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Füssener Verkehrsstatistik 2021: Zahl der Unfälle geht zurück – Immer mehr Fahrradfahrer verunglücken

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Von: Chris Friedrich

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Fahrradkontrolle Polizei
Die Polizei Füssen sucht bei ihren Fahrradaktionstagen das Gespräch mit den Fahrradfahrern, um sie auf die Gefahren, die im Straßenverkehr lauern, aufmerksam zu machen. © Archiv/Friedrich

Füssen/Pfronten – Wie schon im Jahr davor ist die Zahl der Fahrradunfälle im Königswinkel im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Das hat Gründe.

Der Trend setzt sich fort: Wie bereits 2020 ist auch im vergangenen Jahr die Zahl der Verkehrsunfälle im Dienstbereich der Polizeiinspektion (PI) Füssen auf der einen Seite zurückgegangen. Auf der anderen Seite verunglücken immer mehr Menschen, die auf dem Fahrrad unterwegs sind. Das zeigt die Verkehrsstatistik, die jetzt die PI Füssen und die Polizeiwache Pfronten vorgelegt haben.

Polizeihauptmeister Johannes Stoll, Verkehrsexperte der Füssener Polizei, bezeichnet im Kreisbote-Interview die Zahl der aufgenommenen Unfälle mit Fahrrad oder E-Bike als „besorgniserregend“ bezeichnet.

Wie hoch ist die Gesamtzahl der Unfälle, die sich 2021 im Zuständigkeitsbereich Füssen und Pfronten ereignet haben?

Johannes Stoll: „Die Zahl liegt bei 1298. Das bedeutet einen Rückgang der Verkehrsunfälle um fast fünf Prozent.”

In Pfronten gab es vermutlich viel weniger Verkehrsunfälle als in Füssen. Stimmt das?

Stoll: „Ja, denn in Füssen waren es über Tausend. In Pfronten exakt 262. Das liegt natürlich daran, dass zum einstigen Dienstbereich der Polizeistation Pfronten lediglich die Gemeinde Pfronten und der Markt Nesselwang gehören. Den Rest des Altlandkreises Füssen zählt zum einstigen Dienstbereich der PI Füssen.“

Wie hoch ist der Gesamtschaden?

Stoll: „Bei diesen Verkehrsunfällen entstand ein Gesamtsachschaden in Höhe von annähernd zweieinhalb Millionen Euro.”

Welche Gründe haben dazu geführt, dass es 2020 und 2021 weniger Verkehrsunfälle gab als zum Beispiel noch vor sechs Jahren?

Stoll: „Das ist zum einen auf die Maßnahmen der herrschenden Corona-Pandemie mit Reisebeschränkungen, Homeoffice und so weiter zurückzuführen, zum anderen werden unsere Fahrzeuge immer sicherer und auch das Verkehrssicherheitsprogramm 2030 mit seinen zahlreichen Aktionen zeigt Wirkung.”

Sprechen wir mal nicht von den Autos, sondern vom Zweirad mit Elektromotor. Warum sind so viele Menschen, die mit solch einem Fahrrad unterwegs sind, in Unfälle verwickelt oder stürzen, ohne mit anderen Verkehrsteilnehmern kollidiert zu sein?

Stoll: „Leider halten sich etliche Radler nicht an die Verkehrsregeln und sie überschätzen sich. Deshalb veranstalten wir Aktionstage und setzen Fahrradstreifen ein, um ins Gespräch mit den Radlern zu kommen. Dabei geht es immer auch darum, dass der Zustand des genutzten Zweirads technisch in Ordnung ist. Radeln liegt im Trend. Wer aufs Rad steigt, sollte aber unbedingt darauf achten, ob beispielsweise Licht und Bremse funktionieren. Immer mehr schützen sich auch mit einem Helm. Eine Helmpflicht gibt es nicht, sie wäre aber angesichts der zunehmenden Unfälle wichtig. Die Hauptursache für die Unfälle liegt aber im Bereich der Geschwindigkeit. E-Biker sind oft mit einer ihrer Fahrkünste nicht angepassten beziehungsweise falsch eingeschätzten Geschwindigkeit unterwegs. Wir raten dazu, sich mit dem neu gekauften E-Bike vertraut zu machen, bevor man zu einer Tour aufbricht. Natürlich gehen wir auch in die Schulen und führen dort die Radfahrausbildung durch.”

Immer wieder ist in Zeitungen zu lesen, dass Fahrer nach Unfällen flüchten. Können solche Verkehrsteilnehmer denn später noch ermittelt werden?

Stoll: „Unsere Aufklärungsquote liegt bei 46,6 Prozent. Es nützt der Polizei, wenn sich Zeugen melden und das ist ja auch oft der Fall. In diesem Zusammenhang bedankt sich die Polizei bei den Zeugen, welche sich gemeldet haben und somit zum Aufklären der Unfallfluchten beigetragen haben.”

Schauen wir auf die Schulkinder. Eine besonders gefährdete Gruppe?

Stoll: „Wir können uns freuen: Es hat sich kein einziger Unfall an den von Schülerlotsen gesicherten Übergängen ereignet. Allerdings hatten wir im Vergleich der Jahre 2020 und 2021 eine negative Entwicklung. 2O20 gab es nur einen einzigen Schulwegunfall, 2021 waren es bedauerlicherweise sechs solcher Unfälle mit Kindern. Hier ist allerdings anzumerken, dass im Jahr 2020 lange Zeit die Schule komplett geschlossen war und dann lediglich mit Wechselunterricht gestartet wurde. Dies hat natürlich zur Folge, dass in 2020 viel weniger Kinder auf dem Schulweg unterwegs waren.”

Wie sieht das Konzept der Füssener Polizei unter ihrem Chef Edmund Martin für das laufende Jahr aus?

Stoll: „Wir suchen das Gespräch mit den Verkehrsteilnehmern – insbesondere mit den ungeschützten Verkehrsteilnehmern wie Radfahrer – bei Aktionen im Gebiet der Stadt und auch den umliegenden Gemeinden, die einer sachlichen Aufklärung dienen. Verteilt werden dabei Info-Flyer und Fahrradstreifen werden vermehrt eingesetzt.”

Das ist alles?

Stoll: „Nein, natürlich nicht! Wir erhöhen den Kontrolldruck deutlich!”

Worauf bezogen?

Stoll: „Auf Geschwindigkeit, auf die Handynutzung während des Fahrens sowie auf Fahrer, die Alkohol oder andere Drogen konsumiert haben.”

Herr Stoll, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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