnen und Senioren in Füssen vertritt, das Ziel auf den Punkt, das er offensichtlich gemeinsam mit anderen Parteien, Gruppierungen und Partnern mit neuen Kräften anstrebt. 

Im Sitzungssaal nahm auch Uschi Lax (CSU), stellvertretende Bezirkstagspräsidentin, Platz, das Problem anzusprechen und dafür Lösungen vorzuschlagen. Es sei ja nicht so, dass sich in Füssen keiner um die akute Wohnungsnot kümmere, war der Tenor des Abends. Doch die neuen Bauprojekte unterm Dach des Siedlungswerks, das im Füssener Westen mit Millionen-Investitionen entsprechenden Wohnraum bereit stellen wird, „decken längst nicht den aktuellen Bedarf“, sagte die Sitzungsleiterin. „Es entstehen erfreulicherweise viele barrierefreie Wohnungen“, ergänzte sie. „Doch auf dem freien Markt sind die Mieten für viele Seniorinnen und Senioren einfach zu hoch.“ 

Dass eine vergleichsweise günstige Wohnung nicht unbedingt den veränderten Bedürfnissen älterer Leute entsprechen kann, erweist sich als zusätzliches Problem. Renate Dantinger vom BRK-Kreisverband Ostallgäu, ist Fachfrau und damit Ansprechpartnerin in Fragen, wie eine Wohnung möglichst barrierefrei umgebaut werden kann. Dantinger hatte zu diesem Thema schon früher Referate in Füssen gehalten. Erneut wies sie darauf hin: „Für behindertengerechte Umbauten kann es Fördermittel geben.“ Vielen Leuten sei dies aber nicht bekannt. 

Alternative Wohnmodelle 

Wohngemeinschaften bilden oder „Wohnen für Hilfe“, wie Sepp Kallenbach vorschlug, könnten laut dem Plenum infrage kommen. Es stufte sie aber als keine „Lösungen im großen Stil“ ein. Im Einzelfall sei es sicher möglich, bei älteren Vermietern, denen das eigene Haus nach dem Auszug der Kinder zu groß geworden ist, gegen unentgeltliche Arbeitsleistungen, die mit dem Vermieter abgestimmt werden, besonders günstig zu wohnen. Dazu könnten Schneeräumen oder auch Gefälligkeiten wie Einkaufen oder gemeinsam gestaltete Freizeitaktivitäten zählen. 

Deckwerth wiederum plädierte dafür, dass in Füssen – „wie schon in anderen Städten“ – bei Neubauten ein bestimmter Prozentsatz des Angebots für Wohnungen zu günstigen Mieten bereit gestellt werden müsse. Dafür sei ein Stadtratsbeschluss vonnöten. Derartige Vorstöße führten laut Deckwerth aber bislang nicht zum Erfolg. Der Stadtrat lehnte erneut, wie sie bedauerte, einen entsprechenden Antrag – dieses Mal mit hauchdünner Mehrheit – ab. 

Ein wachsendes Problem 

Dieses wachsende Problem auf dem Füssener Wohnungsmarkt untermauerte statistisches Material. Danach liege der Anteil der Haushalte mit einer monatlichen Kaufkraft unter 1500 Euro mittlerweile bei 34,5 Prozent. Insbesondere in der wachsenden Anzahl der Bewohner über 60 Jahren, so die Sozialerhebung, werde auch die Gruppe, die jeden Monat stark zu kämpfen hat, um über die Runden zu kommen, größer. Die höchsten Fixkosten verursacht die Wohnungsmiete, wie in der Sitzung zu hören war und auch mit Zahlen belegt wurde. 

Bedrohtes Grundrecht 

Die Sitzung signalisierte immer wieder an Beispielen: Wohnen ist ein bedrohtes Grundrecht. Der Artikel 106 der Bayerischen Verfassung besagt, dass jeder Bewohner des Freistaats Anspruch auf eine angemessene Wohnung habe, wie Deckwerth unterstrich. Für die älteren Mitbürger in Füssen müssten für deren Bedürfnisse und Geldbeutel angemessener Wohnraum bereit gehalten werden, so die Beiratsvorsitzende. Um ein solches Angebot machen zu können, wäre ein entsprechender Stadtratsbeschluss, „endlich ein guter Anfang bei den vielen notwendigen Schritten zur Problemlösung“, meinte Deckwerth. Ansonsten bleibe ein bezahlbarer Wohnraum in der Stadt Mangelware.

Chris Friedrich

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