»Das ist ätzend«

Füssener Stadtrat lehnt Schutzstreifen für Radfahrer in der Luitpoldstraße ab

Luitpoldstraße in Füssen
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Für die andere, östliche Seite der Luitpoldstraße hat Dr. Martin einen Schutzstreifen für Radfahrer beantragt. Den hat der Stadtrat nun abgelehnt.
  • Matthias Matz
    VonMatthias Matz
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Füssen – Die Luitpoldstraße soll im kommenden Jahr planmäßig ausgebaut werden – ohne den von Dr. Martin Metzger (BfF) geforderten Schutzstreifen für Radfahrer. Einen entsprechenden Antrag des Stadtrats lehnte das Kommunalparlament am Dienstagabend bei sieben Gegenstimmen ab. Radler müssen in der Straße also auch in Zukunft weiter im fließenden Verkehr mit schwimmen. „Das ist ätzend!“, reagierte Metzger genervt. „Die Situation ist super gefährlich für Radfahrer und wir hätten sie heute etwas weniger gefährlich machen können.“  

Metzgers Frust galt allerdings weniger seinen Kollegen im Gremium, sondern vielmehr den Verantwortlichen in den zuständigen Behörden wie dem Staatliche Bauamt in Kempten. Dieses hatte im Vorfeld der Sitzung laut Bauingenieur Christian Standl von Steinbacher Consult klar gemacht, dass es den von Metzger beantragten etwa 80 Meter langen Schutzstreifen auf der östlichen Seite der Straße als problematisch erachtet, müsste deswegen der Gehweg schmaler gebaut werden. Nach Ansicht der Behörde könnte das die in Aussicht gestellte üppige staatliche Förderung gefährden, erläuterte Standl. Außerdem widerspreche das dem Bebauungsplan (B-Plan) W43.

Darüber hinaus gibt es jedoch auch ganz praktische Bedenken gegen eine solche Markierung, wie Standl deutlich machte: die geplante Fahrbahnbreite von 6,5 Metern. Sorgen bereiten dem Bauingenieur vor allem die zahlreichen Lkws, die die Luitpoldstraße täglich passieren. Im Schnitt befahren Laster 686 Mal in 24 Stunden die Straße. Laut Prognosen sollen es im Jahr 2030 bereits 790 dieser sogenannten Schwerverkehrsbewegungen alle 24 Stunden sein. Begegnen sich nun – wie so oft – zwei Lkws auf gleicher Höhe, müsse einer bei der vorgesehenen Gesamtfahrbahnbreite von 6,5 Metern auf den eineinhalb Meter breiten Schutzstreifen – der lediglich eine Markierung auf der Fahrbahn ist – ausweichen.

Bei Staus sei davon auszugehen, dass der Streifen sogar ganz blockiert werde. Aber auch für Pkws werde es schwer, Radfahrer mit dem nötigen Sicherheitsabstand zu überholen. „Der Schutzstreifen ist kein sicherer Bereich“, lautete Standls Fazit. „Dem Radfahrer wird eine Sicherheit suggeriert, die er nicht hat.“ Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) sah dies ähnlich, auch wenn er den Antrag grundsätzlich für sinnvoll halte: „Das ist so nicht lösbar und würde zu zusätzliche Gefahrenstellen führen“, sagte er.

»Super gefährlich«

Stadtrat Metzger konnte die Gegenargumente indes nicht nachvollziehen und kritisierte die „Mauerköpfe in den Verwaltungen“, die in ihrem alten Denken verharren würden. „Es haben sich aber längst neue Lösungen heraus kristallisiert.“ In Richtung Standl sagte Metzger, dass es auch Radfahrer gebe, die die Luitpoldstraße eben nicht, wie von dem Bauingenieur vorgeschlagen, umfahren könnten. Und die Situation für Radler dort sei nun mal „super gefährlich“.

Auf eine „psychologische Wirkung“ eines solchen Schutzstreifens hoffte dagegen Stadträtin Christine Fröhlich von den Freien Wählern. „Ich finde einen solchen Schutzstreifen nicht verkehrt“, sagte sie. Dieser erzeuge mehr Aufmerksamkeit der anderen Verkehrsteilnehmer für die Radler. Alternativ könne sie sich Piktogramme wie in Reutte vorstellen. Hinsichtlich der staatlichen Förderung seien Piktogramme tatsächlich unproblematisch, bestätigte Standl. „Piktogramme sind völlig unverbindlich und symbolisieren nur mehr Aufmerksamkeit.“ Auch Erich Nieberle von der SPD, die den Ausbau der drei Straßen für Autos grundsätzlich ablehnt, sprach sich für die Einführung des Streifens aus. „Mit dem Schutzstreifen könnten wir sicher ein bisschen was heilen.“.

Gegen die Schutzmarkierung sprachen sich die CSU-Ratsmitglieder Barbara Henle und Thomas Meiler aus. Diese sei zwar grundsätzlich keine schlechte Idee, so Henle. „Aber der Streifen suggeriert eine Sicherheit, die tatsächlich nicht gegeben ist.“ Meiler hingegen äußerte sein Unverständnis über die Diskussion. „Wir sind in Deutschland und sollten uns an bestimmte Regeln halten!“ Für jeden Radfahrer gebe es verschiedene Möglichkeiten, wie etwa den Von-Freyberg-Park, die Luitpoldstraße zu vermeiden.

Einig war sich das Gremium jedoch darin, dass es eine von Standl ins Spiel gebrachte Sperrung der Luitpoldstraße für Radfahrer nicht geben soll. Vielmehr soll darüber nachgedacht werden, die Straße für Lkws über 7,5 Tonnen zu sperren – auch, wenn dann wohl Probleme mit dem Straßenbauamt vorprogrammiert sind. „Das ist trotzdem eine sympathische Idee, über die wir weiter nachdenken sollten“, so Eichstetter.

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