Enorme Energiekosteneinsparung ist möglich

Füssener Stadtrat bringt Blockheizkraftwerke für Bundesstützpunkt auf den Weg

Eisstadion in Füssen
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Viel Geld muss die Stadt Füssen jedes Jahr ausgeben, um den Bundesstützpunkt (BSP) Eishockey und Curling mit Energie zu versorgen. Um hier Geld zu sparen, sollen jetzt zwei Blockheizkraftwerke installiert werden.
  • vonMatthias Matz
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Füssen – Der Bundesstützpunkt (BSP) Eishockey und Curling sowie das Feuerwehrhaus werden künftig mit Hilfe zweier Blockheizkraftwerken mit Energie versorgt. Grünes Licht für diese Investition hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag gegeben. Auf diese Weise möchte die Stadtverwaltung Energiekosten von rund 97.000 Euro im ersten Jahr einsparen. Doch Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) gibt sich damit nicht zufrieden. „Wir werden weiter schauen, was wir machen können“, versprach er. 

Die Energiekosten im BSP Eishockey und Curling sind gewaltig: Ca. 415.000 Euro fallen pro Jahr dafür an. Oder anders ausgedrückt: Jeder Tag kostet mehr als 1000 Euro. Um von diesen Kosten herunterzukommen, setzte sich die Füssener Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten mehrmals mit der EAO (Erdgas), den Elektrizitätswerken Reutte und dem Ingenieurbüro Güttinger zusammen. Das Ergebnis: Die Stadt möchte zwei Blockheizkraftwerke mit je 50 kW betreiben, weil dafür die Förderung am höchsten ist. Sie sollen auf die Jahre 2021 und 2022 aufgeteilt werden.

Dabei ergibt sich eine Auslastung von 6500 Betriebsstunden jährlich. Da jedoch 8000 möglich wären, möchte Eichstetter das benachbarte Feuerwehrhaus an die Anlage anschließen. Denn dessen Heizanlage ist bereits 25 Jahre alt und muss in naher Zukunft erneuert werden. Auf diese Weise könnten die 13.000 Euro Energiekosten pro Jahr für das Feuerwehrhaus das Blockheizkraftwerk des BSP leisten. „120 Meter Leitungen (die zum Feuerwehrhaus verlegt werden müssten – Anmerk. d. Red.) sind schon ein Aufwand“, wandte der Rathauschef ein.

Auch würden Tiefbau- und Anschlussarbeiten anstehen. Dadurch würden sich aber die Einsparungen bei den jährlichen Energiekosten auf rund 97.000 Euro erhöhen. Betrachtet man das über einen Zeitraum von 15 Jahren, spart sich die Stadt Stromkosten von 1,8 Millionen Euro, informierte Eichstetter. Die gesamte Anlage würde sich innerhalb von etwa sechs Jahren amortisieren – wenn die Stadt das Ganze mit einem sogenannten Contracting-Vertrag abwickelt.

Um rund 8300 Euro pro Jahr würde das Projekt noch günstiger werden, wenn die Stadt auf einen Contracting-Vertrag verzichtet und es in Eigenregie durchzieht.

Doch davon hielten die beiden Stadträte Jürgen Doser (FWF) und Andreas Eggensberger (CSU) gar nichts. „Das ist eine hoch komplexe Aufgabe. Ich kann nur davon abraten, dass die Stadt Füssen das selber betreibt“, sagte Doser. Nur Experten könnten die Anlagen optimal einstellen. „Contracting ist deutlich günstiger“, meinte auch Eggensberger. Denn in dieser Variante seien alle Kosten eingeschlossen, von der Planung, über die Umsetzung, Wartung bis zum 24-Stunden-Service, Reparaturen oder Verschleiß, ergänzte Eichstetter. „Wir geben die Verantwortung aus der Hand.“ Gehe ein Teil kaputt, könnten die Kosten schnell in die 10.000 gehen. Wie viel die gesamte Anlage kosten wird, kann man allerdings noch nicht so genau sagen. „Das wird die Ausschreibung zeigen“, sagte Eichstetter gegenüber dem Kreisbote. Derzeit geht die Stadt von Gesamtkosten von um die 450.000 Euro aus.

Weiter an Stellschrauben drehen

Zieht die Stadt das so durch, fallen für den BSP aber immer noch Energiekosten von rund 300.000 Euro pro Jahr an. Um die Kosten zu senken, möchte die Stadtverwaltung an weiteren Stellschrauben drehen. Deshalb hat sie sich mit den Eismeistern besprochen. „Wir haben einen ganz engen Bereich, wo wir arbeiten können“, so der Rathauschef. Denn die 4000 Quadratmeter Eiskunstfläche wird auf -5 bis -3 Grad abgekühlt. Bei -5 Grad reißt das Eis auf, bei -3 Grad ist es ideal. Gespräche mit Eismeistern anderer Stadien haben ergeben, dass diese mit einer flexiblen Eisstrategie arbeiten. Mit einer Abkühlung unter der Woche auf -5 Grad und einer Temperatur von -3 Grad an den Spielwochenenden sparen andere Stadien ca. 10.000 Euro an Energiekosten ein, nennt der Rathauschef ein Beispiel.

Daneben möchte die Stadt in den kommenden Jahren prüfen, inwieweit andere Gebäude in der Umgebung an das Nahversorgungsnetz angeschlossen werden können. Der Bürgermeister hat dabei vor allem die zukünftige Entwicklung der Morisse im Blick. Doch das ist alles noch Zukunftsmusik. Zunächst gehe es darum, die Blockheizkraftwerke auf den Weg zu bringen. „Es wäre schön, wenn wir zeitnah weiter planen dürften“, sagte Eichstetter mit Blick auf die laufenden Energiekosten. Denn jeder Monat, in dem das Blockheizkraftwerk noch nicht arbeitet, kostet der Stadt ca. 9000 Euro.

Räte loben Verhandlungsgeschick

Für diese Lösung bekam der Rathauschef viel Lob aus dem Stadtrat. „Was besseres kann ich mir nicht vorstelle. Hut ab!“, lobte Doser, der nach eigenen Angaben 30 Jahren in der Branche ist. „Herzlichen Dank für das tolle Verhandlungsgeschick!“, meinte auch Andreas Eggensberger. „Danke für die Ausarbeitung! Wir sollten das unbedingt machen!“, ergänzte Peter Hartung (CSU)

Kritischere Töne schlug dagegen Dr. Martin Metzger (BfF) an. Er erinnerte, dass jeder Sport auf dem Eis alles andere als klimaneutral sei. „Das verpulvert viel Energie. Langfristig müssen wir gucken, ob das Zukunft hat, wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen.“ Außerdem sollte sich die Stadt Füssen Gedanken machen, eine eigenständige Stromversorgung auf den Weg zu bringen, regte Ilona Deckwerth (SPD) an. „Die Stadt Treuchtlingen hat genau das gemacht. Die fahren ganz gut damit.“

Abschließend begrüßte der Stadtrat einstimmig das Projekt. Das Blockheizkraftwerk wird als Contracting-Variante für das BSP und dem Anschluss des Feuerwehrhauses ausgeschrieben. Wenn entsprechende Angebote eingegangen sind, wird Eichstetter das wirtschaftlichste auswählen. „Wir geben Gas und schauen, dass wir das hinbekommen“, sagte der Bürgermeister.

kk

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