Kindergarten-Sanierung wird teurer

Füssen: Kosten für die Sanierung der "Sternschnuppe" steigen auf über 730.000 Euro

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Derzeit bekommt die „Sternschnuppe“ einen Anbau im Bereich des früheren Eingangs.

Füssen – Mit seiner extravagante Architektur sollte der Kindergarten „Sternschnuppe“ im Venetianerwinkel Anfang der 2000er Jahre eine Besonderheit unter den Füssener Kindergärten darstellen. Zwar gab es von Anfang an Kritik an der fehlenden Funktion des Gebäudes, doch letztlich setzten sich die Befürworter seinerzeit durch.

Mittlerweile ist klar, dass die Kritiker von damals Recht hatten: Vergangene Woche musste der Stadtrat weitere 142.000 Euro locker machen, um den Weiterbetrieb der Einrichtung zu gewährleisten. Damit belaufen sich die Gesamtsanierungskosten nach derzeitigem Stand auf rund 730.000 Euro. Doch weitere Kosten sind bereits in Sicht. 

Dass in dem architektonisch futuristisch anmutenden Gebäude baulich einiges im Argen liegt, ist der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik seit Sommer 2018 bekannt. Seinerzeit war bei Kontrollen festgestellt worden, dass das Gebäude massive Brandschutzmängel aufweist. Um den Betrieb trotzdem sicher zu stellen, ließ das Bauamt noch im Herbst des gleichen Jahres einen zweiten Fluchtweg aus dem Obergeschoss, wo die Kinderkrippe untergebracht ist, installieren (der Kreisbote berichtete). 

Doch damit nicht genug: Bei der Vorplanung dieser Maßnahme kamen immer mehr Baumängel zum Vorschein. Experten des Landratsamtes stellten dabei auch fest, dass Auflagen aus den beiden Genehmigungsbescheiden aus den Jahren 2000 und 2007 nicht eingehalten wurden. So fehlten unter anderem ein sicherer Rettungsweg ins Freie, die geforderte Feuerwiderstandsdauer der tragenden Wände sowie an absturzsicheren und feuerfesten Verglasungen im Obergeschoss und den dortigen Spielfluren. 

Das Fazit der Fachleute: So kann die Kinderkrippe nicht weiter betrieben werden. Um Abhilfe zu schaffen und einen gefahrlosen Betrieb der Kinderbetreuungs-Einrichtung zu ermöglichen, engagierte die Verwaltung den Füssener Architekten Wolfgang Martin jun. Seit Mitte Oktober laufen mittlerweile die Arbeiten. Unter anderem wurde ein Anbau im Eingangsbereich errichtet. „Nächste Woche heben wir den Deckel auf das Gebäude drauf“, kündigte der Architekt an. Er gehe davon aus dass ab kurz vor Weihnachten wieder ein halbwegs reibungsloser Ablauf des Betriebs möglich sein wird. 

Außerdem stellte er seine aktualisierten Pläne vergangene Woche vor – und diese werden nochmals teurer. So sollen im 1. Obergeschoss eine Glasdecke eingezogen und auf das Dach über dem Atrium eine Lichtkuppel installiert werden, um dort für die nötigen warmen Temperaturen zu sorgen. Die Kosten hierfür schätzt Architekt Martin auf etwa 35.000 Euro. 

Neue Küche

Weitere 70.000 Euro veranschlagt er für eine neue Küche, die im Zuge der Arbeiten gleich mit eingebaut werden soll. Die jetzige entspreche zwar von der Größe her der eines Einfamilienhauses. Allerdings müssten dort täglich 70 bis 90 Essen für die Kleinen angerichtet werden. „Man braucht Platz und auch wegen der Hygiene“, sagte der Architekt. 

Darüber hinaus habe das Landratsamt Ostallgäu zur Auflage gemacht, dass eine behindertengerechte Toilette eingebaut werden muss, was voraussichtlich zusätzliche 25.000 Euro kosten werde.

Weitere 8000 Euro wird wohl ein kombinierter Bewegungs- und Schlafraum mit einer speziellen Ausstattung kosten, den sich die Kindergarten-Leitung und die Betreuerinnen wünschen. „Wir brauchen eine Möglichkeit, dass sich die Kinder bewegen“, betonte Kindergarten-Leiterin Isabella Moser. Der Vorteil des vorgesehenen Raumkonzepts: „Der Raum kann mit wenigen Handgriffen in einen Schlafraum umfunktioniert werden“, so Moser. „Für uns die ideale Lösung!“

 Dafür müssen für die Bereiche Schallschutz sowie die Planungen für Heizung, Lüftung und Sanitär keine Fachplaner engagiert werden, erläuterte Architekt Martin. „Das ist keine große Affäre.“ Anders verhalte es sich bei der Elektrik. Das vorhandene Bus-System sei noch das Anfang der 2000er Jahre installierte und müsse konvertiert werden. „Das ist eine alte Software“, so Martin. 

Weitere 2000 Euro wird die Kämmerei auf Antrag von SPD-Stadträtin Ilona Deckwerth in eine sich selbstreinigende Brille für das Behinderten-WC investieren. „Die selbstreinigende Toilette ist für alle die bessere Lösung“, sagte sie. Außerdem schlug sie der Verwaltung vor, eventuelle Fördermöglichkeiten für die barrierefreie Toilette zu prüfen. Doch damit nicht genug: Zum einen werde das Dach aus Zinkblech in den kommenden zehn bis 15 Jahren ausgetauscht werden müssen, teilte Martin mit. Zum anderen werde die Stadt in den nächsten zehn Jahren nicht um eine energetische Sanierung des Gebäudes herum kommen. 

Ärger bei Peresson

 UBL-Stadtrat Magnus Peresson war seine Verärgerung nach dem Vortrag anzumerken. „Dieses Entwurfsgenie hat vor 20 Jahren so ziemlich alles falsch gemacht, was falsch gemacht werden konnte“, schimpfte er und forderte erneut, die damaligen Planer in Regress zu nehmen. Zweiter Bürgermeister Niko Schulte (CSU), der für Bürgermeister Paul Iacob (SPD) die Sitzung leitete, stimmte zu. Er sei seinerzeit im Elternbeirat gewesen. „Wir sind damals Sturm gelaufen gegen dieses Gebäude“, erinnerte er sich. „Das war nur Deko, hatte aber keine Funktion. Alles, was jetzt geändert wird, haben wir damals alles schon gesagt!“ 

Die Entscheidung, weitere 142.000 Euro für die Sanierung bereit zu stellen, fällten die Stadträte einstimmig. Damit belaufen sich die geschätzten Gesamtkosten auf rund 730.000 Euro. Ein Neubau des Kindergartens, wie von Bürgermeister Iacob Mitte November in der Bürgerversammlung ins Spiel gebracht, würde übrigens laut Architekt Martin um die 2,5 Millionen Euro kosten.

mm

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