Fußgänger fühlen sich am Lechuferweg zunehmend unsicher

Rasende Radler ausbremsen

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Der Lechuferweg ist beliebt bei vielen Spaziergängern und Fahrradfahrern. Die Schilder dort besagen, dass Radler in Schrittgeschwindigkeit den Weg passieren dürfen. Doch die Realität schaut oft anders aus.

Füssen – Ein kurzes Klingeln und schon rauschen sie vorbei: Rasende Radler werden am Lechuferweg wohl immer mehr zum Problem. Darüber diskutieren derzeit nicht nur empörte Füssener in Sozialen Netzwerken. Das sprach auch Wolfgang Bader (SPD) in der jüngsten Sitzung des Stadtrates an.

Der Weg am Lech ist eigentlich ein Gehweg. Radfahrer dürfen hier laut Straßenverkehrsordnung nur Schrittgeschwindigkeit fahren und müssen auf Fußgänger Rücksicht nehmen. Doch die Realität sieht oft anders aus. „Leider waren die 30-40 km/h des Rennrades nicht ganz Schrittgeschwindigkeit, als die Ente zwischen die Räder kam“, schreibt ein Passant auf Facebook. 

Mit solchen Beobachtungen steht er nicht alleine da. „Dieses Verkehrsschild wird von den meisten Radlern missachtet bzw. fehlinterpretiert“, schreibt eine andere. Doch damit nicht genug: „Ich war in der Nähe, als ein älterer Herr auf einem Mountainbike ein Pärchen umfuhr. Anstatt sich zu entschuldigen und abzusteigen, fuhr er pöbelnd weiter. Ich war echt fassungslos“, berichtet eine weitere Userin. 

Fehlende Rücksichtnahme 

Ähnliche Beobachtungen hat auch Stadtrat Heinz Hipp (CSU) gemacht. „Bei manchem fehlts am Anstand und Rücksichtnahme“, ärgert er sich. Und es könne nicht sein, dass Radler Fußgänger beschimpfen. „Der Radler ist dort Gast und nicht vorrangig.“ Für ein friedliches Miteinander müsse aber auch der Fußgänger Rücksicht nehmen. 

Insgesamt seien aber die Zeiten, in denen ein gemeinsamer Geh- und Radweg funktioniert habe, vorbei, fügt der CSU-Stadtrat hinzu. Einer der Gründe: E-Biker. Da in den vergangenen Jahren immer mehr auf die Räder mit Zusatzantrieb umgestiegen sind, sei die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit der Fahrradfahrer enorm angestiegen, so Hipp. „Seit den E- Bikes fahren die Radler nicht mehr 10 bis 15 km/h. Da muss man reagieren.“

Kommt neuer Weg? 

Das sieht auch Bader so, der das Thema im Stadtrat ansprach. Die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit habe am Lech- uferweg „immens zugenommen“, so Bader. Viele Fußgänger „fühlen sich da einfach nicht mehr sicher.“ Der Weg sei zu eng für Fußgänger und Radler. Deshalb fragte er nach, ob die Stadt nicht Schilder aufstellen könne, mit denen Radler auf die Schrittgeschwindigkeit hingewiesen werden. 

„Sinn macht das nicht“, meinte jedoch Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD). Denn: „Die wenigsten können das. Die fallen dann vom Rad.“ Allerdings war ihm das Problem auch bewusst. Familien müssten oft aus dem Weg springen. Das sei ein „Ärgernis“, so der Rathauschef. Deshalb sei die Stadtverwaltung gerade am Prüfen, ob man dort einen zweiten Weg anlegen könne, damit Fußgänger und Radler getrennt werden. Doch dafür brauche die Stadt zusätzliche Grundstücke. „Wir sind in Gesprächen“, erklärte der Rathauschef. 

Verkehrsströme trennen 

Doch dieser Lösung steht Hipp skeptisch gegenüber, wie er auf Nachfrage des Kreisbote erklärt. „Ich weiß von keinen konkreten Grundstücksverhandlungen“, so Hipp. Bis man sich hier einige, „vergehen Jahre“, ist er überzeugt. „So was dauert in der Regel immer länger.“ Eine Lösung müsse aber schon kommenden Sommer her, fordert Hipp. 

Und hat dafür schon eine konkrete Idee: So könnten die Fahrradfahrer, die vom Forggensee herkommen und schneller fahren möchten, über die Weidachstraße umgeleitet werden. Die, die gemütlicher unterwegs sind und auch auf Fußgänger Rücksicht nehmen, könnten dagegen nach wie vor den Lechuferweg benutzen. Allerdings müssten dann entsprechende Schilder auf die Schrittgeschwindigkeit hinweisen, meint auch er. „Mit Schrittgeschwindigkeit am Fußgänger vorbei, daran führt kein Weg vorbei“, sagt Hipp. 

Diese Idee möchte der CSU-Stadtrat in den kommenden Tagen mit Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier besprechen. Einen entsprechenden Antrag will Hipp dann im kommenden Verkehrsausschuss am Dienstag, 12. September, zur Diskussion stellen. 

Katharina Knoll

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