1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Füssen

Dreitannenbichl in Füssen: Der Anfang vom Ende

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Stammtisch der Füssener SPD
Beim Stammtisch der SPD Füssen diskutieren die Versammelten über die Zukunft des Dreitannenbichls. © ed

Füssen – Die geplante Bebauung des Dreitannenbichls im Füssener Westen wird zum Politikum: So drehte sich der Stammtisch der SPD ausschließlich um das eine Thema. 

ine Stunde später als ursprünglich geplant fand jetzt der Stammtisch des SPD-Ortsvereins Füssen statt. Grund dafür war die Ortsbesichtigung am nördlichen Dreitannenbichl, der nach dem Willen der Stadt Füssen bebaut werden soll – zum Ärger des Vereins Füssen-West. Entsprechend entrüstet fanden sich die Vereinsmitglieder anschließend zum SPD-Stammtisch ein, bei dem sich die Sozialdemokraten erneut klar gegen das Projekt aussprachen.

In den vergangenen Jahren hatte der SPD-Ortsverein Füssen jeden Monat zu lockeren Stammtischen eingeladen. Pandemiebedingt konnten diese zuletzt aber nur noch selten stattfinden. Jetzt ließen die Sozialdemokraten diese wieder aufleben. Aus aktuellem Anlass machten sie die geplante Bebauung am Dreitannenbichl zum Thema. Die SPD-Stadträte Ilona Deckwerth und Erich Nieberle stellten zunächst den Sachstand vor und begründeten ihre Ablehnung, die sie bereits schriftlich zum Monatsanfang Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) und ihren Kolleginnen und Kollegen mitgeteilt hatten.

„Grober Verstoß“

Sowohl Deckwerth als auch Nieberle sind sich einig: „Was hier als Nachverdichtung beschönigt werden soll, ist nichts anderes als ein grober Verstoß gegen das nachbarschaftliche Rücksichtnahmegebot und würde den Anfang vom Ende des Dreitannenbichls bedeuten.“ Dieser Bereich sei nur als Ganzes in einmaliger Weise landschafts- und stadtbildprägend. „Darum ist die Idee einer Nachverdichtung an dieser Stelle eine missbräuchliche Verschleierung der Aufgabe der bislang dort geltenden städtebaulichen Grundprinzipien zu Lasten der dort bereits wohnenden Bevölkerung und des Stadtbildes.“

Die Besucher des Stammtisches wiesen zudem darauf hin, dass die Stadt den Käufern und künftigen Bewohnern der neuen BSG/WBG-Häuser versprochen habe, dass ihnen kein weiteres Hochhaus „vor die Nase gesetzt“ werde. Stattdessen sollte auf der verbleibenden Fläche ein Park mit einer Blumenwiese angelegt werden. Auch Belange des Naturschutzes blieben bei den Bauabsichten unberücksichtigt, kritisierte eine Teilnehmerin.

Die Ehrenvorsitzende des Vereins Füssen-West, Evelyn Vesenmayer, betonte, dass man nichts gegen die Schaffung von Wohnraum habe, jedoch sei der Dreitannenbichl dafür der völlig falsche Platz. Unter dem Beifall der Anwesenden erklärte sie, dass sie jahrzehntelang gegen eine Bebauung des Bichls gekämpft habe und das auch weiterhin tun werde.

Reine Augenwischerei

Stadträtin Deckwerth betonte, dass Füssen dringend sozial erschwingliche Wohnungen brauche. Der Bedarf liege bei über 500 Wohneinheiten. „20 bis 50 Wohneinheiten am Dreitannenbichl reichen da bei weitem nicht aus, zumal die Annahme, hier kostengünstig bauen zu können, Augenwischerei ist.“

Das bestätigte Tobias Merz, der in der Immobilienbranche tätig ist. Aufgrund der von der Stadt ins Spiel gebrachten Grundstücksverkaufspreise von 600 Euro und mehr sowie des Mehraufwands für eine Hangbebauung verwies er preisgünstiges Bauen an dieser Stelle in den Bereich der Fabel. „Das kann sich kein Einheimischer leisten“, waren sich die Anwesenden einig. Um nicht als Wohnbauverhinderer gebrandmarkt zu werden, müsse man „den Leuten mit Argumenten die Sachlage erklären“, meinte Helmut Angl, Vorstandsmitglied des Vereins Füssen-West.

Füssen Nord entwickeln

Anders schaut nach Ansicht der Versammelten die Sache im Bereich Füssen Nord/Achmühle aus. Dort könnte ein neuer Stadtteil mit bezahlbaren Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen. Dr. Paul Wengert wies darauf hin, dass an dieser Stelle ein Pilotprojekt für wohnortnahes Arbeiten bzw. arbeitsnahes Wohnen entstehen und die Stadt möglicherweise eine besondere Förderung erhalten könne. Diese Chance dürfe nicht länger ungenutzt bleiben, so der frühere Füssener Bürgermeister. Es gebe also Alternativen zu einer Bebauung am Dreitannenbichl, stellte Ortsvereinsvorsitzender Georg Waldmann abschließend fest. Dem stimmten alle am Tisch einhellig zu.

ed

Auch interessant

Kommentare