"Volks-Rock’n’Roller" Andreas Gabalier begeistert seine Fans im Füssener Festspielhaus

"Ihr sollt Spaß haben!"

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Wie bei all seinen Konzerten wird der „Volks-Rock'n-Roller“ Andreas Gabalier auch bei der Aufzeichnung seiner ersten Show vom Füssener Publikum gefeiert. Dass alle „I sing a Liad für Di“ mitsingen, gefällt ihm ganz offensichtlich.

Füssen – Kurz vor halb Sieben war er da: Andreas Gabalier, der steirische „Volks-Rock'n-Roller“ betrat die Bühne im extra aufgebauten Village zwischen Festspielhaus und Forggensee, frenetisch von den Zuschauern begrüßt, die seinen Hit „I sing a Liad für di“ begeistert mitsangen.

Natürlich durfte der „Oarsch-Wackler“ dabei nicht fehlen. Elvis war gestern, heute ist Gabalier. Charmant umgarnte der Barde in Füssen die Fans, von Lampenfieber ob seiner ersten TV-Show war nichts zu sehen. 

Anschließend verschwand der Austria-Star Richtung Indoor-Bereich. Hans Bernhard „Fleischi“ Fleischmann übernahm das Mikrofon und wies die Fans frech und charmant in die Aufzeichnungsmodalitäten ein, aber: „Ihr sollt Spaß haben, und Ihr werdet alle Teil der Eurovisions-Show!“ 

Gabalier Fotostrecke

Über die große Leinwand auf der Bühne nahmen die Open-Air-Zuschauer am Geschehen drinnen teil. Schon am Nachmittag hatten hier „Warm-up-Bands“ die Fans mit Country-Musik und Rock'n Roll unterhalten. Der Schweizer Tobey Lucas war erstmals mit Band aufgetreten und strahlte über dieses neue Erlebnis und hofft, „dass es nicht das letzte Mal war“. „The Monroes“ übernahmen danach die Bühne, wobei Frontmann Hanno Pinter auf dem Laufsteg über'm Festspielhaus-Brunnen hautnah Kontakt zum Publikum aufnahm und alle zum Tanzen und Klatschen animierte. 

Der Festspiehaus-Park rockte und rollte. Ob die Segelschiffe, die hinter der Bühne vor Anker gegangen waren, dabei ins Schleudern kamen, konnte Dank der hermetischen Zaun-Abriegelung nicht beobachtet werden. 

Mehr als nur Pop 

Kreischend wurde „Voxxclub“ begrüßt. Die sechs kernigen Buam aus Deutschland, Österreich und der Schweiz enterten stapfend im Lederhosen-Outfit die Bühne. 

Die sechsköpfige A-cappella-Band der Volkstümlichen Musik stellte ihre neue CD „Ziwui Ziwui" vor und war Teil der TV-Aufzeichnung. Klar, dass Andreas Gabalier raus auf die Bühne kam und mitsang. Für die Zuschauer ein Highlight: Die Szene musste wiederholt werden. Überhaupt: Der seit fünf Jahren erfolgreiche Sänger sang und tanzte mit fast allen seinen Gästen, die meist zwei bis drei Songs interpretierten. 

Mit Jeannette Biedermann „All Night Long“, mit Sarah Connor, der er versehentlich ein Bein stellte, „You Shook Me All Night Long“ und mit den Scorpions „Rock You Like A Hurricane“. Matze Knoop witzelte, dass die „Scorpions“ leider nicht ihr „Wind Of Change“, mit dem sie die Berliner Mauer zu Fall gebracht hatten, in Füssen singen durften: „Das hat der Bürgermeister verboten! Der hat Angst, dass dabei die Schlossmauern einreißen!“ Spätestens bei „Proud Mary“ im Duett mit der Schweizerin Stefanie Heinzmann wurde klar: Der „Volks-Rock'n-Roller“ ist kein Austro-Popper, er hat noch mehr drauf. 

Mit Peter Kraus, „der den Rock'n Roll nach Europa brachte“, so der Barde mit dem Hirschgeweih-Mikrofon, tauschte er die Rollen: Gabalier versuchte sich im „Pelvis-Kraus-Schwung“ und Kraus im „Oarsch-Wackler“. Zur Rockgeschichte gehört auch „Queen“, an die das Ensemble des Musicals „We Will Rock You“ auszugsweise gedachte. 

Von Füssen nach Nashville 

Der Italiener Zucchero huldigte im Duett mit eingespielter Ton- und Film-Aufnahme von Luciano Pavarotti dessen Todestag, der sich am Sendetermin zum siebten Mal jährt. 

Mit Rufen „Per Luciano“ forderte er das Publikum im Saal zu mehr Applaus auf, was allerdings nicht ganz glückte. Rock'n Roll ist eng mit Gabaliers Lebensgeschichte verwoben. So erzählt er in seiner Show, dass in der väterlichen Jukebox all die Platten waren, die ihn inspirierten. Allen voran Jamie Lee Lewis, die einzig noch lebende Rock'n-Roll- und Country-Legende. Die besuchte der Volks-Rock'n-Roller – was nicht ganz einfach war, gibt der Greis doch schon seit Jahren kein Interview mehr – in Nashville. Per „Einspieler“ wurde das Treffen gezeigt. 

Mehr Einspiel-Filme zeigen den Gastgeber auf seinem Motorbike in der Schweiz, wo er auf Heinzmann trifft und bei seinem Ausgleichshobby – der Gipfelerstürmung seines Hausberges in der Steirischen Hoamat. Nicht zu vergessen, der Sketch-Einspieler um die „Hymne“. Mit Augenzwinkern versuchte Gabalier wohl damit die Gender-Diskussion in seiner Heimat zu beenden, die es seit seinem Auftritt beim Formel-Eins-Rennen in Spielberg gibt. Er hatte dort den Originaltext „ohne die Töchter“ gesungen. 

Ob er allerdings, nach dem „Ritterschlag aus Kaisers Hand“, auch im purpurroten Freddie-Mercury-Königs-Gewand mit Krone auftreten musste, bleibt eine Geschmacksfrage. Die Aufzeichnung endete nach dreieinhalb Stunden mit einem fulminanten Feuerwerk über der Bühne und wer dachte, er solle nun nach Hause gehen, hatte sich getäuscht: „The Baseballs“ tobten auf der Außenbühne ebenso weiter, wie der 75-jährige Peter Kraus gemeinsam mit Gabalier, der sich per Kniefall beim Outdoor-Publikum für die gelungene Aufzeichnung bedankte: „Danke Euch! Hier in Füssen habt Ihr den Rock'n Roll wiederbelebt!“ 

Und nebenbei freute er sich, „dass die hohen Fernseh-Chefs mit einem breiten Grinsen da hinten sitzen und sich freuen, weil die Aufzeichnung – auch Dank dem Füssener Publikum – so super geworden ist!“

Johanna Lang

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