Füssener Bibliothek trotz Sparkurs mit Minus

Kultur: Wann ist ein Defizit ein Defizit?

+
Mit Sonderaktionen versucht die Bibliothek immer wieder, die Menschen anzulocken. Dennoch verzeichnet die Einrichtung erneut ein Defizit.

Füssen – Eine Diskussion um das Defizit der städtischen Kultureinrichtungen wie Museum oder Bibliothek gehört schon fast zur Folklore der Haushaltsberatungen der Füssener Stadträte.

. In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses in der vergangenen Woche schnitten die Ausschussmitglieder das Thema diesmal aber nur kurz an. Es war einmal mehr CSU-Stadtrat und Zweiter Bürgermeister Niko Schulte, der wissen wollte, ob das Landratsamt die Stadt wegen des aktuellen 1,1-Millionen-Euro-Defizits im Kulturbereich wieder rügen werde. 

Kämmerer Marcus Eckert erläuterte, dass das Landratsamt im Zuge der Haushaltsprüfung voraussichtlich tatsächlich darauf hinweisen werde, dass es sich beim Kulturangebot um eine „freiwillige Leistung“ der Kommune handle, die nicht unbedingt erbracht werden müsse – allerdings wertfrei und ohne Kritik. 

Bürgermeister Paul Iacob (SPD) ergänzte an dieser Stelle jedoch, dass er mit Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) das Thema ausführlich diskutiert habe. Ergebnis: Im Landratsamt sei man sich sehr wohl bewusst, dass das Kulturangebot der Stadt wichtig für die gesamte Region sei. 

SPD-Stadträtin Ilona Deckwerth bat hingegen darum, künftig den Begriff „Defizit“ im Zusammenhang mit dem Minus der Kultureinrichtungen zu vermeiden. „Das ist kein Defizit, das ist eine Investition in die Köpfe. Das ist eine wertvolle Investition, die man nicht in die negative Schiene drängen darf“, appellierte sie. Ihr Fraktionskollege Wolfgang Bader ergänzte: „Die Kulturausgaben sind Zuschüsse in die Lebensqualität unserer Bürger!“ 

Traditionell sieht man das in der Füssener CSU anders. So lobte Heinz Hipp, Fraktionsvorsitzender der Christsozialen, zwar die Qualität der städtischen Bibliothek. Gleichzeitig wunderte er sich aber darüber, dass das Defizit der Bibliothek trotz angekündigter Sparmaßnahmen noch weiter gestiegen sei. „Wir wollten sparen, und am Ende sind wir mit mehr Kosten rausgekommen.“ 

Peter Hartung hakte in diesem Zusammenhang nach, ob die in einem Bibliotheks-Gutachten vorgeschlagenen Maßnahmen zur Einnahmensteigerung und Kostensenkung – beispielsweise geänderte Öffnungszeiten – umgesetzt worden seien.  Damit soll heuer begonnen werden, antwortete ihm Bürgermeister Iacob.

 Stadträtin Gerlinde Wollnitza von den Füssener Freien Wählern sprach dagegen die Öffnungszeiten des städtischen Museums an. Sie halte 11 Uhr für zu spät. Bis dahin hätten sich Urlauber bei schlechtem Wetter längst für andere Aktivitäten entschieden. „So lange wartet keiner“, betonte sie. Daher halte sie eine Öffnung um 10 Uhr für sinnvoller, „um mehr Einnahmen zu generieren“. Rathauschef Iacob kündigte an, ihr Anliegen an Museumsleiter Dr. Anton Englert weiterleiten zu wollen.

mm

Auch interessant

Meistgelesen

Knotenpunkt A7/B310 wird drei Wochen lang gesperrt
Knotenpunkt A7/B310 wird drei Wochen lang gesperrt
Gemeinsam durch den Schlamm
Gemeinsam durch den Schlamm
Musizieren leicht gemacht: In nur fünf Wochen ein Musikstück spielen
Musizieren leicht gemacht: In nur fünf Wochen ein Musikstück spielen
Feuerwehren im Ostallgäu verzeichnen Rückgang bei den Aktiven
Feuerwehren im Ostallgäu verzeichnen Rückgang bei den Aktiven

Kommentare