Ferienwohnungen in Füssen: Steuern statt verbieten

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Um für mehr Klarheit in der hitzigen werdenden Debatte um Ferienwohnungen zu sorgen, hat die Verwaltung eine Wohnraumanalyse in Auftrag gegeben

Füssen – Wie sollen Politik und Verwaltung mit seit langem bestehenden Ferienwohnungen umgehen, die über keine baurechtliche Genehmigung verfügen? Über diese Frage wird seit Monaten im Füssener Stadtrat kontrovers diskutiert.

Vor allem aus der CSU-Fraktion wird ein Bestandsschutz für diese Unterkünfte gefordert. Verschärft wird die Debatte dadurch, dass die Verwaltung bislang kein Konzept vorgelegt hat, wie die Problematik gehandhabt werden soll. 

Das soll sich nun ändern: Womöglich schon im März will die Verwaltung einen Handlungsleitfaden „Steuerung von Ferienwohnungen“ vorlegen. „Ziel dieser Handlungsanleitung ist nicht, Ferienwohnungen zu verhindern, sondern diese so gut wie nachhaltig zu steuern“, heißt es in dem Papier. 

Bedeutet konkret: „Es ist nicht beabsichtigt, alle vorhandenen Ferienwohnungen zu verbieten“, so Hauptamtsleiter Peter Hartl. Vielmehr solle „Wildwuchs“ neuer Ferienunterkünfte verhindert werden, um weiterhin eine gesunde Mischung aus Wohnen und Ferienwohnungen zu ermöglichen. 

Um das Problem der seit unter Umständen seit vielen Jahren bestehenden Ferienwohnungen ohne baurechtliche Genehmigung zu lösen, sind demnach verschiedene Ansätze denkbar. So könnten Übergangsfristen gesetzt oder befristete Duldungen ermöglicht werden. 

Nach Informationen des Kreisbote haben dabei diejenigen Besitzer durchaus gute Karten, die ihre Wohnungen ordnungsgemäß bei FTM gemeldet haben und die erforderliche Abgaben wie Fremdenverkehrsbeitrag, Kurbeitrag und Zweitwohnungssteuer zahlen. 

Für Besitzern, die ihren Pflichten nicht nachgekommen sind, also Abgaben hinterzogen haben, könnte es dagegen ungemütlich werden. Das letzte Wort hat allerdings der Stadtrat. Um die Ausweisung von Ferienwohnungen künftig grundsätzlich besser steuern zu können, prüft die Stadtverwaltung derzeit, ob und wie sie durch bauleitplanerische Maßnahmen eingreifen kann. 

Dafür braucht es jedoch belastbare Daten. Daher hat der Stadtrat bereits im Februar in nichtöffentlicher Sitzung eine Wohnraumanalyse in Auftrag gegeben. Diese soll nicht nur die Ist-Situation erfassen, sondern auch auf Basis verschiedener Szenarien Prognosen für die Zukunft erstellen. 

So soll unter anderem die Entwicklung der Bevölkerung nach Altersklassen sowie die Entwicklung der Anzahl und Größe der Haushalte sowie bestimmter Zielgruppen wie Familien-, Single- und Seniorenhaushalte untersucht werden. 

Außerdem soll der Wohnungsbedarfs durch die Gegenüberstellung der ermittelten Haushalte zum verfügbaren Wohnungsbestand (ohne Zweit und Ferienwohnungen) ermittelt werden. 

Die „Wohnraumanlayse“ ist allerdings nicht das einzige geplante Instrument zur Steuerung von Ferienwohnungen. In der Dezember-Sitzung hat das Stadtparlament bereits ein „Beherbergungskonzept“ in Auftrag gegeben. 

An der Erstellung dieses Konzeptes will das Rathaus auch die Füssener beteiligen. Das Strategiepapier soll künftig als Argumentationsgrundlage dienen, um eine Begründung für oder gegen eine Ferienwohnung in der Bauleitplanung zu erleichtern. Einer Überhitzung des sogenannten Beherbergungsmarktes will die Verwaltung so verhindern. 

Außerdem hofft man im Rathaus, dass schon allein durch den Beschluss des Beherbergungskonzeptes und dem Verweis auf dieses bei Anfragen, die Nachfrage nach Ferienwohnungen an ungeeigneten Standorten zurück geht. Bis es soweit ist, wird es jedoch noch etwas dauern: 

Sowohl die Wohnraumanlayse als auch das Beherbergungskonzept werden wohl erst in einem halben Jahr vorliegen, wie Hauptamtsleiter Hartl erklärte.

Matthias Matz

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