Bürgermeister Eichstetter: "Das ist Augenwischerei"

Füssener Bauausschuss sagt Nein zu 60 neuen Wohnungen

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Im Bereich Ponickaus-, Hiebeler- und Froschenseestraße nördlich der "Allgäu-Kaserne" sollen insgesamt 60 neue Wohnungen entstehen.

Füssen – Dass gut gemeint nicht immer gleichbedeutend mit gut gemacht ist, musste jetzt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben aus München erfahren. Sie hatte Bauvoranfragen für den Bau von drei Wohnhäusern mit insgesamt 60 Wohnungen im Bereich nördlich der „Allgäu-Kaserne“ beantragt – und holte sich damit eine Abfuhr im Planungs-, Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss (PBUV).

Zwar sprachen sich die Stadträte grundsätzlich für das Vorhaben aus. Weil aber zu viele Fragen noch offen sind, soll die Stadtverwaltung das Gespräch mit dem Antragsteller suchen und diese klären, so der einstimmige Beschluss des Gremiums vom Dienstagabend. Wie bereits kurz am Samstag im Kreisboten berichtet, plant die Münchner Bundesanstalt für Immobilienaufgaben im Rahmen der „Wohnraumoffensive“ der Bundesregierung den Bau von drei Wohnblöcken im Gebiet nördlich der Allgäu-Kaserne. 

Jeweils ein viergeschossiger Wohnkomplex mit 20 Wohnungen soll im Zuge der Nachverdichtung des bereits bestehenden Wohngebiets in der Ponickaustraße, der Hiebelerstraße und der Froschenseestraße gebaut werden. Die erforderlichen Parkplätze sollen in einer Tiefgarage in der Hiebelerstraße entstehen. Dazu sollen laut Antragstellerin noch einige oberirdische Parkplätze gebaut werden. 

Doch gerade den geplanten Nachweis der Parkplätze bezeichnete Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) als „Augenwischerei“. Teilweise müssten die Bewohner über 300 Meter von der vorgesehenen Tiefgarage in der Hiebelerstraße bis zu ihren weit verstreut liegenden Wohnungen laufen. „Niemand schleppt seine Wasserkästen von da nach dort“, so der Rathauschef. Sein Fazit: „Die Stellplatzlösung ist untragbar!“ 

Deutliche Kritik

Städtebaulich konnten die Pläne der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das Gremium ebenfalls nicht überzeugen. Während in der Nachbarschaft vor allem dreigeschossige Häuser mit Satteldach stehen, will die Antragstellerin viergeschossige Gebäude mit Flachdach bauen. „Von der städtebaulichen Entwicklung her ist das nicht schön“, befand Eichstetter, der die Schaffung eines Präzedenzfalles befürchtete, erlaube der Ausschuss hier die Flachdächer. 

Auch das Landratsamt Ostallgäu stehe dem Vorhaben in seiner jetzigen Form kritisch gegenüber, ergänzte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Vergleichbar sei die Situation mit der ebenfalls viergeschossigen Neubebauung in der Hohenstaufenstraße und der Hiebelerstraße/Kargerstraße. Dort war die Aufstellung eines Bebauungsplans notwendig geworden. Für CSU-Stadtrat Christoph Weisenbach kam eine Zustimmung zu den aktuellen Plänen ebenfalls nicht in Frage. „Es gibt doch gar keine Diskussion, dass wir die Bauvoranfrage ablehnen“, sagte er. 

Weder könnte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben alle erforderlichen Parkplätze für Bewohner und Besucher nachweisen, noch gebe es einen Ersatz für den wegfallenden Spielplatz in der Ponickaustraße. Dazu komme, dass die Gebäude nicht in die Umgebung passen. „Das Einfügegebot wird mit den Füßen getreten!“, kritisierte er. Erlaube der Ausschuss an dieser Stelle vier Geschosse, „schaffen wir einen Präzedenzfall für die weitere Bebauung!“ 

"Rüpelarchitektur" 

UBL-Ratsmitglied Magnus Peresson warnte gleichfalls vor der Genehmigung der vorgelegte Unterlagen. Er befürchte durch die geplanten Gebäude eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung der Wohnqualität der Nachbarn, erklärte er und sprach von einer „Rüpelarchitektur“. Weisenbach kritisierte außerdem das Vorgehen der Antragstellerin, die sich offenbar vor Einreichung des Antrags nicht über die in Füssen geltenden Satzungen informiert hatte. „Der Planer möge sich doch die Satzungen durchlesen und keine zweiseitigen Fragebögen mitschicken!“ 

Bürgermeister Eichstetter zeigte sich ebenfalls verwundert über das Vorgehen der Münchner. „Vielleicht hätte man bei der Größenordnung erstmal einen Termin mit mir machen sollen!?“ 

Auf Antrag von Dr. Martin Metzger (BfF) beschloss das Gremium einstimmig, die Stadtverwaltung zu beauftragen, sämtliche Bedenken in weiteren Gesprächen mit der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten zu besprechen. Geklärt werden sollen dabei unter anderem die noch offenen Frage nach Sozialwohnungen, dem Spielplatz sowie den Parkplätzen.

mm

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