Abschied nach 17 Jahren

Paukenschlag: Füssener CSU-Bürgermeister wechselt zu "Füssen-Land"

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Niko Schulte verlässt nach 17 Jahren die Füssener CSU.

Füssen – Paukenschlag im Stadtrat: CSU-Stadtrat und amtierender Zweiter Bürgermeister Niko Schulte wird die Christsozialen nach 17 Jahren verlassen und bei der Kommunalwahl 2020 als Stadtrat für den Verein „Füssen-Land“ (FL) kandidieren. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte Schulte am Mittwochmorgen auf Anfrage.

Eigentlich war die Sitzung der CSU-Fraktion im Vorfeld der Stadtratssitzung am gestrigen Dienstagabend reine Routine. Eigentlich. Bis Niko Schulte die Bombe platzen ließ. Auf die Frage, ob er erneut für die Füssener Christsozialen kandidieren werde – die Nominierung der Stadtratskandidaten soll am morgigen Donnerstagabend erfolgen – teilte er mit, dass er nicht mehr antreten werde. 

Die Reaktionen der Anwesenden: Betretenes Schweigen. 

Dabei kommt Schultes Schritt nicht aus heiterem Himmel, sondern ist vielmehr die Konsequenz aus einem seit längerem währenden Prozess.

Gegenüber dem Kreisbote bestätigte Schulte am heutigen Mittwochmorgen auf Anfrage, dass er tatsächlich nicht mehr für die CSU kandidieren werde. Stattdessen will er für den Verein „Füssen-Land“ antreten, kündigte Schulte an, der seit fünf Jahren für die Füssener Christsozialen als Zweiter Bürgermeister amtierte. 

Seinen Entschluss begründete er mit einer zunehmenden Entfremdung mit der Politik der CSU, aber auch Zweifeln daran, im Ortsverband noch richtig aufgehoben zu sein. Zuletzt habe er sich immer häufiger gefragt: „Hey, was mache ich hier eigentlich? Passe ich hier noch rein?“ Man müsse erkennen, wenn es nicht mehr so harmonisch läuft und dann die Konsequenzen ziehen, erklärte er. 

Kritik an der Partei 

Dazu kommen grundsätzliche Zweifel an der Politik der CSU, so Schulte, der sich selbst als Konservativer verortet. „Die Politik der CSU gefällt mir überhaupt nicht mehr“, sagte er. Zuerst der Streit zwischen Horst Seehofer und seinem späteren Nachfolger Markus Söder, zuletzt der Versuch, urplötzlich aus dem Nichts auf den Zug des grünen Zeitgeistes aufzuspringen: „Ich bin mit dieser Politik nicht mehr einverstanden!“ Daher habe er sich zunächst entschieden, gar nicht mehr für den Stadtrat zu kandidieren. Ob er nach fast 18 Jahren weiter Mitglied in der Partei bleiben will, ließ er zunächst offen.

Wie Schulte weiter erklärte, sei ein Wechsel zu „Füssen-Land“ zunächst nicht geplant gewesen. In Gesprächen mit Drittem Bürgermeister Herbert Dopfer und Vereinsvorsitzenden Christian Schneider (beide „Füssen-Land“) habe sich aber gezeigt, dass man gut zusammen passe. „Das war schon immer eine Partei, die sachlich orientiert an den Themen gearbeitet hat.“ Genau wie den aktuellen Stadträten von „Füssen-Land“ lägen auch ihm vor allem die Landwirte und Handwerker am Herzen.

Freude bei "Füssen-Land"

„Füssen-Land“-Vorsitzender Christian Schneider bestätigte im Gespräch mit dem Kreisbote, dass er und Dopfer das Gespräch mit Schulte gesucht hätten, nachdem sie von seiner Entscheidung erfahren hatten, der CSU den Rücken zu kehren. „Er hätte sonst komplett aufgehört, aber das wäre schade. Auf seine Erfahrung im Stadtrat kann man nicht verzichten“, erklärte Schneider. In den Gesprächen mit Schulte habe sich dann schnell heraus gestellt: „Wir sind gut beieinander.“ 

Für Schulte spreche außerdem, dass er eine klare eigene Meinung habe und als offener Mensch gut auf Menschen zugehen könne. Außerdem sitze derzeit niemand aus der Kernstadt für FL im Stadtrat. „Mit einem Mann aus der Stadt vertiefen wir uns inhaltlich noch weiter“, ist Schneider überzeugt.

Wichtig ist Schneider zu betonen, dass FL Schulte der CSU nicht abgeworben habe. „Wir wollten ihn der CSU nicht wegnehmen!“ Für die CSU kommt der überraschende Abgang ihres bisherigen Zweiten Bürgermeisters so kurz vor der Nominierung der Stadtratskandidaten dagegen ungelegen, trübt er doch etwas das Bild von Harmonie und Geschlossenheit, das nach der Nominierung von Maximilian Eichstetter zum Bürgermeister-Kandidaten vorherrscht.

Bürgermeister-Kandidat Schulte?

Gleichwohl teilte Eichstetter mit: „Wir bedauern den Austritt von Niko Schulte aus der CSU sehr.“ Die Entscheidung des noch amtierenden Zweiten Bürgermeisters habe den Vorstand sehr getroffen. Er habe, so Eichstetter weiter, bis zuletzt auf ein Weitermachen Schultes gehofft. „Die gesamte CSU Füssen bedankt sich für das Engagement und die Zusammenarbeit in den letzten 17 Jahren“, so der Bürgermeisterkandidat, der Schulte für sein Engagement den „höchsten Respekt“ aussprach. Schultes Abschied von der CSU und sein Wechsel zu „Füssen-Land“ könnte für die Füssener Christsozialen aber auch noch in anderer Hinsicht schmerzhaft werden – wenn Schulte als Kandidat für das Amt des Füssener Bürgermeisters antrete sollte. 

Bislang habe er sich zwar noch zu keinem Entschluss durchringen können, so der langjährige Stadtrat. „Das Thema ist nicht ganz vom Tisch, sondern in der Schwebe.“ Auch Christian Schneider hält sich hinsichtlich einer Aufstellung Schultes als Bürgermeister-Kandidat für seinen Verein noch bedeckt und verweist auf die Nominierungsversammlung des Vereins, die Mitte/Ende November stattfinden soll.

Matthias Matz

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