»Kein herausgeworfenes Geld«

Füssener Stadtrat stimmt für einen zusätzlichen Bahnhalt in der Froschenseestraße

Bahnübergang in der Froschenseestraße in Füssen.
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Statt in der Mariahilfer Straße soll der neue Bahnhalt nun im Bereich der Froschenseestraße gebaut werden.
  • Matthias Matz
    vonMatthias Matz
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Füssen – Statt der Mariahilfer Straße soll es nun die Froschenseestraße werden: Einstimmig hat sich der Stadtrat kürzlich für den Bau einer zusätzlichen Bahnhaltestelle etwas weiter draußen im Füssener Westen ausgesprochen. Der neue Standort wird die Stadt zwar spürbar mehr Geld kosten als der alte, bietet aus Sicht der Stadtverwaltung jedoch auch Vorteile. Nun soll Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) in den Verhandlungen mit der Deutschen Bahn versuchen, die Kosten für die Stadt nochmals zu senken, so der Auftrag des Gremiums.

Mit der Entscheidung des Kommunalparlaments für den Bahnhalt in der Froschenseestraße hat jetzt ein Projekt einen großen Schritt nach vorne gemacht, das bereits seit fast sechs Jahren die Planer beschäftigt. Und er erspart der klammen Kommune Ausgaben in Höhe von rund 200.000 Euro für nichts.

Rückblick: bereits 2015 hatte es erste Gespräche zwischen Deutscher Bahn und Stadt wegen eines zusätzlichen Bahnhalts im Füssener Westen gegeben. Das Unternehmen wollte im Rahmen seiner „Stationsoffensive Bayern“ neue Bahnstationen im Freistaat bauen. Zwei Jahre später, 2017, folgte schließlich ein Grundsatzbeschluss des Stadtrates zugunsten des Vorhabens (der Kreisbote berichtete).

Seinerzeit hieß es, den barrierefreien Bahnsteig an der Mariahilfer Straße zahlen die Bahn und der Freistaat, die Kosten für Fahrrad- und Autostellplätze sollte hingegen die Kommune übernehmen. Im Zuge der Bauarbeiten sollte auch der Bahnübergang in der Froschenseestraße saniert und dort ein Fuß- und Radweg gebaut werden. Auch hieran hätte sich die Stadt finanziell beteiligen sollen.

Projekt ist in Füssen umstritten

2018 begann die Bahn schließlich die konkreten Planungen für den neuen Bahnhalt in der Mariahilfer Straße. Es folgten mehrere Treffen und Versprechungen mit der damaligen Verwaltungsspitze. In Füssen sorgte das Projekt dagegen beständig für Diskussionen. Kritiker zweifelten vor allem den Nutzen eines zusätzlichen Bahnhalts in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof an.

So richtig Fahrt nahm die Debatte schließlich im Herbst auf, als das Unternehmen angekündigte, den Bau bis 2023 auf den Weg bringen zu wollen. In Kenntnis der wieder aufkommenden Debatte schickte die Deutsche Bahn gleich eine Warnung hinter her: sollte der Stadtrat das Projekt tatsächlich abblasen, müsse die Stadt bis zu 200.000 Euro für die bisherigen Planungen zahlen. Außerdem werde sich die Sanierung des Bahnübergangs Froschenseestraße dadurch um zehn bis fünfzehn Jahre verzögern (der Kreisbote berichtete).

Als Ausweg aus der verzwickten Situation schlug Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) den Ratsmitgliedern jetzt vor, den geplanten Bahnhalt von der Mariahilfer- in die Froschenseestraße zu verlegen. Das würde die Kommune zwar 300.000 bis 350.000 Euro (ohne Förderung) für Planungen, Kauf der erforderlichen Grundstücke und Bau von Rad- und Autostellplätzen kosten. Die andere Option sei, 200.000 Euro für bereits geleistete Planungen an die Bahn zu zahlen und gar nichts dafür zu bekommen.

Rat stimmt zu

Bei den anwesenden Ratsmitgliedern stieß Eichstetters Vorschlag auf breite Zustimmung. So freute sich etwa SPD-Ratsfrau Ilona Deckwerth: „Das ist eine Investition in eine nachhaltige Mobilität!“ Die Mehrkosten seien daher „kein herausgeworfenes Geld“. Seine grundsätzliche Zustimmung signalisierte auch Dr. Martin Metzger (BfF), der allerdings nachhakte, wie die Chancen stehen, dass die Stadt das benötigte Grundstück auch tatsächlich erhalte. Die bisherigen Gespräche seien durchaus positiv verlaufen, entgegnete Eichstetter.

CSU-Stadtrat Thomas Meiler meinte zwar: „Ich bin zwar immer noch der Meinung, dass wir diesen Bahnhalt so kurz vor dem Endkopf nicht brauchen.“ Sollte im Zuge der Arbeiten aber wie angekündigt ein Fuß- und Radweg in der Froschenseestraße gebaut werden, werde auch er dem Vorhaben zustimmen.

Für Schmunzeln sorgte hingegen Dr. Christoph Böhm (CSU) mit einer offenbar in Füssen kursierenden Verschwörungstheorie. Demnach wolle die Bahn den Halt nur bauen, um den Bahnhof aufgeben und das Areal im Herzen der Stadt teuer verkaufen zu können. „Und dann gibt es ja schon jemanden, der dort Häuser bauen möchte“, so Böhm weiter. Bei der Bahn habe man sich über diese Geschichte kaputt gelacht, erwiderte ihm Eichstetter grinsend.

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