137 Stunden getagt

Füssens Bürgermeister blickt auf das Sitzungsjahr 2018 und ruft zu mehr Geschlossenheit auf

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Bürgermeister Paul Iacob (SPD) blickt auf das politische Jahr 2018 zurück.

Füssen – Das Jahr Revue passieren ließ Bürgermeister Paul Iacob (SPD) in der letzten Stadtratssitzung 2018, wofür er auch einige Statistiken mit dabei hatte. Die zeigten, wie viel Zeit die Stadträte ehrenamtlich für die Stadt leisten. Daneben richtete Iacob aber auch einen Wunsch an seine Kollegen

2018 hätten die Stadträte „sehr gut gearbeitet“, so Iacob. So trafen sie sich zu insgesamt 43 Sitzungen, sechs mehr als 2017. Davon fielen allein 18 Sitzungen auf den Stadtrat (2017: 13 Sitzungen). 137 Arbeitsstunden kamen dabei zusammen. Vier Stunden dauerten dabei allein eine durchschnittliche Stadtratssitzung. „Das ist viel Zeit, die sich der Einzelne hier ehrenamtlich engagiert“, so der Rathauschef. Zumal die ganzen Vorbereitungen und Fraktionssitzungen hier noch gar nicht berücksichtigt seien. In dieser Zeit fassten die Räte insgesamt 287 öffentliche und 190 nichtöffentliche Beschlüsse (gesamt: 477). Im Vergleich dazu: 2017 waren es 324 öffentliche und 255 nichtöffentliche Beschlüsse (gesamt: 579). Mit den 142 Entscheidungen in den öffentlichen Sitzungen des Bau- und Umweltausschuss habe das Gremium sicherlich auch die Baukonjunktur in Füssen angekurbelt, meinte Iacob. 

So beispielsweise mit dem „Ja“ zum Skate- und Bikepark, der heuer gebaut wurde. „Einerseits ein mutiger Schritt“, so der Rathauschef, der auf der anderen Seite aber von der Öffentlichkeit enorm unterstützt wurde. „Das hat uns Sicherheit gegeben.“ Ein großes Projekt war der Baubeginn der Steinbrecherstraße, der im kommenden Juli abgeschlossen werden soll, fügte Iacob hinzu. Außerdem brachte das Gremium den neuen Kindergarten im Weidach auf den Weg und die Stadtverwaltung führte erste Gespräche für den Umbau der Grund- und Mittelschule in Füssen. 

2018 brachte zudem ein einschneidendes Erlebnis mit sich: Zum ersten Mal seit 60 Jahren führte der Forggensee im Sommer kein Wasser. Wie die Zukunft des Stausees ausschauen soll, das soll in einem Masterplan Forggensee festgelegt werden, an dem unter anderem die vier Anliegerkommunen derzeit arbeiten, sagte der Rathauschef. 

Abstau reduzieren 

Diese setzen sich dafür ein, dass die Abstauzeiten reduziert werden. Zudem soll er im Bereich Füssen stärker abgegraben werden, um die Wasserqualität und die Situation für die Forggenseeschifffahrt zu verbessern. Zu den weiteren Höhepunkten 2018 zählte Iacob die Landtags- und Bezirkstagswahlen. Dabei gratulierte er Stadträtin Ursula Lax für die erneute Wahl in den Bezirkstag. 

Was die Stadträte in diesem Jahr stark beschäftigt habe, sei das Bürgerbegehren und der Bürgerentscheid zum Strandbad Weißensee und das angestrebte Bürgerbegehren zum Strandbad Hopfen. In diesem Zug bedankte sich der Rathauschef bei allen ehemaligen Stadträten, die sich Anfang September in einem öffentlichen Schreiben von Harald Vauk, Sprecher der „Aktiven Bürger Füssen“ distanzierten, da sich durch dessen Umtriebe eine verzerrte Außendarstellung der Stadt befürchteten (der Kreisbote berichtete). 

Rückgrat zeigen 

Dasselbe gelte auch für die Vereinsvorsitzenden in Hopfen, so Iacob. Die derzeitige Situation am Strandbad (der Kreisbote berichtete mehrfach) habe die Stadt 2018 stark beschäftigt und werde sie auch künftig in Atem halten. „Wir leben in einer Zeit, in der es sehr schwer wird für gewählte Gremien, das umzusetzen, was sie als Auftrag haben“, so der Rathauschef. „Wir entscheiden nach bestem Wissen und Gewissen, nach Beratungen.“ Kein Stadtrat oder Mitglieder der Verwaltung arbeite gegen das mehrheitliche Interesse der Füssener. Dass sich die Stadträte bemühen, sehe man an der Statistik, die er eben vorgestellt habe, erklärte der Rathauschef. 

Der bedankte sich deshalb bei seinen Stadtratskollegen, dass sie trotz mancher Diskussionen immer zu einem guten Ergebnis gefunden haben – und sich danach auch noch in die Augen schauen konnten. „Das ist ganz wichtig.“ Dennoch forderte er seine Räte auf, Rückgrat zu zeigen und trotz aller Meinungsunterschiede die gemeinsam gefassten Beschlüsse nach außen zu tragen. „Das ist Demokratie“, erklärte Iacob, bevor er sich für die offene und ehrliche Zusammenarbeit bedankte. 

Dr. Christoph Böhm (CSU) sah das allerdings etwas anders. „Es ist aber auch Demokratie, dass Minderheiten, die sich ungerecht behandelt fühlen, den Rechtsstaat bemühen und ihre Interessen vertreten.“ Als Beispiel führte er das Strandbad Weißensee, aber auch das Strandbad Hopfen an. „Das ist nicht nur ein Mann“, so Böhm zum Strandbad Hopfensee und Harald Vauk. „Dieser hat 1284 gültige Unterschriften gesammelt.“ 

Prioritätenliste erstellen 

Versöhnlicher fiel da das Schlusswort des Zweiten Bürgermeisters Nico Schulte (CSU) aus. In den künftigen Sitzungen könnten zwischendurch die Wortbeiträge etwas kürzer und die Stimmung etwas besser sein, erklärte er. Daneben forderte er das Gremium auf, eine Liste der Projekte zu erstellen, die es in dieser Legislaturperiode noch umsetzen möchte. Das habe noch ein gutes Jahr Zeit bis zur nächsten Kommunalwahl. „Das ist nicht mehr so viel Zeit. Alle können wir nicht stemmen.“ 

Daneben zeigte sich auch der Zweite Bürgermeister verblüfft über die vielen Stunden, die die Stadträte in diesem Jahr in ihre ehrenamtliche Arbeit investiert haben. „Das sind dreieinhalb Wochen, in denen könnte man ehrlich gesagt auch was schöneres machen.“ Auch für die Stadtverwaltung sei das ein gewaltiger Aufwand. Dass dann mal Vorlagen nicht pünktlich auf dem Tisch liegen, „ist bei diesem Pensum drin.“

kk

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